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Regisseurin stellt sich Kritik : Mit Gemüsebergen gegen den Krebs

  • -Aktualisiert am

Umstritten: Hilft Gemüse im Kampf gegen den Krebs? Bild: dpa

Filmemacherin Sarah Mabrouk hat sechs Krebskranke begleitet, die sich gegen die konventionelle Therapie und für eine Ernährungsumstellung entschieden haben. An diesem Dienstagabend gibt es in Frankfurt ein Film-Gespräch mit ihr.

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          Kaum eine Erkrankung ist mit mehr Hoffnung, Ängsten und Schmerz verbunden als diese: Krebs. Ihn zu besiegen ist ein Menschheitstraum. Umso erstaunlicher sind die Geschichten von denen, die den Krebs überlebt haben. Die Journalistin Sarah Mabrouk hat für ihren Dokumentarfilm „The Food Cure – Hoffnung oder Hype“, der heute von 19.30 Uhr an im Naxos Kino in Frankfurt zu sehen ist, sechs Menschen über Jahre hinweg begleitet. Sie haben an Stelle von oder zusätzlich zu konventionellen Krebstherapien eine Ernährungsumstellung vorgenommen. Die Therapie ist kein Heilsversprechen. Für Kritik bleibt in dem Kinofilm aber wenig Raum.

          Als die Journalistin Sarah Mabrouk, die unter anderem für ZDF, BBC und CNN aus dem Nahen Osten und Iran berichtet hat, in Amerika eine Pause vom Krieg machen will, hört sie in einem Radiobeitrag von einer alternativen, auf Ernährung basierenden Therapie gegen Krebs. Es ist das erste Mal, dass sie mit der sogenannten Max-Gerson-Therapie in Berührung kommt. Im Beitrag wird Gersons Tochter Charlotte zitiert, die behauptet, eine Heilmethode sei schon vor Jahren von ihrem Vater gefunden worden. Mabrouks journalistischer Zweifel ist geweckt: „Das geht nicht, dass man so offensichtlich falsche Informationen verbreitet“, sagt die Regisseurin, die zwei Onkologen zu ihrem engsten Freundeskreis zählt.

          Nicht aufgeschrieben, sondern verfilmt

          Sie nimmt sich vor, einen Artikel darüber zu schreiben, wie alternative Krebskliniken in Mexiko Geld mit verzweifelten Kranken machen. Sie habe damals aufzeigen wollen, wie Schwerkranke später doch zu konventionellen Therapien überwechseln, erzählt sie. Doch da sie lang recherchierte und die sechs Krebskranken, die sie über Gerson-Kliniken in Mexiko und Ungarn kennenlernte, mehr als fünf Jahre begleitet habe, sei es eine ganz andere Geschichte geworden, erzählt sie. Und die hat sie nicht aufgeschrieben, sondern verfilmt.

          Sarah Mabrouk ist Journalistin und hat für deutsche und internationale Medien aus dem Nahen Osten berichtet.

          Der wohl bekannteste Protagonist ist der kleine Jeremiah. Mit nur sechs Monaten wird bei ihm ein seltener Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Das stellt die Eltern vor die Gewissensfrage: Chemotherapie – ohne Garantie auf Erfolg, dafür aber verbunden mit dem Risiko, dass ihr Kleinkind durch die Nebenwirkungen der Medikamente bleibende Schäden zurückbehalten könnte. Oder? Ja, was eigentlich? Das Hadern, das Zweifeln und die Angst der Eltern gehen unter die Haut. Um es vorwegzunehmen: Die Eltern des kleinen Jeremiah haben sich für eine reine Ernährungstherapie entschieden. Und die hat geholfen. Zwei Jahre nach Beginn der Therapie in Südamerika kann der Krebs bis heute bei dem Jungen nicht mehr nachgewiesen werden. Die Eltern kommen für sich zu dem Schluss, den „richtigen Weg für Jeremiah gewählt“ zu haben. Fünf Jahre nach der Diagnose gilt man als Krebsüberlebender, Jeremiah ist einer davon.

          Eine umstrittene Immuntherapie

          Die Therapie basiert auf den Lehren von Max Gerson, einem deutscher Arzt. 1881 im damaligen Deutschen Reich geboren, entwickelte er seine umstrittene Immuntherapie in den zwanziger und dreißiger Jahren. Als Jude musste er 1933 flüchten und landete in New York. Die von ihm entwickelte Therapie soll das Immunsystem stärken und beruht auf einer „Überflutung mit Obst und Gemüse“, etwa 20 Pfund pro Tag sollen die Patienten essen. Diese Mengen stehen mindestens für die Dauer von zwei Jahren auf dem Speiseplan. Das Obst und Gemüse soll vor allem in Form von Säften stündlich getrunken werden.

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