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Ehec : Weiterhin keine Klarheit über Infektionsquelle

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Unklare Lage: Auch den Verbrauchern in Hessen bleibt weiter nur die Vorsicht im Umgang mit Salat und Gemüse. Bild: DPA

Der Verdacht, die mit dem Ehec-Erreger infizierten Patienten aus Frankfurt und Umgebung hätten sich durch die Sprossen eines Betriebes aus Niedersachsen mit dem gefährlichen Darmkeim angesteckt, ist am Montag nicht bestätigt worden.

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          Der Verdacht, die mit dem Ehec-Erreger infizierten Patienten aus Frankfurt und Umgebung hätten sich durch die Sprossen eines Betriebes aus Niedersachsen mit dem gefährlichen Darmkeim angesteckt, ist am Montag nicht bestätigt worden. Das hessische Umweltministerium meldete zwar, dass die mit der Infektion in Verbindung gebrachten Kantinen in Hessen tatsächlich Sprossen von dem Landwirtschaftsbetrieb in Bienenbüttel bezogen hätten, bei 23 der 40 Proben, die auf dem Biohof im Kreis Uelzen genommen und auf eine Infektion mit Ehec getestet wurden, bleib das Ergebnis jedoch negativ. Somit ist weiterhin nicht geklärt, wo und wie sich die Erkrankten in Hessen infiziert haben. Wie berichtet, hatte das Frankfurter Gesundheitsamt zwei Kantinen der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers vorübergehend geschlossen, nachdem bekannt geworden war, dass sich 20 Personen dort mit dem Bakterium infiziert hatten.

          Der Sprecher des Umweltministeriums, Thorsten Neels, sagte am Montag in Wiesbaden, es gäbe trotz der weiterhin steigenden Zahl an Erkrankten in Hessen keinen akuten Ehec-Herd. Von 410 Lebensmittel-Proben seien 316 bisher ausgewertet worden – alle mit negativem Ergebnis. Neels warnte davor, falsche Schlüsse zu ziehen: Selbst wenn bewiesen werden könne, dass die Sprossen aus Niedersachsen mit dem Keim belastet gewesen seien, sei das zwar ein Beweis für eine Verbindung zwischen dem Bio-Betrieb und den Kantinen. Endgültige Sicherheit darüber, ob die Erkrankten sich auch tatsächlich über diese Sprossen infiziert haben, bringe dies jedoch nicht. Die Firma Sodexo, die die beiden für mehrere Tage geschlossenen Kantinen betreibt, äußerte sich gestern nicht zu den Lieferwegen der Zulieferer. Man warte die Laborergebnisse ab, hieß es.

          Kontrollen sollen verschärft werden

          Die Zahl der Ehec-Infektionen in Frankfurt ist am Wochenende um drei weitere gestiegen. Nach Auskunft des Gesundheitsamtes gibt es mittlerweile 34 Patienten, von denen zwölf unter dem hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) leiden. Wo sich die drei neuerkrankten Frankfurter angesteckt haben, konnte bis gestern nicht nachgewiesen werden.

          Die hessische Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU) will die Kontrollen von Lebensmitteln in Kantinen und Gaststätten verschärfen. Unternehmen sollten ihren Worten zufolge dazu verpflichtet werden, Rückstellproben ihrer Speisen zu nehmen. Damit könne ermöglicht werden, dass im Falle einer Verunreinigung der Transport und die Verarbeitung der Lebensmittel nachzuvollziehen seien. Bisher müssten Kantinen nur Proben von Eiprodukten nehmen und bis zu einer Woche aufbewahren. Nun solle dies mit einer breitere Palette von Lebensmitteln geschehen und die Dauer der Aufbewahrung auf 14 Tage ausgedehnt werden. Dafür müsste laut Puttrich aber zunächst die nationale Lebensmittelhygiene-Verordnung geändert oder eine europäische Regelung geschaffen werden.

          Landwirte in „verzwickter, unbefriedigender Situation“

          Das Robert-Koch-Institut mahnt die Verbraucher unterdessen weiterhin zur Vorsicht beim Umgang und Verzehr von Rohkost, insbesondere bei Blattsalat, Gurken und Tomaten. Für die hessischen Gemüsebauern bedeutet dies auch weiterhin keine Entspannung ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Schätzungen zufolge verlieren jene deutschen Landwirte, die hauptsächlich vom Anbau und Vertrieb von Gemüse leben, derzeit jeden Tag bis zu sechs Millionen Euro an Einnahmen.

          Es gäbe allerdings auch weiterhin keinerlei Hinweise darauf, dass regionale Produkte betroffen seien, sagte Bernd Weber vom hessischen Bauernverband und bezog sich damit auf die Ergebnisse der vorliegenden Proben. Die betroffenen Landwirte befänden sich in einer „verzwickten, unbefriedigenden Situation“. Die erntereifen Tomaten, Gurken und Salate müssten entweder untergepflügt oder vernichtet werden. Besonders betroffen seien Produzenten und Zulieferer, die Gemüse an den Großhandel verkauften. Die Handelsunternehmen Edeka, Rewe und Real kündigten gestern an, den Verkauf von Sprossen in ihren Filialen stoppen zu wollen. Lediglich die Direktvermarkter würden „mit einem blauen Auge davonkommen“, teilte Weber weiter mit. Die langjährige Stammkundschaft kaufe auch weiterhin bei den Händlern auf den Wochenmärkten und in den Hofläden.

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