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Stadtverwaltung and Migranten : Eine Frage der Haltung

Die Stadt Frankfurt will ihre Mitarbeiter verschiedener Institutionen befähigen, sich interkulturell stärker zu öffnen. Die offene Haltung der Mitarbeiter soll sogar zum Einstellungskriterium werden. Das ist gut so.

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          Mit der Offenheit gegenüber allem Fremden ist es so eine Sache. Sie ist nicht selbstverständlich, muss hart erarbeitet werden. Und das kostet Zeit, Mut und erfordert manchmal auch die Fähigkeit, alte Denkweisen über Bord zu werfen. Offenheit kann also unbequem sein, weil Altbekanntes immer und immer wieder hinterfragt werden muss. Die Stadt Frankfurt will ihre 12.000 Mitarbeiter verschiedener Institutionen in den nächsten Jahren befähigen, sich interkulturell stärker zu öffnen – also allen Menschen, egal welchen Geschlechts oder Alters, welcher Herkunft, sexuellen Orientierung oder Religion sie angehören, vorurteilsfrei zu begegnen. In Zusammenarbeit mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten hat die Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket geschnürt, mit dem sie in den nächsten Jahren all ihre Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren will.

          Die offene Haltung der Mitarbeiter ist nicht nur gewünscht, sie soll sogar zum Einstellungskriterium werden. Das ist gut so. Denn Frankfurt muss aufpassen, dass Begriffe wie „Multikulti“, „Toleranz“ und „kulturelle Vielfalt“ nicht zu Worthülsen verkommen. Wer diese Werte der Stadtbevölkerung überstülpt, sie jeden Tag einfordert, ja sogar damit wirbt, der muss sie auch vorleben. Und zwar im täglichen Kontakt mit den Menschen – und untereinander.

          Menschliches Miteinander

          Eine solche Denkweise von seinen Mitarbeitern einzufordern ist einfach. Sie zu vermitteln fordert Konsequenz. Neue Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen künftig auch nach ihrer Bereitschaft eingestellt werden, diese Werte nach außen zu vertreten. Für altgediente Mitarbeiter gilt die neue Marschroute ebenfalls. Schon heute fließen ihre interkulturellen Kompetenzen in ihre Personalbewertung ein. Das, was die Stadt von ihren Angestellten verlangt, ist also mehr als eine Haltungsempfehlung, es ist eine Haltungsforderung.

          Mit Freiwilligkeit hat das nichts zu tun, bestenfalls mit Einsicht. Das ist das Recht der Stadtverwaltung und ihre Pflicht. Denn alle Bürger dieser internationalen, offenen und toleranten Stadt sollten gleichfalls das Recht haben, mit städtischen Mitarbeitern zu tun zu haben, die ihnen vorurteilsfrei und angemessen begegnen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und ja, das ist es auch. So selbstverständlich, dass diese eingeforderten Werte von den allermeisten städtischen Mitarbeitern seit jeher gelebt werden. Und zwar aus innerer Überzeugung, ganz ohne Zwang. „Interkulturelle Öffnung“ heißt es in der Amtssprache – menschliches Miteinander nennt man es im Volksmund.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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