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Helmut Schwan (hs.)

Ein Spiel mit dem Leben : Allianz gegen Raser

  • -Aktualisiert am

Bringen das Leben anderer in Gefahr: Raser Bild: Picture-Alliance

Jeder, der sein Gaspedal ohne Rücksicht auf andere herunterdrückt, muss mit Konsequenzen rechen. Die Justiz muss durch Raser verursachte „Unfälle“ endlich als das verfolgen, was sie sind: ein vorsätzliches Spiel mit dem Leben anderer.

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          Falls sich der Verdacht bestätigt, dass am Samstag in Frankfurt abermals ein Raser, der das Leben anderer bewusst missachtet, zwei Menschen getötet hat, dann ist es höchste Zeit, neue Strategien gegen diese Bedrohung zu entwickeln. Gefordert sind die Kommunen, Polizei und Justiz. Sie müssen eine Allianz bilden.

          Jeder Fall mag besondere Umstände haben und sehr individuell von der Verfassung des Täters abhängen. Und es ist noch längst nicht geklärt, was den Achtunddreißigjährigen im Stadtteil Sachsenhausen umtrieb. Es wird sich auch mit einem engmaschigen Überwachungskonzept und mit einer Verkehrsführung, die dazu zwingt, langsamer zu fahren, nicht völlig verhindern lassen, dass es weiterhin Menschen gibt, die hinter dem Steuer Frust abbauen oder ihr Mütchen kühlen wollen. Aber es muss endlich wahrscheinlicher werden, dass jeder, der Spaß daran hat, sein Gaspedal ohne Rücksicht auf andere durchzudrücken, mit erheblichen Konsequenzen zu rechnen hat.

          Aufgabe der Justiz, solche „Unfälle“ zu verfolgen

          Es gibt, wie das Verkehrszentralregister ausweist, eine hohe Zahl solcher Intensivtäter. Ihnen müssen nicht nur die Führerscheine, sondern auch viel häufiger die Autos entzogen werden. Dazu bedarf es zum einen intensiverer Geschwindigkeitskontrollen. In diesem Zusammenhang muss deutlicher gemacht werden, dass „Radarfallen“ nicht dazu da sind, durchschnittliche Autofahrer zu schikanieren, die einmal ihren Tacho aus den Augen verlieren und nicht mitbekommen, wie die Nadel einige Striche über dem Erlaubten ausschlägt. Überwachungskameras und Messgeräte müssen vielmehr gezielt dort eingesetzt werden, wo Raser breite, gerade Straßen als Rennstrecken missbrauchen und sich nicht darum scheren, dass sie andere schwer verletzen oder gar töten können.

          Vor allem aber wird es die Aufgabe der Justiz sein, solche „Unfälle“ als das zu verfolgen, was sie sind: ein vorsätzliches Spiel mit dem Leben anderer und unter gewissen Umständen eben auch Mordanschläge. Denn wer so fährt, der nimmt aus niedrigen Beweggründen – der Kick der Geschwindigkeit, der Wettkampf mit einem anderen „Tuner“ – bewusst in Kauf, dass jemand stirbt.

          In der Rechtsprechung setzt sich nur allmählich diese Ansicht durch. Aber noch immer dauert es zu lange, bis solche dramatischen Ereignisse aufgearbeitet, die Fälle abgeschlossen sind. Noch immer wird zwischen den Instanzen fein ziseliert darüber nachgedacht, was sich im Kopf des Fahrers, der mit 130 Stundenkilometern auf eine rote Ampel zurast, in der Zehntelsekunde, bevor er die Kreuzung erreicht, abgespielt haben könnte. Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: nichts.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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