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Drogenpolitik : Neuer Frankfurter Weg

  • -Aktualisiert am

Drogenabhängige auf der Straße vor einem geschlossenen Druckraum im Frankfurter Bahnhofsviertel Bild: Daniel Pilar

Niemand sollte so tun, als wäre das Drogenproblem der Stadt Frankfurt ein unveränderliches Naturgesetz. Es ist an der Zeit, dass der Magistrat ein klares Zeichen setzt, neue Wege in der Drogenpolitik zu beschreiten. Ein Kommentar.

          Es gibt diesen einen Satz, der oft zu hören ist, wenn es um die Drogenkriminalität in Frankfurt geht: „Die gehört zu dieser Stadt eben dazu.“ Dabei offenbart diese Bemerkung eine bedenkliche Mischung aus Menschenverachtung und Trägheit. Die Rede ist schließlich nicht von Apfelwein oder dem Messeturm, sondern davon, dass Frankfurt in offenbar stärkerem Ausmaß als andere deutsche Städte Dealer und Konsumenten anzieht. Man mag Gründe und Ursachen dafür benennen können, aber deshalb muss man diesen Zustand nicht tolerieren. Vor allem aber sollte man nicht so tun, als handele es sich um eine Art Naturgesetz.

          Es ist an der Zeit, sich die grundsätzliche Frage zu stellen, was die Stadt mit ihrer Drogenpolitik bezweckt. Bei jeder Gelegenheit wird der Frankfurter Weg gerühmt, der einst das Vorbild für viele andere Großstädte war, ihr Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Doch während andere Städte mit großer Drogenszene wie zum Beispiel Zürich inzwischen einen anderen, erfolgreicheren Umgang mit der Problematik entwickelt haben, scheint die Zeit in Frankfurt stehengeblieben zu sein. Hier scheint das Motto zu gelten: Wir verwalten das Drogenproblem nur, lösen es aber nicht.

          Ganze Gruppierungen zerschlagen

          Solange der Drogenkonsum, wie er speziell im Frankfurter Bahnhofsviertel zu beobachten ist, von einigen politisch Verantwortlichen kleingeredet wird, so lange wird es stabile kriminelle Großstrukturen in der Stadt geben. Rauschgifthandel etabliert sich dort, wo es die Nachfrage gibt. Nicht umgekehrt.

          Noch schafft es die Frankfurter Polizei, die Netzwerke der Händler zu stören, Dealer festzunehmen und inzwischen sogar ganze Gruppierungen zu zerschlagen. Das ist beeindruckend angesichts der vielen anderen Herausforderungen, mit denen es die hiesigen Beamten zu tun haben. Die Polizei als Hauptakteur hat ihre Versprechen gehalten, wenn nicht sogar übertroffen. Und das im Eiltempo, während die Politik sich mit der Zuschauerrolle begnügt.

          Ein zweiter Satz, der in letzter Zeit oft zu hören war, ist folgender: „Die Polizei macht das schon.“ Sich darauf auszuruhen, wäre aber ein schlimmer Fehler, der sich früher oder später rächen wird. Es ist an der Zeit, dass der Magistrat ein klares Zeichen setzt, neue Wege in der Frankfurter Drogenpolitik zu beschreiten.

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