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Frankfurt steuert nach : Die Eintracht muss ohne Zuschauer spielen

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Wieder ohne zwölften Mann: Die Eintracht muss wie alle Frankfurter Profiklubs vorerst wieder auf Zuschauer verzichten. Bild: dpa

Ursprünglich hatte Frankfurt Regelungen wie die Sperrstunde oder das Alkoholverbot auf Plätzen bis Sonntag befristet. Erwartungsgemäß hat die Stadt die Verordnungen nun verlängert. In einigen Bereichen gibt es weitere Einschnitte.

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          Die Dame mit dem Desinfektionsmittel in der Hand hat viel zu tun an diesem Nachmittag. Immer, wenn ein neuer Redner ans Mikrofon tritt, muss sie sprühen, wischen, sauber machen. Und zu sagen haben an diesem Donnerstagnachmittag einige etwas. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will ebenso um Verständnis werben für die Verlängerung der vor einer Woche in Kraft getretenen Corona-Maßnahmen wie Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) und der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamt, Antoni Walczok.

          Vorerst bis zum 31. Oktober hält die Stadt an der Maskenpflicht auf stark frequentierten Straßen sowie einer Sperrstunde von 23 Uhr an bis 6 Uhr fest. Mehr noch, Frankfurt erweitert die Sperrstunde um ein generelles „Alkoholverkaufsverbot“ von 23 Uhr an. Auch auf den Wochenmärkten soll das Verbot greifen.

          „Weitere Maßnahmen unumgänglich“

          Nicht die Behörden, sondern „das Virus ist der Spielverderber“, sagt der Gesundheitsdezernent, bevor er verkündet, was viele schon geahnt haben. Der Profisport wird in den kommenden Wochen ohne Zuschauer auskommen müssen. Die Hygienekonzepte der großen Vereine seien zwar vorbildlich, lobt Majer. Aber in Frankfurt sei die Zahl der Neuinfektionen einfach zu hoch. Das Spiel der Eintracht gegen Werder Bremen am 31. Oktober muss also vor einer Geisterkulisse ausgetragen werden.

          Frankfurt will weiter aufpassen: Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Verkündung der neuen Maßnahmen.
          Frankfurt will weiter aufpassen: Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Verkündung der neuen Maßnahmen. : Bild: Kehler

          Und auch weitere Maßnahmen seien aufgrund der hohen Infektionszahlen, immerhin knapp 70 je 100.000 Einwohner, unumgänglich, sagt der Gesundheitsdezernent. So muss von Montag an im gesamten Innenstadtbereich, also auf allen Straßen, die sich innerhalb des Anlagenrings befinden sowie am Mainufer in Sachsenhausen eine Maske getragen werden. Zuvor hatte eine Regelung, in der nur einzelne Straßen genannt worden waren, für Verwirrung gesorgt. In weiterführenden Schulen gilt nach den Herbstferien eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer, öffentliche Veranstaltungen sind auf 100 Teilnehmern limitiert, ein Hygienekonzept muss vorgelegt werden. Private Feiern im öffentlichen Raum dürfen nur noch mit zehn Personen durchgeführt werden, findet die Feier im privaten Bereich statt, dürfen nur noch zehn Teilnehmer aus höchstens zwei verschiedenen Haushalten zusammenkommen. „Wenn wir die Trendwende erreichen wollen, müssen wir die Bürger mitnehmen und es ihnen erklären.“

          Die Lag ein Frankfurt sei ernst, meint auch Antoni Walczok vom Gesundheitsamt. So falle es immer schwerer, einen konkreten Infektionsherd auszumachen. Die sozial oft besonders aktive Altersgruppe der Zwanzig- bis Vierzigjährigen macht nach seinen Angaben derzeit die Hälfte der Neuinfektionen aus. Ziel müsse es weiterhin sein, die Infektionsketten schnellstmöglich zu unterbrechen. Bis zu 50 Menschen aus dem Umkreis eines Infizierten müssten dafür befragt und weitere Schritte eingeleitet werden. Eine Aufgabe, bei der von Montag an Bundeswehrsoldaten unterstützen sollen. „Sie müssen aber noch geschult werden.“

          „Man kann die Zahlen nicht schön reden“, unterstützt auch Feldmann die Maßnahmen. Er zeigt, ebenso wie Gesundheitsdezernent Majer, Verständnis für die Situation der Gastronome, die besonders unter der Sperrstunde leiden. Es gehe jetzt darum, im Gespräch zu bleiben und Spielräume auszuloten, sagt Majer. „Aber die grundlegenden Maßnahmen müssen Bestand haben. Dazu gibt es keine Diskussionen mehr.“

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