Frankfurter Drogenszene : Kurzfristige Hilfsangebote sollen Lage im Bahnhofsviertel verbessern
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Unhaltbare Zustände: Szene an der Elbestraße im Bahnhofsviertel Bild: Frank Röth
Die Anlaufstellen für Drogensüchtige im Frankfurter Bahnhofsviertel sollen länger geöffnet haben. Zudem soll es mehr Streetworker geben. Spätestens im Januar dürften diese Hilfsangebote greifen, heißt es.
Mit einem Paket an Sofortmaßnahmen will die Stadt die Situation im Bahnhofsviertel verbessern. Wie Sozialdezernentin Elke Voitl und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (beide Die Grünen) mitteilen, sollen unter anderem die Öffnungszeiten der Einrichtungen für obdachlose und drogenabhängige Menschen und die Streetworking-Aktivitäten ausgeweitet werden, es soll auch mehr Notschlafbetten und zusätzliche Waschmöglichkeiten geben.
Gemeinsam mit den Maßnahmen der Polizei und der Ordnungsbehörden soll so kurzfristig eine spürbare Entlastung für alle Menschen im Viertel erreicht werden. Um die Menschen von der Straße zu holen, sollen Anlaufstellen länger geöffnet werden. Konkret will die Stadt das Nachtcafé auch am Tage öffnen und Tagesruhebetten anbieten.
Zusätzliche Dusch- und Waschmöglichkeiten sind ebenso vorgesehen wie die Aufstockung der vorhandenen Notschlafplätze in den Einrichtungen im Bahnhofsviertel und im Eastside an der Schielestraße sowie zwei zusätzliche Streetwork-Stellen für das Projekt Ossip (Offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention, Prävention) zur Unterstützung Drogenabhängiger. Die Koordinierungsstelle Jugendhilfe des Jugend- und Sozialamts hat im Bahnhofsviertel schon zwei Stellen eingerichtet, die sich gezielt um Minderjährige auf der Straße kümmern.
„Einzelaktionen“ wenig hilfreich
Das Hauptproblem in der Drogen- und Obdachlosenhilfe seien aber nicht fehlende Angebote, sondern die fehlende Bereitschaft der Menschen, diese auch anzunehmen, berichten Voitl und Majer. „Wir können und wollen niemanden von der Straße in unsere Einrichtungen zwingen, das Viertel gehört allen Menschen.“ Die Mitarbeiter suchten aber immer wieder den Kontakt, um Betroffene davon zu überzeugen, Hilfen auch anzunehmen.
Flankierend zu diesen kurzfristigen Reaktionen arbeitet die Stadt an einer langfristigen, dezernats- und ämterübergreifenden Strategie für das Bahnhofsviertel. „Für das Frankfurter Bahnhofsviertel gibt es nicht die eine und vor allem keine schnelle und einfache Antwort“, meinen die beiden Stadträte. Die Herausforderungen im „Sozialraum Bahnhofsviertel“ seien vielfältig, komplex und wandelten sich stetig. Im öffentlichen Raum träfen Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander: Das reiche von Ausgehen und Wohnen in einem Szene-Stadtteil bis zu Problemen mit hohem Verkehrsaufkommen, vielen Betrunkenen, Partyleben, Prostitution, Drogenkonsum, Obdachlosigkeit, nicht gesteuerter Essensverteilung und Verschmutzung.
Um die Situation nachhaltig zu verbessern, seien „Einzelaktionen“ wenig hilfreich. Eine städtische Arbeitsgruppe sei vielmehr damit befasst, die bestehenden Strukturen zu analysieren und alle Akteure einzubeziehen, begleitet von einer erfahrenen Beratungsagentur. Am Ende sollen dann konkrete Projekte wie ein Koordinierungsbüro im Bahnhofsviertel als Ansprechpartner stehen. Die Stadt stoße allerdings immer wieder an erhebliche rechtliche, organisatorische und finanzielle Grenzen. Majer und Voitl fordern deshalb Unterstützung von Bund und Land unter anderem für neue Modellprojekte: „Wir in Frankfurt übernehmen einen Großteil der Drogen- und Obdachlosenhilfe für Menschen, die aus ganz Hessen oder Deutschland kommen.“
Unterstützung für eine Waffenverbotszone
Unterdessen bekommt die Polizei Unterstützung für ihre am Mittwoch vorgestellten Pläne für eine Waffenverbotszone. Die Gewerkschaft der Polizei nannte die Einführung angesichts der Statistiken folgerichtig. Nur Präsenz und Kontrollen der Polizei und der Stadtpolizei würden bei denjenigen, für die das Mitführen von Messern ein „Ausgehritual“ sei, zum Nachdenken führen, so der Landesvorsitzende Jens Mohrherr.
Der sicherheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Martin-Benedikt Schäfer, forderte die Koalition und Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) auf, einen Antrag der Union für Waffenverbotszonen zu unterstützen. Gesundheitsdezernent Majer nennt den Vorschlag der Polizei „sehr erwägenswert“. „Der Polizeipräsident hat gute Gründe genannt, für einen befristeten Zeitraum eine solche Waffenverbotszone in einem begrenzten Bereich des Bahnhofsviertels auszuprobieren“, sagt Majer. „Die Einzelheiten sind natürlich noch zu klären.“