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Gerichtsurteil : Doktortitel 26 Jahre nach Promotion zu Recht entzogen

Alter schützt vor Strafe nicht: Promotionsbetrüger können auch Jahrzehnte später den Doktorhut verlieren. Bild: dpa

Die Uni Frankfurt hatte einer Juristin den Doktorgrad aberkannt. Dagegen klagte die Frau vor dem Verwaltungsgericht. Die Argumente, die sie anführte, beeindruckten die Richter nicht.

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          Wer bei seiner Doktorarbeit betrogen hat, kann sich in einem Rechtsstreit nicht darauf berufen, dass früher für Dissertationen andere Standards gegolten hätten und die Arbeit ohnehin wissenschaftlich überholt sei. Dies zeigt ein jetzt veröffentlichtes Urteil des Frankfurter Verwaltungsgerichts.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Goethe-Universität hatte 2019 einer Frau den Doktorgrad entzogen, die 1993 am Fachbereich Rechtswissenschaft promoviert worden war. Begründet worden war das damit, dass die Juristin in großem Umfang Textpassagen aus anderen Quellen übernommen habe, ohne dies ausreichend kenntlich zu machen. Über weite Strecken habe sie einfach aus anderen Publikationen abgeschrieben, sodass der gesamte Text letztlich nur eine Art Collage sei, befand die Hochschule.

          „Zitierweise entsprach 1993 der üblichen Praxis“

          Gegen die Entscheidung der Universität legte die Frau Klage beim Verwaltungsgericht ein. Sie argumentierte, für die mehr als 25 Jahre alte Dissertation könnten nicht jene strengen Regeln herangezogen werden, die in den Jahren 1998 und 2012 aufgestellt worden seien. Ihre Zitierweise habe der 1993 üblichen Praxis entsprochen. Außerdem habe die Arbeit, die sich mit der Eingliederung der früheren DDR in das europäische Gemeinschaftsrecht befasse, heute keine Bedeutung mehr für die Wissenschaft.

          Dieser Auffassung schlossen sich die Richter nicht an. Beim Abfassen der Dissertation habe die Klägerin auf schwerwiegende Weise wissenschaftliche Standards missachtet und die Prüfer über die Eigenständigkeit ihrer Leistung getäuscht. Die von der Universität vorgelegte Liste falscher Zitate, ungekennzeichneter Textübernahmen und fehlender Quellenangaben umfasse 21 Seiten.

          Auch spiele es keine Rolle, dass die Arbeit inzwischen für die Forschung bedeutungslos sei, weil sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse geändert hätten. Daher habe die Universität den Doktortitel zu Recht aberkannt. Das Urteil kann vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof angefochten werden.

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