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: Ein Kiosk mit besonderem Service: Wertsachen-Aufbewahrung

  • Aktualisiert am

Der Kiosk von Mohammed Wakeels ist wohl der bestbewachte Kiosk in Frankfurt. Jeden Tag schiebt die Polizei in Sichtweite Wache. Doch das ist nicht der Grund dafür, daß so viele Menschen Wakeel ihre Wertsachen anvertrauen.

          Der Kiosk von Mohammed Wakeels ist wohl der bestbewachte Kiosk in Frankfurt. Jeden Tag schiebt die Polizei in Sichtweite Wache. Doch das ist nicht der Grund dafür, daß so viele Menschen Wakeel ihre Wertsachen anvertrauen. Das hat vielmehr damit zu tun, daß der Kiosk des Pakistaners in unmittelbarer Nachbarschaft des amerikanischen Generalkonsulats im Westend liegt. Die Amerikaner haben nämlich auf ungewöhnliche Weise seine Geschäfte angekurbelt - und zwar mit neuen Sicherheitsrichtlinien, nach denen für einen Besuch im Konsulat nur noch notwendige Unterlagen mitgebracht werden dürfen. Immer mehr Menschen fragten deshalb an dem kleinen, grauen Kiosk an der Ecke von Siesmayerstraße und Bockenheimer Landstraße, ob sie nicht vielleicht ihre Handys, Laptops, Taschen und sonstigen Wertsachen dort für ein paar Stunden lagern könnten. Und Wakeel hatte sofort die zündende Idee. "Die Leute müßten eigentlich bis zum Hauptbahnhof fahren, um ihre Sachen dort in ein Schließfach zu bringen. Jetzt geben sie sie einfach bei mir ab und sparen so das Geld für U-Bahn und Schließfach", erklärt er sein einfaches Geschäftsmodell.

          Und bewacht nun an den zwei Tagen in der Woche, an denen Besucher ins Generalkonsulat kommen dürfen, jede Menge Mobiltelefone und Taschen in seinem nur gut zehn Quadratmeter großen Verkaufsstand. Zwei Euro oder mehr kostet der Aufbewahrungsservice - je nach Größe des Gegenstandes. Für Handys, elektronische Terminplaner und andere kleinere Teile hat Wakeel ein Fächersystem direkt neben dem Zigarettenständer eingerichtet. Reisetaschen und andere größere Gegenstände lagert er auf dem Boden - an manchen Tagen bis 15 Stücke. "Ein paarmal mußte ich sogar auf Hunde aufpassen", berichtet Wakeel. Die hat er dann einfach auf dem Grünstreifen neben dem Kiosk angeleint.

          Weggekommen ist trotz des scheinbaren Chaos noch nie etwas. "Mein System ist sicher." Jeder Kunde bekommt eine in Folie eingeschweißte Visitenkarte mit einer Nummer und einer Unterschrift darauf. Damit niemand die Karte fälschen kann, verändert Wakeel die Karten regelmäßig.

          Etwa 200 Menschen nutzen jeden Monat den Aufbewahrungsservice, viel Geld verdiene er damit aber nicht, sagt der Kioskbetreiber. Allerdings sei das Generalkonsulat an sich eine sehr wichtige Einnahmequelle für ihn: "Viele Leute, die dorthin müssen, kommen hier vorbei und trinken einen Kaffee, essen eine Kleinigkeit oder kaufen eine Zeitschrift." Was wird, wenn das Konsulat im September nach Eckenheim umzieht? "Ich werde viele Kunden verlieren", sagt Wakeel, der deshalb am liebsten mit seinem Geschäft in die Nähe des neuen Konsulats ziehen würde. Doch bisher hat er dafür von der Stadt keine Genehmigung erhalten.

          THOMAS BERTZ

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