https://www.faz.net/-gzg-6l9g6

Diskussion um Schwarze Löcher : Dem lieben Gott wieder Allmacht gegeben

Unbekannte Welten: Eine von Milliarden von Galaxien. Viele sollen nach gängiger Lehrmeinung ein schwarzes Loch beherbergen Bild: dpa

Es gibt keine Schwarzen Löcher – mit dieser Behauptung stellt der Frankfurter Physiker Walter Greiner Einsteins Relativitätstheorie auf den Kopf.

          Am Anfang war der Urknall. Das behauptet jedenfalls die moderne Physik. Auf die Idee gebracht hat die Physiker die kontinuierliche Expansion unseres Universums. Wenn das Weltall sich ausdehnt, dann war es, so die Schlussfolgerung, zuvor kleiner, in noch früherer Vergangenheit noch kleiner und am Anfang der Welt unsagbar winzig: zusammengepresst zu einem einzigen schwarzen Loch, über das die Physik nichts mehr zu sagen vermag. Die Wissenschaftler sprechen von einer Singularität.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Singularitäten wie die berühmten Schwarzen Löcher haben den Physiker Walter Greiner, der jetzt 75 Jahre alt geworden ist, schon immer gestört. Dass die Naturwissenschaft an einen Punkt kommt, an dem sie abdanken muss, mag er nicht akzeptieren. Am Donnerstagabend hat der Nestor der hiesigen Theoretischen Physik bei seiner Geburtstagsfeier im „Frankfurt Institut for Advanced Studies“ (FIAS) eine, sollte sie stimmen, die moderne Physik umstürzende Behauptung in die Welt zu setzen gewagt: „Es gibt keine Schwarzen Löcher.“

          „Von Einstein zu Zweistein“

          In einer neuen, über Einstein hinausgehenden Formulierung der Relativitätstheorie, die Greiner seit einiger Zeit mit dem in Mexiko lehrenden Physik-Ordinarius Peter Hess ausarbeitet, sind die Schwarzen Löcher verschwunden. Darüber dürfen sich nicht zuletzt der frühere Universitätspräsident Rudolf Steinberg und der Mäzen Carlo Giersch freuen, die bei Greiners Vortrag „Von Einstein zu Zweistein“ in der ersten Reihe saßen.

          Die beiden Herren, so behauptete der Physikprofessor nämlich listig, kämen gewiss in den Himmel. Aber sollten sie auf dem Weg dorthin in ein Schwarzes Loch fallen, könne ihnen selbst der liebe Gott nicht mehr helfen. Denn in einem Schwarzen Loch hätte ein Gott, der sich an seine eigenen Gesetze halte, alle Macht verloren. „Solchen Unsinn hat der Herrgott bestimmt nicht gemacht“, sagt Greiner, der angesichts der Wohlgeformtheit unserer Welt fest an einen Schöpfergott glaubt.

          „Phänomenale Lebensleistung“

          Einsteins Relativitätstheorie sagt bei dichten Sternen von großer Masse ein merkwürdiges Phänomen voraus – das sogenannte Schwarze Loch. Wenn ein solcher Riesenstern in sich zusammenfällt und durch die Schwerkraft immer stärker und stärker zusammengepresst wird, entsteht, wenn ein kritischer Wert in der Dichte überschritten wird, ein solches Schwarzes Loch. Physikalisch gesprochen wird die Masse auf einen kleineren Radius als den Schwarzschild-Radius komprimiert. Würde man in einem solchen Schwarzen Loch einen Stein hochwerfen, und sei es mit unendlich großer Energie, er würde nicht aus dem Loch entweichen können. Selbst Licht wäre auf immer und ewig in dieser Singularität gefangen.

          Der Entdecker des Schwarzschild-Radius, Karl Schwarzschild, ist übrigens Frankfurter gewesen. Er wurde ein weltbekannter Astronom und brachte es 1901 zum Direktor der Sternwarte in Göttingen. Schwarzschild und Greiner hätten sich als neugierige Querköpfe vermutlich bestens verstanden. „Je extremer, umso lieber.“ Mit diesen Worten hat Horst Stöcker, seit drei Jahren wissenschaftlicher Direktor des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt, auf der Geburtstagsfeier Greiners Wahl von Forschungsthemen charakterisiert. Der vielfache Ehrendoktor an renommierten Universitäten, Träger zahlreicher Preise, Initiator des GSI-Teilchenbeschleunigers in Darmstadt und Gründungsdirektor des FIAS hat nach Stöckers Worten eine ganz eigene Frankfurter Schule gegründet: die Frankfurter Schule der theoretischen Physik. 150 Doktoranden sind durch Greiners Schule gegangen, 50 davon sind heute an irgendeiner Universität auf der Welt Professor. Stöcker sprach von einer „phänomenalen Lebensleistung“.

          Kein schwarzes, sondern nur ein dunkles Loch

          Nun also die Attacke auf Einstein. Eine Theorie jenseits der Relativitätstheorie. Greiner hat sich nichts anderes vorgenommen, als einen der wichtigsten Stützpfeiler der modernen Physik einzureißen. Keine Schwarzen Löcher mehr? Aber hat nicht der aus Bad Homburg stammende Astrophysiker Reinhard Genzel gerade nachgewiesen, dass selbst im Zentrum unserer Milchstraße sich ein riesiges Schwarzes Loch mit einer Masse von mehr als drei Millionen Sonnen befindet? Dass dort im Sternbild Schütze sich ein Monster von ungeheurer Dichte gebildet hat, will Greiner gar nicht abstreiten. Für ihn ist es aber kein schwarzes Loch, sondern nur ein dunkles Loch.

          Nach seiner und Peter Hess’ Berechnungen – sie sprechen von der „Pseudokomplexen Relativitätstheorie“ – kann die Dichte von Materiezusammenballungen nicht gegen Unendlich gehen, wie dies bei Schwarzen Löchern der Fall sein soll. Nach ihrer festen Überzeugung stößt sich Materie, wenn sie eine bestimmte Dichte erreicht hat, wieder ab. Aus Gravitation wird Antigravitation. In dieser neuen Relativitätstheorie, zu der sie in Fachzeitschriften schon einige Aufsätze veröffentlicht haben und an der sie weiter eifrig rechnen, bleiben die empirisch nachgewiesenen klassischen Effekte von Einsteins Relativitätstheorie wie die Lichtablenkung oder die Periheldrehung der Planeten erhalten. Nur die Schwarzen Löcher verschwinden – womit sich auch die Singularität des Urknalls aufgelöst hat.

          Auch in Greiners Theorie war wie in der Urknalltheorie das Universum am Anfang winzig zusammengepresst. Aber es war nicht unendlich klein. Als die Materie-Zusammenballung eine kritische Grenze erreicht hatte, übernahm die Anti-Gravitation das Regiment und ließ alles auseinanderbersten. Das noch immer expandierende Universum zeugt immer noch davon. Irgendwann, so vermutet Greiner, wird es wieder in sich zusammenfallen, um sich dann wieder durch den Stoß der Antischwerkraft aufzublähen. Einatmen – Ausatmen: So könnte das Grundgesetz des Weltalls lauten. Mäzen Giersch und Alt-Unipräsident Steinberg bräuchten in diesem Fall nicht mehr um ihren Platz im Himmel fürchten. Denn kein schwarzes Loch könnte den lieben Gott hindern, sie an seine Seite zu holen.

          Weitere Themen

          Babylon Darmstadt

          Moka Efti Orchestra : Babylon Darmstadt

          Auf den Spuren von Tom Tykwers Erfolgsserie: Das Moka Efti Orchestra bringt den Klang der Zwanziger-Jahre in die Darmstädter Centralstation.

          Einfach mal spazieren gehen Video-Seite öffnen

          Auslauf in der Mainmetropole : Einfach mal spazieren gehen

          Da steht kein Pferd auf dem Flur, sondern es spaziert quer durch Frankfurt. Jenny heißt die Stute und, nein, sie ist nicht weggelaufen, sondern hat offiziell Ausgang. Und das täglich und schon seit vielen Jahren - und ganz alleine, kilometerweit.

          Topmeldungen

          1:1 gegen Serbien : Deutscher Neuanfang mit Anlaufproblemen

          Die deutsche Nationalmannschaft braucht einige Zeit, um in der Ära nach Boateng, Hummels und Müller in Schwung zu kommen. Leon Goretzka rettet ein Unentschieden. Für Serbien hat der Frankfurter Jovic getroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.