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Energie : Ein Freund, ein guter Freund: Der Tankwart kehrt zurück

Helfende Hände an der Tankstelle Bild: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

Die Renaissance des Tankwarts: Jede dritte deutsche Shell-Tankstelle wird künftig einen Tankwart beschäftigen, der das Auto betankt, den Ölstand überprüft oder die Glühbirne auswechselt. Einen Euro soll die Dienstleistung kosten.

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          Es war eine Freundschaft von der ersten Stunde an. Tankstellen waren ebenso selten wie Autos, als Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann die Deutschen 1930 mit den Schokoladenseiten des Tankens vertraut machten. So, wie sich die Überlebenskünstler Willy, Kurt und Hans im Tonfilm „Die Drei von der Tankstelle“ um ihre Kundschaft bemühten, namentlich die von Lilian Harvey gespielte Schönheit Lilian, erträumte sich vor allem der weibliche Teil ihres Millionenpublikums einen Besuch an den Zapfsäulen, wenn das Ersparte nur erst für ein Auto reichen würde.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch von Dauer war die Freundschaft nicht. In den sechziger und siebziger Jahren wurden die Tankwarte nach und nach ein Opfer des harten Wettbewerbs. Adressen der letzten Tankstellen, an denen noch jemand die Windschutzscheibe putzte, wurden im Freundeskreis weitergereicht. Dann war auch das vorbei. Nur der Traum vom Service blieb, und wie am ersten Tag vor allem bei der weiblichen Kundschaft. Die Zeitschrift „Men's Health“ ermittelte 2005, daß sich immerhin ein Fünftel der Frauen den Tankwart zurückwünscht. Erstaunliches kam zutage: 30 Prozent der Frauen scheuen sich sogar, ihr Auto in eine Waschstraße zu lenken.

          Jetzt scheint die Mineralölindustrie die Kundschaft zu erhören. Der Shell-Konzern teilte gestern mit, in jeder dritten Tankstelle dieser Marke werde es künftig jemanden geben, der sich um das Auto kümmere. Das gilt auch für die 55 Tankstellen im Rhein-Main-Gebiet. Einen Euro soll es kosten, wenn das Auto betankt und Scheiben gereinigt werden, der Ölstand gemessen oder eine Glühbirne ausgewechselt wird.

          Service

          In manchen Tankstellen wird für die Renaissance schon geübt. Die Shell-Tankstelle an der Kennedyallee in Frankfurt beispielsweise beschäftigt vier Stunden am Tag jemanden für derartige Hilfsarbeiten und hat damit gute Erfahrungen gemacht, wie Stationsleiter Michael Horn berichtet. Sein Kollege Peter Bächtle, Pächter von zwei Tankstellen in Wiesbaden, sagt, daß ein solcher Service an der Sonnenberger Straße gut nachgefragt werde, während es an der Dotzheimer Straße, wo die weniger Begüterten wohnen, manche Kunden regelrecht mit der Angst bekämen, wenn sich jemand mit Wasser und Lappen nähere. Sie fürchteten Kosten, obwohl bisher alles unentgeltlich sei.

          Richtig ausgestorben ist der Beruf des Tankwarts übrigens nie. Die Kammern führen ihn weiterhin als Ausbildungsberuf. In Frankfurt wurden allerdings im vergangenen Jahr nur zwei neue Lehrlinge registriert, wie es bei der IHK heißt. In den meisten Tankstellen fehle ein Meister, und außerdem hätten immer weniger Betriebe eine Werkstatt.

          Die Tankwarte in den Shell-Tankstellen werden ohnedies eher Aushilfen sein: Der Konzern selbst spricht von Jobs „im Niedriglohn-Bereich“. So oder so: Shell will mit dem neuen Service-Angebot - und mit neuen Tankstellen - endlich auf Platz eins. Weit ist der Weg nicht: Der Marktanteil des Branchenprimus Aral/BP liegt mit 22,5 Prozent gerade einen Prozentpunkt höher.

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