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Einsatz im Gallus : Polizei will Videomaterial sichten

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Fragwürdiges Vorgehen: In den sozialen Medien wird Kritik an dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei geäußert. Bild: Finn Winkler

Nach dem Polizeieinsatz im Frankfurter Gallus stehen sich zwei Darstellungen gegenüber, was genau der Auslöser war. Der Neffe des Festgenommenen übt Kritik und wirft den Beamten voreiliges Handeln vor.

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          Nach dem Polizeieinsatz an der Mainzer Landstraße in Frankfurt, bei dem Beamte am Samstag einen 34 Jahre alten Mann festgenommen hatten, der mit den Worten „Allahu Akbar“ aus einem Auto gesprungen war, sucht die Polizei nun nach Videomaterial. Wie die Behörde mitteilte, war die Festnahme begleitet von Angriffen auf die Beamten. Ermittelt wird nun gegen den Festgenommenen und andere Beteiligte, aber auch gegen einige der Beamte, die Schlagstöcke und Pfefferspray gegen den psychisch kranken Mann einsetzten, wie die Behörde mitteilte, und wie auf Videos, die in sozialen Medien eingestellt wurden, zu sehen ist.

          Der mutmaßliche Neffe des Vierunddreißigjährigen hatte am Montag Kritik an dem Einsatz geübt. Er sagte, entgegen der Darstellung der Polizei sei die Ausgangssituation keine „Schlägerei“ gewesen, sondern die Psychose seines Onkels. Er und sein Bruder hätten versucht, auf ihn einzuwirken.

          Vorwürfe an die Polizei

          Videoausschnitte der Situation wurden nach dem Einsatz in den sozialen Medien geteilt, wo sie Kritik an dem Vorgehen der Beamten ausgelöst haben.

          Der mutmaßliche Fahrer des Autos äußerte sich später ebenfalls auf Instagram und warf der Polizei voreiliges Handeln und Polizeigewalt vor. Demnach sei er mit seinem Onkel und seinem Bruder unterwegs gewesen. Der Onkel leide an „starken Vorerkrankungen“, die zu jener Zeit „sehr extrem“ gewesen seien. Er sei aus dem Auto gesprungen. Der Fahrer habe danach ebenfalls das Auto verlassen, um seinen Onkel zu beruhigen. Passanten, denen er an dieser Stelle besonders danke, hätten dann auf Bitten einen Rettungswagen gerufen. Ehe dieser eingetroffen sei, seien aber bereits Polizeiautos vor Ort gewesen und hätten, ohne nach der Sachlage zu fragen, auf seinen Onkel eingetreten und Pfefferspray eingesetzt.

          Von einer „Schlägerei“ gesprochen

          Die Polizei hatte am Sonntag eine andere Darstellung mitgeteilt. So hatte sie von einer „Schlägerei“ gesprochen, zu der sie an die Mainzer Landstraße im Stadtteil Gallus gerufen worden sei. Sie berief sich dabei auf Zeugen, die den Notruf gewählt hatten. Als die Streifen angekommen seien, hätten die Beamten mehrere Fahrzeuge gesehen, die auf der Straße abgestellt waren, und „drei miteinander kämpfende Männer“. Ein 34 Jahre alter Mann habe in dem Moment am Boden gelegen, um sich geschlagen und getreten“.

          Als die Beamten den Mann festnehmen wollten, habe er sich heftig gewehrt. Neben Tritten und Schlägen gegen die Polizisten zog er nach Angaben einer Polizeisprecherin auch an deren Schutzwesten, um die Beamten zu Fall zu bringen. Parallel dazu hätten die beiden anderen Männer die Polizisten ebenfalls angegriffen.

          Kurz darauf hätten sich Zuschauer versammelt, die den Polizisten ihren Unmut über die Festnahme zugerufen hätten. Einige von ihnen seien auch „körperlich gegen die Beamten vorgegangen“. Auch der 34 Jahre alte Mann wehrte sich weiterhin gegen seine Festnahme, weshalb sowohl Pfefferspray als auch Schlagstöcke zum Einsatz gekommen seien. Einer weiteren Polizeistreife sei es schließlich gelungen, die Situation zu befrieden.

          Drogeninduzierte Psychose

          Später auf der Wache hat sich schließlich herausgestellt, dass der Mann seit etwa einer Woche unter einer drogeninduzierten Psychose litt. Er wurde in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Gegen ihn und andere Beteiligte, aber auch gegen die eingesetzten Beamten wurde Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat nun die weiteren Ermittlungen übernommen. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Rufnummer 069 - 755 51499 zu melden.

          Am frühen Sonntagabend demonstrierte an der Galluswarte eine Gruppe von etwa 30 Menschen „gegen Polizeigewalt“, die bei der Festnahme an der Mainzer Landstraße geherrscht habe. Die Schlägerei selbst stand nicht in Zusammenhang mit den Demonstrationen, die am Samstag in Frankfurt stattgefunden hatten.

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