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Übernahme der SG Nied : Eintracht sieht sich in der Pflicht bei geschwächten Vereinen

„Es gibt eine gewisse Verantwortung, die wir für Frankfurt haben, sagte Eintracht-Vizepräsident Otto, der hauptsächlich als Vertreter des Vorstands an den Vorbereitungen beteiligt war. Deshalb hat die Eintracht bereits vor einigen Jahren der Stadtverwaltung signalisiert, dass sie für Hilfe offen wäre, wenn notleidende Vereine auf die Stadt zukämen. Der Kommunalpolitik seien schließlich Grenzen gesetzt durch Sportförderungsrichtlinien. Wegen Corona dürften noch weitere Vereine in eine prekäre Lage geraten, sagt Burkert. Prinzipiell wäre die Eintracht dann immer für Gespräche bereit. Die SG Nied muss also kein Einzelfall bleiben, der Nothelfer Eintracht könnte auch andernorts in die Bresche springen.

Keine Abneigung gegen Eintracht

Für die Sportler in Nied soll, sobald die Corona-Regeln es wieder zulassen, der Sport in jener Normalität weiterlaufen, die sie von der SG Nied gewohnt waren. Walldorf sagt, dass er seit Bekanntwerden der Fusionspläne fast ausschließlich Zustimmung erfahren habe. „Natürlich schreit niemand Hurra, der seit Kindertagen Mitglied der SG Nied ist und sich mit dem Verein identifiziert hat“, sagte er. „Aber es gibt keinen, der eine Abneigung gegen die Eintracht hat, und der die Fusion nicht als Chance für den Sport in Nied sieht.“ Auch deshalb sieht die Vereinsführung, deren sämtliche Mitglieder im Fall eines Weiterbestands der SG ohnehin erwogen, ihr Vorstandsamt aufzugeben, nur wenig Gefahr, dass sich bei der für den 8. Mai geplanten Mitgliederversammlung eine bedeutsame Zahl an Mitgliedern gegen die Auflösung des Vereins und die Überführung des Vereinsbesitzes ausssprechen könnte.

Große Last: Die Niddahalle der SG Nied.
Große Last: Die Niddahalle der SG Nied. : Bild: Philip Lisowski

Eine Dreiviertelmehrheit der Anwesenden muss dem Antrag des Vorstands zustimmen. Danach kann die SG Nied aus dem Vereinsregister gelöscht werden, die ehemaligen Mitglieder müssen dann bei der Eintracht Mitglied werden.

Um diese qualifizierte Mehrheit sicherzustellen, hat die SG Nied ein Info-Telefon unter der Rufnummer 384945 eingerichtet, beide Klubs wollen zudem eine Informationsveranstaltung organisieren, bei der Mitglieder vor der Versammlung.

Tatsächlich scheint es für die Sportler in Nied nur Vorteile zu geben: So ist beispielsweise der Mitgliedsbeitrag bei der Eintracht im Schnitt um zehn Prozent günstiger. Nieder, die sich auf ein bevorstehendes Jubiläum freuen, müssen nicht um Ehrennadel oder Plakette fürchten. Die Eintracht übernimmt das Eintrittsdatum Akten. Vor allem aber soll jedes Sportangebot mindestens in der bisherigen Qualität aufrechterhalten werden, Übungsleiter wie auch die fünf Angestellten des Klubs um Geschäftsführer Walldorf werden übernommen. Nach Sanierung der Niddahalle soll es zudem dank des Ausbaus der ehemaligen Bowlingbahn im Keller des Gebäudes eine neue Sporthalle geben, in der beispielsweise die Kampfsportler ihre Heimat finden sollen.

„Derzeit hat die SG Nied 1700 Sportler, davon die Hälfte Kinder. Undser Ziel ist es, dass wir 3000 Sportlern Angebote machen können und dann davon ebenfalls die Hälfte Kinder und Jugendliche sind“, sagen die Vertreter beider Klubs unisono.

Für die Eintracht habe es keine Rolle gespielt bei den Überlegungen, dass sie sich der Mitgliederzahl von 100.000 nähere. Diese Marke hatte Eintracht-Präsident Peter Fischer vor einem Jahr ausgegeben, auch wegen Auswirkungen von Corona erzielte der Klub seither freilich nicht die erhofften Zuwächse, derzeit stagniert der Wert bei 91.000. Ohnehin geht Burkert davon aus, dass der Zuwachs am Ende deutlich geringer ausfällt. „Sehr viele werden als Eintracht-Fans schon Mitglied in unserer Fan- und Förderabteilung sein und müssen nun gegebenenfalls nur die Abteilung wechseln“, sagt der Eintracht-Geschäftsführer. Dem Prozess des Zusammenwachsens der Vereine dürfte das sicher zugute kommen.

Kommentar zum Thema: „Breitensport trotz Corona“

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