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Diktatwettbewerb in Frankfurt : In der Kasserolle gärt das Frikassee

Hochkonzentriert: Auch Eltern schreiben beim Wettbewerb mit. Bild: Junker, Patrick

Appetitlich ist die Geschichte nicht gerade. Aber für Orthographie-Gourmets bot das Frankfurter Stadtfinale des großen Diktatwettbewerbs einige Leckereien.

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          Bei so vielen Fehlern kann man schon mal den Föhn kriegen. Oder doch den „Fön“? Wer schon etwas länger in der deutschen Schriftsprache zu Hause ist, dem ist die Version ohne h noch vertraut. Bis zur Rechtschreibreform wurde so das strombetriebene Gerät zum Trocknen feuchter Haare bezeichnet - zur Unterscheidung vom seit jeher mit stummem h geschriebenen Föhn, der im Alpenraum weht und Kopfschmerz verursachen kann.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Womit Duden-Redakteurin Melanie Kunkel wieder zur Redewendung „’nen Föhn kriegen“ im Sinn von „sich aufregen“ kommt. Die beziehe sich auf besagten unangenehmen Wind und werde somit nach neuer wie alter Rechtschreibung mit Dehnungs-h geschrieben, erklärt sie den 150 Schülern, Eltern und Lehrern, die sich zum Diktatwettbewerb der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in der Aula der Schillerschule eingefunden haben. Den 222 Wörter langen, mit 63 Komplikationen gespickten Text haben sie bereits geschrieben, jetzt werden die Fehler gesucht.

          Die Schönheit der deutschen Sprache: Wirrwarr

          Wobei die meisten nicht lange suchen müssen. Schon bei der Korrektur des ersten Absatzes, in dem sich knifflige Fälle der Groß- und Kleinschreibung sowie der Zusammen- und Getrenntschreibung ballen, geht ein ums andere Mal ein Raunen durch die Reihen. Etwa bei „lichtdurchflutet“, das zusammengehört, weil bei der Verbindung des ursprünglichen „von Licht durchflutet“ ein Wort gespart wurde. Ein offenbar besonders in der Maklersprache verbreitetes Phänomen - begegnen wir ihm ein paar Zeilen später doch abermals bei „grunderneuert“.

          Anlass zum Zusammenfügen besteht auch, wenn Wörter sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung emanzipieren. Ein Beispiel dafür sind die „Siebensachen“, die ja auch aus sechs, acht oder fünfundzwanzig Dingen bestehen können und folglich zusammengeschrieben werden. Ein absolutes No-Go wäre die Zusammenschreibung hingegen bei ebenjenem aus dem Englischen entlehnten Begriff. Überdies ist daran zu denken, auch das Verb großzuschreiben, weil es Gegenstand der Substantivierung ist. Korrekt ist die Kleinschreibung trotz Substantivierung hingegen beim x-Beliebigen, da der vorangestellte Konsonant diesmal das mathematische Zeichen für eine unbekannte Größe ist.

          Die Schönheit der deutschen Sprache zeigt sich an einem Wort wie Wirrwarr, das zwar nahelegt, dass etwas wirr war, aber trotzdem mit doppeltem Konsonanten endet, weil es sich bei der zweiten Silbe nicht um das Verb, sondern um eine sprachspielerische Verdoppelung mit Vokalwandel handelt. Inhaltlich unappetitlich, aber orthographisch delikat wird das Diktat im vorletzten Absatz. Wenn das Frikassee in der Kasserolle gart - und hoffentlich nicht gärt -, dann haben wir das unseren französischen Nachbarn zu verdanken, die hierzulande kulinarisch wie sprachlich Spuren hinterlassen haben.

          So auch mit dem Resümee, das es für das Frankfurt-Finale zu ziehen gilt: Der Sieger in der Schülerkategorie, Matthias Tielmann von der Freien Christlichen Schule, landete mit acht Fehlern knapp vor der Besten unter den Lehrern, Elke Willmann von der Schillerschule. Ebenfalls vom Sachsenhäuser Gymnasium kommt die Erstplazierte in der Elternkategorie und Gesamtsiegerin Tatjana Koch, der sieben Fehler unterliefen. Am 11. Mai wird sie zusammen mit den anderen Frankfurter Siegern im überregionalen Finale des Diktatwettbewerbs auf bundesweite Konkurrenz treffen.

          Eine WG zum Davonlaufen Nach monatelangem Recherchieren hatte ich endlich eine Annonce für ein lichtdurchflutetes Zimmer in einer sympathisch daherkommenden Dreier-WG entdeckt. Als ich das grunderneuerte Apartment erreichte, sah ich einen konsterniert dreinblickenden Bewerber jäh davonstürmen. „Schnapp dir deine Siebensachen und such das Weite“, raunte er mir im Vorbeigehen zu. Alles bloß ein Missverständnis, dachte ich vertrauensselig und klingelte. „Damit eins von vornherein klar ist: Wir haben Besseres zu tun, als irgendeinem Zugezogenen hinterherzuputzen!“ Die Begrüßung durch die zwei Fünfundzwanzigjährigen war allemal skurril. Dass die No-Gos sogleich und nicht erst peu à peu aufs Tapet kamen, verhieß nichts Gutes. „Ich will nicht lang drum herumreden: Wir suchen einen x-Beliebigen, der in puncto Hausarbeit auf Zack ist. Schmutz ist hier tabu! Sonst kriege ich einen Föhn!“, blaffte die eine, etepetete wirkende Mittzwanzigerin beileibe wenig ladylike. Ich blickte ringsumher. Was für ein hanebüchener Mumpitz! Inmitten des ausgesprochen ekelerregenden Wirrwarrs aus schmutzigen Kasserollen mit gärigem Frikassee, unappetitlichen Pommes-frites-Resten und einem alten Laib Brot war gar nichts Sauberes zu finden. Darüber hinaus strömte aus dem Siphon ein widerwärtiger Mief. Hier wäre sehr viel Zeit und Muße vonnöten gewesen. In dieser WG aneinanderzugeraten war programmiert. Ich zog ein schnelles Resümee. Es war das Beste, es meinem Vorgänger gleichzutun und spornstreichs davonzulaufen.

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