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Geplante DFB-Akademie : Wissenswertes zum „Jahrhundertprojekt“

  • -Aktualisiert am

Blick aufs Wesentliche: Die Akademie soll nach dem Plan des Architekturbüros Kadawittfeld gebaut werden. Vorgesehen ist, die Gebäude mit einem Dach zu verbinden und möglichst offen zu gestalten. Bild: dpa

Seit Jahren planen die Stadt und der Deutsche Fußball-Bund den Bau einer DFB-Akademie auf dem Gelände der Galopprennbahn. Nach dem neuen Gerichtsurteil ist es Zeit, sich auf den aktuellen Stand zu bringen.

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          Was ist eigentlich eine DFB-Akademie?

          In jedem Fall ein „Jahrhundertprojekt“, so nennt es zumindest der Deutsche Fußball-Bund. Es hieß auch schon Leistungszentrum und, besonders hübsch: „Sternenschmiede“, in Anlehnung an möglichst viele neue Weltmeistertitel-Sterne dem Trikot. Tatsächlich will der DFB auf 15Hektar seine Verwaltungszentrale neu bauen. Es sollen dort aber auch die Nationalmannschaften ihre Basis haben, Trainingsplätze sind ebenso vorgesehen wie Videoanalyse-, Fitness- und Medizinräume, ein Athletenhaus, eine Fußballhalle, ein Pressezentrum und ein Fanshop. Der DFB will auf dem Gelände der Galopprennbahn nach eigenen Worten „den besten Spielern Deutschlands die besten Möglichkeiten“ bieten und „unter einem Dach alle Kompetenzen des deutschen Fußballs bündeln“. 75 Prozent der Fläche sollen Grünflächen und Rasenplätze sein.

          Was ist akademisch daran?

          Wenig im Wortsinne. Allerdings soll dort durchaus wissenschaftlich gearbeitet werden, etwa in der Leistungsdiagnostik, der Trainingslehre und der Spielanalyse. Werden Methoden in der Akademie für gut befunden, sollen die Ergebnisse möglichst vielen deutschen Mannschaften zugutekommen. Auch Trainer und Schiedsrichter sollen dort ausgebildet werden.

          Was kostet das Projekt?

          Nachdem ursprünglich eine Summe von 60 Millionen Euro genannt worden war, werden die Kosten für den DFB mittlerweile auf rund 140 Millionen Euro geschätzt. Der Verband will deswegen seine Mitglieder auf einem außerordentlichen Bundestag um Genehmigung bitten.

          Soll da nicht auch ein öffentlicher Park entstehen?

          Ja. Und zwar im Norden des Geländes. Für rund zwei Millionen Euro will die Stadt auf 18 Hektar einen sogenannten Bürgerpark oder Landschaftspark anlegen. Teile davon liegen im Grüngürtel und sind Landschaftsschutzgebiet. Die Hälfte des Geländes ist darüber hinaus Bannwald, Eine Versiegelung des Geländes etwa für eine Skateranlage ist deshalb nicht möglich. Die Planung ruht wegen der Prozesse seit Herbst 2016.

          Wann wird das Rennbahngelände geräumt?

          Die Stadt will die Räumung, die ihr das Oberlandesgericht gestern ermöglicht hat, so schnell wie möglich vollziehen. Zur Not könnte sie auch mit Polizei und Gerichtsvollzieher anrücken.

          Wann wird die Haupttribüne abgerissen?

          Das kann noch dauern. Laut Stadt muss der Abriss erst noch ausgeschrieben und vergeben werden. Zu rechnen sei mit drei bis sechs Monaten. Erst nach dem Abriss kann der DFB mit den Bauarbeiten beginnen, die eigentlich Anfang 2016 starten sollten. Der Renn-Klub könnte die Vollstreckung der Räumung erst einmal abwenden, indem er eine Sicherheitsleistung in Höhe von 350 000 Euro bei Gericht hinterlegt. Darauf wiederum kann die Stadt reagieren, indem sie eine Sicherheitsleistung in identischer Höhe leistet. Dann kann doch geräumt werden. Falls der BGH, an den sich der Renn-Klub außerdem noch wenden könnte, später zu einer anderen Entscheidung kommt als das Oberlandesgericht, könnte der Renn-Klub einen Anspruch auf Entschädigung haben.

          Bild: F.A.Z.

          Wann wird die Akademie fertig sein?

          Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, den Bau Ende 2018 fertigzustellen. Durch den zweijährigen Rechtsstreit wird sich alles verzögern. Vor Mitte bis Ende 2020 wird die Akademie kaum zu beziehen sein.

          Können die Fans auf dem Akademie-Gelände Manuel Neuer und Kollegen regelmäßig beim Training zuschauen?

          Nein. Experten gehen davon aus, dass die Fans die A-Nationalmannschaft der Herren nicht öfter bei einem öffentlichen Training erleben werden als bislang. Zurzeit wird fast immer abgeschirmt trainiert – und das wird wohl auch so bleiben. Gleichwohl soll das Areal zwar mit einem 2,40 Meter hohen Zaun umgeben werden, aber nicht hermetisch abgeriegelt sein. So dürften vor allem der Fanshop und ein geplantes Café leicht zugänglich sein.

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