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Lohnungleichheit : „Die Lohnlücke ist heute unumstritten“

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Claudia Plenert: Seit knapp einem Jahr Vorsitzende der Frankfurt Business and Professional Women. Sie ist bei der Messe Frankfurt tätig und für Vertrieb und Marketing zuständig. Sie hält Frauennetzwerke für unerlässlich. Bild: privat

Seit zehn Jahren fordern die Business and Professional Women gleiche Löhne für Männer und Frauen. Auch wenn es Fortschritte gibt: Für Claudia Plenert ist der Kampf noch lange nicht vorbei.

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          Heute wird auch in Frankfurt zehn Jahre Equal Pay Day gefeiert…

          Wenn ich dazwischengehen darf: Wir begehen etwas, und wir feiern nichts. Denn zehn Jahre Lohnungerechtigkeit sind kein Grund, um fröhlich zu sein. Vielmehr machen wir an diesem Tag auf die Differenz bei den Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen aufmerksam.

          Heute macht der Business and Professional Women Germany Club Frankfurt jedenfalls mit dem Aktionsbündnis Equal Pay Day auf den Tag im Jahr aufmerksam, bis zu dem Frauen in Deutschland unentgeltlich arbeiten, während Männer vom 1. Januar an Geld verdienen.

          Ja, darum geht es.

          Hat sich in den zehn Jahren, in denen Sie auf das Thema hinweisen, irgend etwas verändert? Hat sich die Differenz zwischen den Gehältern verringert?

          Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Lücke um zwei Basispunkte verringert, wir sind von 23 auf 21 Prozent gesunken. Wenn wir in dem Tempo weitermachen, werden es unsere Enkel vielleicht gerade noch erleben, dass Lohngleichheit herrscht. Es hat sich also nicht sehr viel getan. Wir sind aber auf einem guten Weg. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren den Equal Pay Day ganz sicher in die Köpfe vieler Menschen bekommen, es ist mittlerweile unstrittig, dass es die Lohnlücke gibt. Wir streiten vielleicht hier und dort noch über die richtige Berechnungsweise – wir stützen uns etwa auf das Statistische Bundesamt. Es geht also nur noch darum, wie groß die Lohnlücke ist, aber die Tatsache, dass es eine Lohnungerechtigkeit gibt, ist heute unstrittig.

          Ändert sich etwas durch das geplante Lohngleichheitsgesetz, das die Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) durchsetzen will und mit dem Arbeitnehmer das Recht erhalten sollen, die Höhe der Gehälter von Kollegen zu erfahren, die gleiche Arbeit verrichten?

          Das geplante Gesetz zur Lohntransparenz hilft uns genauso wie das 2015 verabschiedete Gesetz zur Quote im Aufsichtsrat. Damit haben wir wenigstens schon einmal strukturelle Optimierungen geschaffen. Das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat uns übrigens von Anfang an in der Sache unterstützt und ist bis heute ein ganz wichtiger strategischer Partner für uns.

          Wie waren die Reaktionen auf den ersten Equal Pay Day in Frankfurt?

          Wir sind belächelt worden. Man hat uns nicht ernst genommen. Und selbst vor zwei Jahren noch gab es am Aktionstag bei einer Veranstaltung in der Goethe-Universität Stimmen, die negiert haben, dass es eine Lohnunterschiedlichkeit gibt. Die das einfach nicht wahrhaben wollten. In manchen Köpfen ist es möglicherweise noch immer nicht angekommen, aber wir werden mittlerweile von allen etablierten Seiten ernst genommen. Sonst hätte es nicht die Gesetzesinitiative der Frauenministerin gegeben.

          Wenn Sie sagen, es gibt unterschiedliche Berechnungen für die Lohnlücke: Zu welchem Ergebnis kommen andere?

          Für Deutschland ist die Lohnlücke unstrittig bei 21 Prozent, das hat das Statistische Bundesamt berechnet. Dabei werden die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen in Deutschland verglichen. Andere berechnen die Lücke anders, aber die Ergebnisse liegen nicht weit auseinander.

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