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Die Werte der Eintracht : Klub mit klarer Kante

„Die Eintracht hat keinen Marken-Claim“: Vorstand Axel Hellmann Bild: Harald Bremes/Jan Huebner

Eintracht Frankfurt hat sich nicht nur sportlich gut entwickelt. Der Verein versucht auch, Werte zu definieren und durchzusetzen. Das sorgt für Aufsehen, Konflikte – und viele Sympathien.

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          Der 1. FC Köln ist „spürbar anders“. Nur zu Borussia Dortmund empfinden Fans eine „echte Liebe“. Wer zu Werder Bremen steht, ist „Lebenslang Grün-weiß“. Und die Bayern? Die sind einfach, wie sie sind, oder kurz gesagt: „Mia san mia.“

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche Werbeclaims sind häufig zentraler Bestandteil von Marken, durch welche die Beziehung von Unternehmen, und das sind Fußballvereine heute ganz gewiss, zu ihren Kunden (den Fans) gestärkt und möglichst Einnahmen generiert werden sollen. Nur Tore schießen können sie nicht.

          Eintracht Frankfurt, das hat Marketing-Vorstand Axel Hellmann immer wieder betont, hat keinen solchen „Markenclaim“. Doch unabhängig von emotional aufgeladenen Worten hat sich der Fußballklub aus Frankfurt wie kaum ein anderer in den vergangenen Jahren zu einer echten Marke in der Region und darüber hinaus in Fußball-Deutschland entwickelt, sogar in ganz Europa: Als mutiger Klub mit Rückgrat und klar definierten Werten, der aus professionellen Strukturen heraus solide und nachhaltig agiert und auf einer breiten Fan- und Mitgliederbasis fußt, die nicht nur als Geldquelle, sondern als wichtiger Teil der Marke Eintracht verstanden wird.

          All das ist in der Welt des Fußballs weder selbstverständlich noch einfach. Schließlich ist die Menge der Kunden eines Fußballvereins derart divers, dass es äußerst schwierig ist, hier ein verbindendes, sinnstiftendes Element zu finden, das über den rein sportlichen Erfolg hinausreicht. Als Bayernfan mag man stolz sein auf Pokale, Rekorde, Nationalspieler. Aber in Frankfurt? Dennoch scheint der Eintracht genau diese Gratwanderung gelungen zu sein.

          AfD-Mitglieder nicht erlaubt

          Ein Blick auf die Zahl der Anhänger dient als Gradmesser für diese These. Die Mitgliederzahl nämlich lag zur Jahrtausendwende noch bei 5000, beim letzten Abstieg der Eintracht 2011 bei 15.000 und schnellte seitdem nach oben auf heute gut 90.000 Männer und Frauen. Bald sollen die 100.000 geknackt werden – und ja, es wird wohl so kommen. Diese Entwicklung in dieser Geschwindigkeit ist erstaunlich. Und sie hängt nicht nur an Ergebnissen und Tabellenständen, sondern auch an vermeintlich soften, aber für die Definition einer Vereins-DNA eminent wichtigen Faktoren.

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          Das sieht auch Peter Fischer so. Der Vereinspräsident hatte in einem Interview mit dieser Zeitung Ende 2017 geäußert, dass niemand Mitglied bei Eintracht Frankfurt sein könne, der gleichzeitig Mitglied der AfD ist. Dafür war Fischer einerseits aus den eigenen Reihen gefeiert, andererseits aber auch angegangen worden. Eigenen Angaben zufolge soll er sogar Morddrohungen erhalten haben.

          Doch seitdem hat Fischer sein Statement weder zurückgenommen noch relativiert, sondern bekräftigt. Immer wieder. „Unsere Satzung legt dem aktiven Sport und dem Fansein ein Wertesystem wie Fairness, Wertschätzung und die Integration ausländischer Mitmenschen sowie die Ablehnung von Rassismus und Diskriminierung zugrunde, zu dem man sich kraft Beitritt bekennt“, sagte Fischer. Dass Satzungen das einfordern, ist das eine. Es im Handeln zu untermauern, glaubhaft und nachhaltig, das andere. Schließlich wissen die Bundesligaklubs in den seltensten Fällen genau, wer ihnen da eigentlich so zujubelt. Und sie wollen es in vielen Fällen vermutlich auch gar nicht wissen. Hauptsache, sie jubeln.

          Auf Ausgrenzung mit Ausgrenzung reagieren?

          Eintracht-Präsident Fischer reicht das nicht. Niemand werde gezwungen, Mitglied des Vereins zu werden, wenn man das Wertesystem des Klubs für sich nicht akzeptieren könne. Wenn man aber diesem Verein beitrete, gebe man auch die Selbstverpflichtung ab, diese Werte zu beachten. Wer Mitglied einer Partei sei oder aber eine Partei wähle, deren Spitzenfunktionäre regelmäßig rassistische und menschenverachtende Aussagen tätigten, mache sich mit dieser Haltung gemein und bekenne sich dazu. Es sei aber nicht miteinander vereinbar, auf der einen Seite ein Willensbekenntnis zu den Werten der Vereinssatzung und gleichzeitig ein Wahlbekenntnis zu der von Spitzenfunktionären der AfD propagierten Gesinnung abzugeben.

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