https://www.faz.net/-gzg-9a4ej

Chefin des Jüdischen Museums : „Kippa-Aktion nicht nur Zeichen der Solidarität mit Juden“

  • Aktualisiert am

Soli-Zeichen: Geht es nach dem Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker, tragen an diesem Montag auch viele Nichtjuden einen Kippa. Bild: dpa

Geht es nach dem Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker, tragen an diesem Montag auch viele Nichtjuden einen Kippa. Doch die Direktorin des Jüdischen Museums gibt etwas zu bedenken.

          1 Min.

          Mit dem Aufruf, als Zeichen der Solidarität einen Tag lang die Kippa zu tragen, will die Stadt Frankfurt an diesem Montag ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Für Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, hat die Aktion am 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels allerdings auch ihre Tücken. „Das Tragen der Kippa an diesem Tag bedeutet nicht ausschließlich, sich mit Jüdinnen und Juden in Deutschland zu solidarisieren, sondern ist zugleich auch eine Solidaritätsbekundung mit Israel“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

          Und eben diese führe immer wieder zu Ausgrenzungen von Juden in Deutschland. Sie würden für die israelische Politik in Haftung genommen und eben nicht als deutsche Staatsbürger angesprochen und wahrgenommen, sagte Wenzel. Das solidarisch gemeinte Kippa-Tragen werde zudem der Vielfalt jüdischen Lebens nicht gerecht, da viele Jüdinnen und Juden säkular lebten und jüdische Tradition höchstens im Familienkreis pflegten. Außerhalb von Friedhof oder Synagoge dagegen trügen nur wenige die Kippa, die traditionelle Kopfbedeckung religiöser jüdischer Männer.

          Vor laufender Kamera als „Scheißjude“ beschimpft

          „Gleichwohl ist das Tragen einer Kippa das einzige Zeichen, das als solches im öffentlichen Raum sichtbar das zum Ausdruck bringt, was sich Jüdinnen und Juden in Deutschland wünschen: dass nicht-jüdische deutsche Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Migrationshintergrund sich schützend vor sie und zu ihnen stellen“, betonte Wenzel, die das älteste eigenständige Jüdische Museum Deutschlands leitet.

          Auch das Museum wolle antisemitischen Vorstellungen und stereotypen Wahrnehmungen entgegenwirken, so Wenzel. Geplant sei, in der künftigen permanenten Ausstellung antisemitische Gewalt als zentralen Bestandteil der jüdischen Erfahrung in der Moderne zum Thema zu machen. In den vergangenen zwei Jahren sei es wiederholt zu Fällen von Vandalismus gegen das Museum gekommen - über die Motive der Täter könne allerdings nur spekuliert werden. In einem Fall sei ein Museumsmitarbeiter, der ein Präventionsprojekt gegen Antisemitismus organisiert, vor laufender Kamera als „Scheißjude“ beschimpft worden, sagte Wenzel zu antisemitischen Vorfällen.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Doch immer mehr junge Menschen legen ihr Geld in Aktien an.

          Deutsche und ihr Vermögen : Der lange Abschied vom Sparkonto

          Das Geldvermögen der Deutschen ist groß wie nie. Die Sparer haben ihr Geld aber über die Jahre umgeschichtet. Vor allem bei Jüngeren gibt es einen bemerkenswerten Effekt.
          Tatort in Idar-Oberstein, am 19. September: Polizisten sichern die Tankstelle, wo ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Ein extremer Einzelfall – und das Netz

          Ein Mann ist tot. Erschossen in einer Tankstelle. Ist dieser Fall ein Beispiel dafür, dass aus Hass in sozialen Netzwerken tödliche Gewalt wird?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.