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Kommentar : Die Mohren-Apotheke gehört zu Frankfurt

Streitfall: In Frankfurt streiten Stadtpolitiker auf Antrag der Kommunalen Ausländervertretung darüber, ob eine Pharmazie „Mohren-Apotheke“ heißen darf Bild: Michael Braunschädel

Darf eine Pharmazie „Mohren-Apotheke“ heißen? Darüber wird in Frankfurt gestritten. Der sprachhygienische Furor ist lehrreich. Denn er zeigt, wie man Zeitgenossen, denen Rassismus fern ist, in die Arme der AfD treibt.

          Virginia Wangare Greiner fühlt sich diskriminiert, weil eine Apotheke „Zum Mohren“ heißt. Das darf man ihr abnehmen. So wie man sie verteidigen muss gegen jene Idioten, die sie jetzt mit Hass-Mails überschütten. Zum Diskriminieren gehören aber zwei. Jemand, der sich diskriminiert fühlt, und jemand, der jemanden herabwürdigen will. Deshalb darf von Frau Greiner verlangt werden, dass sie es ihrerseits glaubt, wenn die Sprachgemeinschaft sozusagen als kollektiver Sprecher sagt, dass sie das Wort „Mohr“ nicht so meint, wie Frau Greiner es versteht – wenn der Begriff überhaupt noch verwendet wird.

          Angenommen, dieses Wort sei früher einmal als Schimpfwort gemeint gewesen, was begriffsgeschichtlich alles andere als eindeutig ist, so zählt dieses Argument heute nicht mehr. Man muss Geschichte nach den Maßstäben von früher beurteilen und das Heute nach den Maßstäben von heute. Zudem: Wenn man jedes Wort misstrauisch daraufhin prüfen muss, ob ein Idiot ihm einen unguten Sinn geben könnte, dann kann man nur sagen: „Du lieber Gott!“, was man sich gegenüber einem Atheisten vermutlich ebenfalls verkneifen müsste. Der Inhaber der Apotheke „Zum Mohren“ hat jedenfalls recht, wenn er sagt, dann dürfe man auch Shakespeares „Othello“ nicht mehr spielen.

          Wirklich keine anderen Sorgen?

          Lehrreich ist dieser sprachhygienische Furor auch deshalb, weil er fast lehrbuchhaft zeigt, wie man Zeitgenossen, denen auch nur der Anflug von Rassismus so fern ist wie der Mond, in die Arme der AfD treibt. Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat dazu am Donnerstagabend ein Schauspiel geboten, angesichts dessen inzwischen viele fragen: Habt ihr sie eigentlich noch alle? Hat Frankfurt wirklich keine anderen Sorgen?

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          Dass die AfD auf dem Thema herumreiten würde, war zu erwarten. Die Römer-Koalition hätte klug gehandelt, wenn sie gesagt hätte: Die Koalitionsparteien mögen in der Sache unterschiedlicher Auffassung sein, aber es ist nicht Aufgabe des Magistrats, Druck auf Ladeninhaber auszuüben, welche Namen sie ihren Geschäften geben. Man darf nämlich annehmen, dass Geschäftsleute aus eigenem Interesse alles unterlassen, was geschäftsschädigend sein könnte. Die Kunden der Zeil-Apotheke „Zum Mohren“, unter ihnen viele Migranten, stören sich jedenfalls an dem Namen nicht, wie eine Erkundung dieser Zeitung zeigte.

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