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Vorsitzender gesucht : Die Frankfurter CDU muss sich emanzipieren

Fraglich: Ob Frankfurts CDU-Chef Jan Schneider (links) noch einmal antritt, steht dahin. Hier ist er am Bundestagswahl-Abend mit Bettina Wiesmann, Axel Kaufmann (hinten), Martin-Benedikt Schäfer und Uwe Becker zu sehen Bild: Frank Rumpenhorst

Nach einem Jahr der Wahlniederlagen macht sich die Bundes-CDU fit für die Zukunft. Der Frankfurter Kreisverband ist erkennbar noch nicht so weit.

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          Die Bundes-CDU legt vor, während der Frankfurter Kreisverband hinterherläuft. Von diesem Samstag an dürfen die rund 400.000 Parteimitglieder, von denen 2700 in Frankfurt leben, über ihren nächsten Vorsitzenden abstimmen. Die formelle Wahl folgt dann im Januar auf einem Bundesparteitag. Egal, wie man zu den Kandidaten Friedrich Merz, Helge Braun oder Norbert Röttgen steht: Die Bundespartei hat einen Fahrplan, der zurück aufs Gleis führen kann. Viele hoffen, dass sich die zerstrittene CDU nach einem Wahljahr der Niederlagen hinter ihrem nächsten Vorsitzenden versammelt und zu alter Einigkeit zurückfindet. Das ist viel wert, darauf lässt sich aufbauen.

          Der Frankfurter Kreisverband ist noch nicht so weit. Um im Bild zu bleiben: Der Zug steht am Gleis, allerdings weiß niemand, wann er abfährt – und wohin. Mal ehrlich, wer will da schon einsteigen? Dabei haben sich jüngst immerhin einige Stadtbezirksverbände im Lichte der Wahlanalysen sortiert. Nicht alles ist neu, etliche Personen in den Vorständen sind altbekannt, aber verwunderlich ist das nicht: Eine Partei wie die CDU ist auch beim Neuanfang behutsam und konservativ, und das muss ja nicht schlecht sein. Jedenfalls lässt sich so arbeiten und in die Zukunft schauen. Nur der Kreisverband hängt in der Warteschleife – und damit die Frankfurter CDU. Das Murren über diese Situation wird vernehmbar lauter in der Partei.

          Tritt Jan Schneider noch einmal an?

          Viele wollen zu Recht so schnell wie möglich klären, wer den Kreisverband in den nächsten Jahren führen wird. Turnusgemäß müsste der Parteitag im März anstehen, allerdings hoffen einige auf frühere Weichenstellungen. Dazu müsste der Vorsitzende Jan Schneider erklären, ob er noch einmal antritt. Dann wäre wohl auch der Weg für andere Kandidaturen frei, denn hinter den Kulissen laufen sich die Aspiranten längst schon warm, allein öffentlich aus der Deckung wagen mag sich keiner.

          Die CDU sollte für sich zudem klären, ob der oder die nächste Vorsitzende zugleich als Oberbürgermeisterkandidat ausgewählt wird. Anders als im Bund, wo erst 2025 wieder ein neuer Bundestag gewählt wird, steht die nächste Frankfurter Oberbürgermeister-Wahl 2024 ins Haus. Auch das ist lange hin, wobei die CDU einen weiten Weg vor sich hat – und ein Kandidat aufgebaut werden müsste. Die Partei stand lange im Schatten der Römerfraktion und vor allem der Dezernenten, die bis heute im Kreisvorstand sitzen. Sie muss jetzt möglichst bald aus ihrem Schattendasein heraustreten. Nur so ist ein echter Neuanfang möglich.

          Chef: Jan Schneider ist Vorsitzender der Frankfurter CDU, die in der Krise steckt
          Chef: Jan Schneider ist Vorsitzender der Frankfurter CDU, die in der Krise steckt : Bild: Sandra Schildwächter
          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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