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Frankfurter Mainufer : Eine Wand von Reisebussen

Ärgernis: Geparkte Busse am südlichen Frankfurter Mainufer Bild: Ly, Martin

Nicht nur in Sachsenhausen stören sich viele an den parkenden Bussen am südlichen Mainufer. Spätestens mit der Sperrung des nördlichen Ufers ist diese Situation nicht zu halten, sagen Kritiker.

          Trotz ihrer bunten Sonnenhüte haben sich die Mitglieder der asiatischen Reisegruppe in den Schatten der Paulskirche zurückgezogen. Einer der Touristen klopft mit der Faust prüfend auf die rote Sandsteinfassade und nickt anerkennend. Die anderen Touristen ordnen derweil ihre Einkaufstüten. Zu den Errungenschaften zählen auch drei stattliche Pakete, auf denen jeweils Holzkohlegrills abgebildet sind. Dann ruft der Reiseführer zum Aufbruch. Zehn Meter entfernt, am Rand der Berliner Straße, ist ein Reisebus vorgefahren. Die Gruppe steigt ein, nach zehn Minuten fährt der Bus wieder los.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein vorbildlicher Halt. Denn für den Ein- und Ausstieg dürfen die Reisebusse höchstens 15 Minuten halten, vier bis fünf können am Fahrbahnrand halten. Am Wochenende reicht dies häufig nicht, dann stehen die Busse in zweiter Reihe und behindern den Verkehr. Nicht jedem gefällt das. Die FDP-Fraktion im Rathaus Römer hat darum einen Antrag gestellt, in dem der Magistrat aufgefordert wird, die An- und Abfahrt sowie die Halteplätze für Reisebusse in der Innenstadt neu zu organisieren. Die Busse auf der Berliner Straße seien nicht nur ein Verkehrshindernis, sondern versperrten auch die Sicht auf die Paulskirche, meint Antragstellerin Elke Stein-Tafel (FDP). Auch die Situation am Schaumainkai müsse überdacht werden: Auf der südmainischen Uferstraße dürfen Touristenbusse im Abschnitt zwischen Alter Brücke und Eiserner Steg von 8 bis 20 Uhr offiziell parken. Rund zwei Dutzend Fahrzeuge finden Platz; häufig reihen sich die Busse weiter bis zur Schweizer Straße.

          Zwei Fahrspuren blockiert

          Die Kolonne verschandelt nicht nur jedes Fotomotiv vom Main- und Museumsufer, sondern blockiert obendrein eine der zwei Fahrspuren. Das könnte nächstes Jahr zum Problem werden. Denn dann soll die nördliche Uferstraße versuchsweise für ein Jahr für den Verkehr gesperrt werden, das ist im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen festgeschrieben. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat den Versuch bereits beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt. Die spannende Frage wird sein, wie sich der motorisierte Verkehr verteilen wird. Derzeit fahren täglich bis zu 20.000 Autos am Nordufer.

          Dass die Autofahrer auf die südliche Uferstraße ausweichen werden, ist eine Möglichkeit. Ortsvertreter warnen darum vor einem Verkehrschaos. In Sachsenhausen wird es zu Staus, Lärm und mehr Umweltbelastungen kommen, fürchten die Fraktionen des Ortsbeirats. Einstimmig haben sie darum Verkehrszählungen am Sachsenhäuser Ufer vor und während des Versuchs gefordert. Die parkenden Reisebusse sind den Stadtteilpolitikern seit Jahren ein Dorn im Auge. Wenn die nördliche Uferstraße gesperrt werde, dürfte am Südufer nicht länger eine Fahrspur blockiert werden, bekräftigten die Ortsvertreter. Die FDP im Römer fordert, dass der Parkplatz verschwindet.

          „Eigentlich ist das gut organisiert“

          Busfahrer, die am Sachsenhäuser Ufer mit ihren Fahrzeugen pausieren, hören diese Forderungen ungern. „Eigentlich ist das in Frankfurt gut organisiert“, sagt Achmed Abu, der seit vielen Jahren Reisebusse fährt. Der Ein- und Ausstieg auf der Berliner Straße liege nahe bei den Sehenswürdigkeiten und Einkaufsstraßen. Die Stellplätze am Südufer seien wiederum schnell zu erreichen. Die zwei bis drei Stunden Pause, bis die Reisegruppe wieder einsteige, müsse er nicht für die Fahrt zu entfernt gelegenen Parkplätzen verwenden. Auch Fahrer Günther Nedow lobt die Frankfurter Situation. „Hier kostet das Parken nichts.“ In anderen Großstädten müssten Busse teils hohe Parkgebühren zahlen.

          Der Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda, verweist ebenso auf die Anforderungen der Bustouristik-Branche. Zentrale Haltestellen und Parkplätze seien ein „Service für die Gäste“. Das aktuelle Parksystem sei vor rund zehn Jahren geschaffen worden. Mit Blick auf die neue Sehenswürdigkeit Altstadt werde mit einem deutlichen Anstieg an Tagestouristen gerechnet, die mit Reisebussen anreisten, sagt Feda. Touristenbusse auf Plätzen am Stadtrand zu sammeln und die Touristen mit kleinen Shuttle-Bussen zu den Sehenswürdigkeiten zu transportieren, nennt Feda „nur bedingt eine Dienstleistung“. Den Tagesbesuchern ginge wertvolle Zeit verloren.

          Verkehrsdezernent Oesterling räumt unterdessen ein, dass die Stellplätze am Mainufer während des Verkehrsversuchs nicht zu halten sein werden. Das Dezernat prüfe, wo sich Ersatzparkplätze einrichten ließen. Der Vorschlag der FDP, am Waldstadion und an der Isenburger Schneise Busse parken zu lassen, sei aber nicht zu realisieren: Die Flächen schieden aus naturschutzrechtlichen Gründen aus, sagt Oesterling. Verständnis hat der Stadtrat für den Wunsch der Busfahrer, keine zeitraubenden Leerfahrten im dichten Stadtverkehr zurücklegen zu müssen. Oesterling hofft, innerhalb der nächsten sechs Monate eine Lösung vorlegen zu können.

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