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Sport mit Down-Syndrom : Von der Laufbahn zum Laufsteg

  • -Aktualisiert am

Treffsicher: Silvestre Puma nimmt den Korb ins Visier. Bild: Wonge Bergmann

„Das Down-Syndrom ist keine Krankheit“, sagt ein Betroffener. Auf dem Down-Sportlerfestival können die Teilnehmer jedenfalls sich beweisen. Und der Spaß kommt dabei nicht zu kurz.

          Silvestre steht unter dem Basketball-Korb, dribbelt einmal, dribbelt ein zweites Mal und wirft. Daneben. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Er atmet kurz durch, konzentriert sich und setzt zum zweiten Wurf an. Dieses Mal sitzt der Ball perfekt. Silvestre ballt die Faust zu einer Siegergeste, wie man sie aus dem Fußballstadion kennt. Geschafft. Der 18 Jahre alte Silvestre Puma hat das Down-Syndrom. Zusammen mit seiner achtköpfigen Familie ist er aus dem Saarland angereist, um am 17 .Deutschen Down-Sportlerfestival in Kalbach teilzunehmen. Er ist schon zum dritten Mal dabei. „Es macht einfach Spaß, hier zu sein“, sagt er. Für ihn und die anderen 600 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Tag ein besonderes Erlebnis.

          Das ist schon während der Eröffnungsfeier spürbar. Unter dem Applaus der knapp 3500 Zuschauer und den Anfeuerungen des TV-Moderators André Gatzke laufen die Kinder und Erwachsenen mit bunten Luftballons in die Halle des Sport- und Freizeitzentrums ein, klatschen, toben und genießen den Auftritt sichtlich. Das seit 2003 stattfindende Festival, das von der HexalAG als Hauptsponsor unterstützt wird, steht dieses Jahr unter dem Motto „Down-Syndrom & Gesundheit“. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen für Bewegung zu interessieren, ohne dabei den Spaß zu kurz kommen zu lassen.

          Zum Sportangebot zählen außer den klassischen Leichtathletikdisziplinen Laufen, Weitsprung und Weitwurf auch Tischtennis, Fußball, Basketball, Judo und Golf. Zudem gibt es Workshops und andere Angebote. Für den reibungslosen Ablauf sorgen knapp 400 ehrenamtliche Helfer.

          „Downies sind immer froh und glücklich“

          Auch Silvestre Puma ist nicht nur zum Sporttreiben gekommen. Eigentlich wollte der Hobby-Schlagzeuger am „Drums Alive“-Workshop teilnehmen, in dem sich Familien gemeinsam beim rhythmischen Trommeln auf Gummibälle austoben können. Doch alle Plätze waren schon belegt. Dafür klappt es mit der Modenschau, auf die er sich besonders freut. Unter der Anleitung von Peyman Amin, Model-Agent und ehemals Jurymitglied bei „Germany’s Next Topmodel“, bekommen die Teilnehmer Mode- und Laufsteg-Tipps und können anschließend ihre Lieblingsoutfits dem Publikum präsentieren.

          Amin, der selbst einen Bruder mit Down-Syndrom hat, ist dieses Jahr zum 10. Mal als einer der prominenten Paten der Veranstaltung mit dabei. Für Silvestre und seine Familie hat sich die Anreise definitiv gelohnt. Nächstes Jahr möchte er wiederkommen. Eins will er aber unbedingt loswerden: „Das Down-Syndrom ist keine Krankheit. Es wäre schön, wenn das mehr Menschen so sehen würden. Downies sind immer froh und glücklich.“

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