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Saalbau an der Junghofstraße : Der Saal mit der besten Akustik der Welt

Multifunktional: Der große Saal des Saalbaus um 1900. Bild: Institut für Stadtgeschichte

Musiker schätzten den Saalbau an der Junghofstraße über alles. Aber auch Karnevalsvereine, Turner und Politiker. Trotzdem erinnert sich heute fast niemand mehr an das Gebäude.

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          Früher war halt doch einiges besser. Am 18. November 1861 wurde der Saalbau an der Junghofstraße feierlich mit einer Aufführung von Haydns „Schöpfung“ eröffnet. Das Gebäude, dessen großer Konzertsaal bis zu 2000 Zuhörer fasste, war nach nur einem Jahr Bauzeit fertiggestellt und das Budget von 400 000 Gulden dabei nur geringfügig überschritten worden. Das wichtigste war jedoch seine überragende Akustik. Die Stadt Rom plante im Jahr 1936 den Bau eines neuen Konzertsaals und schrieb damals bedeutende Musiker in aller Welt an, um von ihnen zu erfahren, welcher Konzertsaal der beste sei. Nicht nur der Komponist und Dirigent Richard Strauss nannte den Saalbau. Die Stadt Frankfurt übersandte daraufhin Pläne nach Rom.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Errichtet wurde der Saalbau auf Initiative engagierter Bürger, die den Bedarf für einen großen und repräsentativen Konzert- und Veranstaltungssaal in der rasch wachsenden Stadt sahen. Das war auch Ausdruck des gestiegenen Selbstbewusstseins des städtischen Bürgertums. Nach mehreren vergeblichen Anläufen zum Bau eines solchen Hauses brachte die Gründung der „Saalbau-Actien-Gesellschaft“ zur Jahreswende 1858/59 den Durchbruch. Geplant war ein Multifunktionssaal, wie man heute sagen würde, geeignet nicht nur für Konzerte, sondern auch für Bälle, politische Versammlungen, Empfänge und Vereinssitzungen.

          Die Lage und Architektur des Saalbaus stießen auf Kritik

          Der Entwurf für den Saalbau stammte von Heinrich Burnitz, einem der bedeutendsten Frankfurter Baumeister im 19. Jahrhundert. Er belegte im Architektenwettbewerb nur den zweiten Platz; aus Gründen, die heute nicht mehr zu rekonstruieren sind, weil die einschlägigen Akten im Zweiten Weltkrieg verbrannt sind, erhielt er dennoch den Auftrag. Dass er selbst zum Kreis der Initiatoren gehört hatte, wird seiner Sache wohl nicht geschadet haben. Jedenfalls gab er dem dreigeschossigen Saalbau eine schlichte Neorenaissance-Fassade, der man die Ausmaße der dahinter liegenden Räumlichkeiten nicht ansah.

          Die Lage des Saalbaus an der aus diesem Anlass neu geschaffenen Junghofstraße, die Roßmarkt und Neue Mainzer Straße miteinander verband, war eher versteckt. Das stieß ebenso wie die zurückhaltende Architektur vereinzelt auf Kritik. Ein für das gesellschaftliche Leben der Stadt derartig wichtiger Bau müsse prominenter liegen, war damals in der Presse zu lesen.

          Günstiger Standort nahe des Westends

          In den Genuss einer solchen sehr exponierten Lage kam erst das Opernhaus, mit dessen Bau am denkbar prominenten Standort mitten in der Wallanlage wenige Jahre später begonnen wurde. Saalbau und Oper ist gemeinsam, dass sie an der Schnittstelle von der alten Stadt und den neuen Stadtteilen jenseits der Anlagen entstanden. Damit waren sie weiter entfernt vom alten Zentrum als die Neue Börse, die ebenfalls in jenen Jahren errichtet wurde. Zugleich lagen sie günstig zum bevorzugten Wohnquartier der tonangebenden Schicht: dem Westend.

          Getroffen: Der Saalbau 1944.
          Getroffen: Der Saalbau 1944. : Bild: Institut für Stadtgeschichte

          Erschwert wurde die Aufgabe für den Architekten auch dadurch, dass das zur Verfügung stehende Grundstück auf beiden Seiten der Junghofstraße lag. Ein Kunstgriff wendete den Nachteil in eine Stärke: die beiden Gebäudeteile wurden mittels eines breiten, repräsentativen Überbrückungsbaus, der auch den Haupteingang markierte, miteinander verbunden. Darunter konnten die Besucher des Saalbaus ihren Kutschen entsteigen und trockenen Fußes ins Konzert oder zum Ball gelangen.

          Kein elitärer Kulturtempel

          Eine Ausstellung im Historischen Museum hat erst vor knapp drei Jahren die Bedeutung des Architekten und seines Vaters Rudolf in Erinnerung gerufen. Von Vater und Sohn stammten einige der wichtigsten Gebäude in der Stadt; nur wenige haben allerdings die Zeitläufe überdauert, unter ihnen die Börse.

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