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Erich Helmensdorfer : Den Lokalteil nie gegen die Stadt gemacht

  • -Aktualisiert am

1986: Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt für Erich Helmensdorfer durch den damaligen Bürgermeister Hans-Jürgen Moog Bild: Lutz Kleinhans

Erich Helmensdorfer, der langjährige Lokalchef der F.A.Z. in konfliktträchtigen Zeiten, feiert seinen neunzigsten Geburtstag.

          Zuletzt sahen wir uns vor zwei Monaten in Wien. Erich Helmensdorfer und seine Frau empfingen im Hotel Sacher. Sie tranken Champagner und waren guter Laune, zwei gelassen-freundliche alte Herrschaften, die mit ein wenig Stolz auf ihr Leben zurückblicken dürfen. Erich Helmensdorfer zitierte in seiner Wahlheimat Johann Nestroy. Dessen Worte könne er sich zum Leibspruch machen: „Ich höre das Gras schon wachsen, in das ich demnächst beißen werde.“ Aber so weit wird es hoffentlich noch nicht so bald kommen, vorerst wird Helmensdorfer heute erst einmal neunzig Jahre alt. Für einen so betagten Mann wirkt er beneidenswert rüstig. Dass er sein offensichtliches Wohlbefinden heute und seit jeher mit grantelndem Grimm begleitet, muss man ihm nachsehen: Er ist Franke.

          Das mit dem Granteln war auch früher schon so, als er nämlich - vom 1. März 1976 bis zum 30. Juni 1986 die Rhein-Main-Redaktion dieser Zeitung leitete. Bei der Blattkritik blätterte er durch die Zeitung des Tages und gab Kommentare ab. „Auch schon mal mehr gelacht“, musste sich dann der Autor eines heiteren Artikels anhören. Oder der Beitrag eines für die Stadtplanung zuständigen Redakteurs wurde mit der rhetorischen Frage beschieden: „Das kommt mir so bekannt vor, hab' ich das nicht gestern schon in der Konkurrenz gelesen?“ Mit Lob ging der Ressortleiter sparsam um. Aber traf es einen, merkte man es sich.

          Zusammenkunft um 16 Uhr

          Es waren andere Zeiten. Zur Redaktionskonferenz (heute um 10.30 Uhr) trat man damals um 16 Uhr zusammen. Während heute der Herausgeber, die Ressortleiter und Redakteure, manchmal auch Volontäre und Hospitanten, die Blattkritik und den Konkurrenzvergleich reihum übernehmen, war es in jenen Zeiten der Ressortleiter Helmensdorfer allein, der die Zeitung des Tages kritisierte - täglich, gründlich, kritisch.

          Ganz in seinem Element: Erich Helmensdorfer auf dem Golfplatz des Rasmushof in Kitzbühel

          Das Produkt, an dem die Redaktion dennoch engagiert arbeitete, hieß damals noch „Zeitung für Frankfurt“. Die Redaktion war kleiner als heute, bestand aber aus tüchtigen Journalistinnen und Journalisten, die zum großen Teil noch heute bei der Zeitung sind: Cornelia von Wrangel kümmerte sich ums Soziale, heute ist sie die koordinierende Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Josef Oehrlein war zuständig für das lokale Feuilleton, heute berichtet er mit Sitz in Buenos Aires aus Südamerika. Für Städteplanung war Wolfgang Peters der Spezialist, er ist heute Ressortleiter für die Beilage „Technik und Motor“, wo auch Hans-Heinrich Pardey arbeitet, der in Helmensdorfers Zeiten das Blatt vor allem durch seine Reportagen aus Politik, Gesellschaft und der Welt des Radfahrens bereicherte. Luise Glaser-Lotz berichtet heute aus dem Main-Kinzig-Kreis, Karin Elvers, damals zuständig für Gesundheit und Gastronomie, arbeitet heute für BMW.

          Im Ruhestand befindet sich Günter Mick, vier Jahrzehnte lang der urteilssichere Beobachter und Kommentator der Frankfurter Kommunalpolitik, später von 1990 bis 2008 einer der beiden Ressortleiter. Die gestrenge Blattmacherin Altrud Liebs, der stets gutgelaunte Polizeireporter Franz Horeni und Jörg Kauffmann, der alles über den Flughafen wusste, sind ebenfalls im Ruhestand. Verstorben sind Wilfried Ehrlich, Gerd Lobin (lange Helmensdorfers Stellvertreter) und Wolfgang Bittner. Von einer Bildredaktion war noch nicht die Rede, fast alle Fotos stammten von Lutz Kleinhans, der sich nicht zu Unrecht Bildjournalist nannte, weil er journalistisch dachte und seine Aufnahmen im Kontext des Geschehens machen konnte.

          Aus Kairo an den Main

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