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EU-Fördermittel dank Präsenz : „500 Millionen Euro aus Brüssel für Frankfurt“

Auf dem Rad zur Arbeit: Das soll Fraport-Mitarbeitern in Zukunft erleichtert werden. Bild: dpa

Die Region Frankfurt/Rhein-Main hat ein eigenständiges Europabüro mit Repräsentanz in Brüssel. Das rentiert sich in Form von EU-Fördermitteln – zum Beispiel bei der Planung von Radfahrwegen.

          Von heute an gibt es an Deutschlands größtem Flughafen auch eine Reparatur- und Service-Station für Radfahrer. Wenige Meter von startenden und landenden Flugzeugen entfernt können sie nun schnell einen Platten reparieren. Sichere Radabstellplätze und Boxen mit Ladestationen für E-Bikes sind seit einigen Monaten vorhanden an Hessens größter Arbeitsstätte mit mehr als 80.000 Beschäftigten. Ginge es nach dem Willen der Region, stiegen einige von ihnen für den Weg zur Arbeit aufs Rad um, im Interesse ihrer Gesundheit, aber vor allem, um Straßen und Bahnen in der Pendlerhochburg Frankfurt zu entlasten.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allein rund 2000 Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Fraport wohnen so nah, dass es für sie attraktiv sein könnte zur Arbeit zu radeln, gäbe es schnelle und gute Wege, Abstellplätze und etwas Service. Radschnellwege stellen nach Ansicht des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main einen starken Anreiz für Pendler dar, umzusteigen. Doch wann ist der Bau eines Radschnellwegs sinnvoll? Wie sind die Routen zu planen? Was müssen sie bieten? Um diese Fragen zu beantworten, hat der Verband, unterstützt vom Europabüro der Region, vor vier Jahren ein EU-Projekt angestoßen. Das Interesse war groß. Niederländer, Belgier und Briten machten ebenso mit wie Fraport und die Gateway Gardens Grundstücksgesellschaft.

          Bald findet die Abschlussveranstaltung statt. Die Partner wissen nun um die Erfordernisse für Radschnellwege und wie man sie ausgestaltet, damit sie international als solche zu erkennen sind. Davon baut sich zwar noch kein Schnellweg und keine Servicestation, ohne die es, so die Einschätzung, auch nicht geht. Doch die Teilnehmer sind überzeugt, durch den Austausch von Ideen und Erfahrungen viel Lehrgeld gespart zu haben. Schließlich will die Region nach dem ersten Radschnellweg von Frankfurt nach Darmstadt, dessen Anfangsabschnitt am 6. Juni eröffnet wird, noch weitere bauen. Von zehn bis zwölf ist derzeit die Rede. „So sieht ein erfolgreiches EU-Projekt aus“, sagt Rouven Kötter (SPD), Erster Beigeordneter des Regionalverbands, der für Mobilität und das Europabüro zuständig ist.

          „Es ist mitunter mühsam mit der EU“

          Es gibt weitere Projekte, etwa zur Innovationsförderung. Frankfurt, Wiesbaden und Mainz erhalten 2,1 Millionen Euro, um die Einführung von Wasserstoffbussen zu prüfen. Für die Planung der Regionaltangente West gibt es 7,6 Millionen Euro, sie ist aus Brüsseler Sicht essentiell für den Verkehrsknoten Rhein-Main. Für Kötter steht fest: Ohne das 2011 gegründete Europabüro der Metropolregion mit eigener Repräsentanz in Brüssel, das die Stadt Frankfurt, Wirtschaftsverbänden und Kommunen aus Mittelhessen unterstützen, würde die Region nicht so stark von Angeboten und Fördermitteln der EU profitieren.

          „Es wird unterschätzt, was hier in der Region ankommt“, sagt Europabüro-Leiterin Susanna Caliendo. Von 2014 bis 2018 seien allein durch die großen EU-Programme rund 500 Millionen Euro in die Metropolregion geflossen. Zudem erhalten die Kommunen durch das Büro eine Fördermittelberatung. Zirka jeden dritten Tag geht eine Anfrage ein. „Und wir sind ein Frühwarnsystem“, sagt Caliendo. Die Mitarbeiter des Büros, zwei in Brüssel, vier in Frankfurt, verfolgen die Entstehung aller Verordnungen in Brüssel und versuchen zu intervenieren, „wenn darin für die Region Kritisches steht“, sagt die überzeugte Europäerin Caliendo. „Es ist mitunter mühsam mit der EU“, aber in Berlin sei es nicht einfacher.

          Kötter fordert ein Ende der Brüsseler Lobbyisten-Politik und eine Stärkung des Parlaments. Zweifel an einem gemeinsamen Europa hat er nicht. Gerade in der wirtschaftsstarken Rhein-Main-Region profitierten die Bürger von den Vorteilen eines gemeinsamen Marktes. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt, dass im Regierungsbezirk Darmstadt durch den EU-Binnenmarkt das Einkommen im Jahr pro Kopf um 1269 Euro gesteigert wird, bundesweit sind es 1046 Euro. „Die Zahlen sprechen doch für sich“, so Kötter.

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