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„Ein Bau wie Guggenheim in Bilbao“ : Weltkulturen-Museum soll auf Degussa-Areal

Das Degussa-Areal soll bis zum Jahr 2014 in drei Abschnitten völlig neu bebaut werden Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Das Museum der Weltkulturen wird neu gebaut: Zwischen den Städtischen Bühnen und dem Karmeliterkloster entsteht das Großprojekt, das Oberbürgermeisterin Petra Roth zur „Chefsache“ gemacht hatte.

          Der Neubau des Museums der Weltkulturen kann auf dem Degussa-Areal in der Frankfurter Innenstadt entstehen. Darauf haben sich der Magistrat und der Eigentümer des Areals, die Deutsche Immobilien Chancen (DIC), geeinigt. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sagte im Gespräch mit der F.A.Z., dass mit dem Entwurf für den Neubau ein renommiertes Architektenbüro beauftragt werden solle, das noch nicht in Frankfurt gebaut habe.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          „Wir denken an einen Bau à la Guggenheim in Bilbao“, sagte Roth. Ihren Angaben zufolge wird das Museum eine Bruttogeschossfläche von 8500 Quadratmetern haben. Die Stadt werde den Bau voraussichtlich für 25 Jahre von der DIC mieten. Die Mietzahlungen bezifferte Roth auf drei bis 3,5 Millionen Euro im Jahr. Als Fertigstellungstermin wird das Jahr 2013 genannt.

          Quartier „Maintor“ soll durch den Neubau belebt werden

          DIC und Stadt haben seit etlichen Monaten verhandelt. Der DIC-Vorstandsvorsitzende Ulrich Höller hatte zunächst zurückhaltend auf die Idee reagiert, auf dem rund zwei Hektar großen Areal ein Museum unterzubringen. Sein ursprüngliches Konzept für die Neubebauung der Flächen sah eine Mischung aus Büros, Wohnungen und Gastronomie vor. Roth hatte die Angelegenheit jedoch zur Chefsache erklärt und Höller überzeugen können.

          Das Museum soll am östlichen Rand des geplanten zentralen Platzes des neuen Quartiers entstehen, das als „Maintor“ vermarktet wird. Es würde gemeinsam mit dem benachbarten Museum für Vor- und Frühgeschichte und dem Institut für Stadtgeschichte im ehemaligen Karmeliterkloster ein kleines Kulturensemble bilden. Der Wunsch von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), das Museum am Main zu errichten, um es deutlich sichtbar zum Teil des Museumsufers zu machen, bleibt damit unerfüllt.

          Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) und die Fachleute von Stadt und DIC hatten den Standort am Platz aus funktionalen und städtebaulichen Überlegungen heraus bevorzugt. Nur dort würde es zur Belebung des neuen Quartiers beitragen, zudem lässt sich an dieser Stelle eine Vorfahrt etwa für Taxis einrichten. Der DIC war es dem Vernehmen nach auch darum zu tun, die Flächen am Main für die geplante sehr gehobene Wohnbebauung zu reservieren. Der Ausblick wäre bei einem weitgehend geschlossenen Museumsbau „verschenkt“ worden.

          Breite Mehrheit im Magistrat für den Standort

          Damit das Museum auch von der Stadtseite gut sichtbar ist, wird die Blockrandbebauung an der Weißfrauenstraße etwas nach Westen gerückt. Im Magistrat wird zudem erwogen, das Gebäude an der Ecke von Weißfrauenstraße und Seckbächer Gasse, das die Blickbeziehung stört, eines Tages abzureißen. Dann könnte ein großzügiger Platz zur Berliner Straße hin entstehen.

          Unklar ist noch, ob die Fraktionen von CDU und Grünen das Konzept mittragen. Sie sollten eigentlich in den nächsten zwei Wochen vom Magistrat vertraulich über die Einigung unterrichtet werden, eine Indiskretion machte dieses Vorhaben jedoch zunichte. Für den Standort gibt es eine breite Mehrheit. Der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jochem Heumann, hatte sich lobend über die Idee geäußert. Auch die Grünen können sich mit dem Degussa-Areal anfreunden. Sie hatten die Suche nach einem neuen Standort erst nötig gemacht, weil sie einen Anbau am bisherigen Standort am Sachsenhäuser Mainufer abgelehnt hatten. Vor allem aus der CDU-Fraktion waren in den vergangenen Wochen jedoch auch kritische Stimmen zu hören, die das Vorhaben als zu teuer einschätzen.

          Sie verweisen darauf, dass im Etat von Kulturdezernent Semmelroth noch weitere aufwendige Großprojekte enthalten sind. „Bis zu 3,5 Millionen Euro sind eine sportliche Vorgabe“, gab denn auch ein Teilnehmer der Gespräche zu. Die Miete errechnet sich aus den 59 Millionen Euro, die der Investor für das Grundstück (zwölf Millionen Euro), Baukosten und Baunebenkosten kalkuliert. Hinzu kommt die Rendite; sie bemisst sich an dem Gewinn, den die DIC mit der urspünglich geplanten Wohnbebauung hätte erzielen können. Mit welchen laufenden Kosten die Stadt rechnen muss, war gestern nicht zu erfahren.

          Das Degussa-Areal soll bis zum Jahr 2014 in drei Abschnitten völlig neu bebaut werden. Das Museum der Weltkulturen soll am östlichen Rand entstehen, gegenüber vom Museum für Vor- und Frühgeschichte. Damit es auch von der Stadt her gut sichtbar ist, könnte der Platz vor dem Karmeliterkloster durch den Abriss eines Nachkriegsgebäudes erweitert werden. Auch an der Ecke von Untermainkai und Neuer Mainzer Straße soll die Bebauung so aufgefächert werden, dass sie zum Betreten des Quartiers einlädt. Im rechten Bildrand sind die Städtischen Bühnen zu erkennen.

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