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Heimliche deutsche Hauptstadt : Das politische Frankfurt

Politisches Herz: Der Römer ist seit Jahrhunderten Macht- und Schaltzentrale Frankfurts. Bild: Lakuntza, Nerea

Die Mainmetropole stand zwar häufig im Schatten von Berlin, Wien und sogar Bonn. Doch als politischer Ort des Streits, der Demokratie und Aufarbeitung können ihr nur wenige Städte das Wasser reichen. Fünf politische Orte beweisen das.

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          Als der junge Staatsanwalt Gerhard Wiese 1963 die Anklageschriften gegen die beiden Nazi-Folterer im Vernichtungslager Auschwitz, Wilhelm Boger und Oswald Kaduk, mitvorbereitete, wollten viele Deutsche noch nichts von der eigenen Verstrickung in das nationalsozialistische Schreckensregime wissen. Doch aus Frankfurt kam ein Signal gegen die Verdrängung, das nur noch schwer zu ignorieren war: der erste Auschwitzprozess, bei dem Angehörige von SS-Wachmannschaften zwischen Weihnachten 1963 und 1965 vor Gericht standen und über ihre Gräueltaten berichteten.

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Prozess, der international für Aufsehen sorgte, sollte im Frankfurter Saalbau Gallus stattfinden, im Gallusviertel, doch der musste erst noch fertiggestellt werden. Also tagte das Gericht nach einem Machtwort des damaligen Oberbürgermeisters im Plenarsaal der Stadtverordnetenversammlung im Römer, wo noch immer Politik gemacht wird, allerdings meist Stadtpolitik. „Es war damals eng und dicht gedrängt“, erinnert sich der heute 92 Jahre alte Wiese, der als pensionierter Jurist in Dornbusch lebt – und bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie als Zeitzeuge Schülern von den Schrecken des Naziterrors erzählte. „Mir war klar, dass dieser Prozess kein gewöhnlicher sein würde“, sagt er. Allerdings habe er diese historische Dimension damals nicht erkannt.

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