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Folgen von Corona : Wieso Innenstädte leerer werden

Blick auf die Einkaufstraße Zeil in Frankfurt. Bild: Albermann, Martin

Die Nachwirkungen der Pandemie verändern auch die Großstädte wie Frankfurt. Das hat enorme Folgen für Betriebe – aber auch für politische Entscheidungsträger.

          11 Min.

          Sadettin Arikan ist ziemlich verzweifelt. An diesem Freitag, waren erst zwei Kunden da, und es ist schon 16 Uhr. Am Vortag waren es den ganzen Tag über zehn. Sadettin Arikan weiß, dass das kaum reichen wird, um seinen Friseurbetrieb in der Hufnagelstraße im Frankfurter Gallusviertel zu finanzieren. „Vor Corona hatte ich dreimal so viele Kunden“, sagt er. Damals wurden sie in Arikans Laden in der Regel von vier Frisören empfangen, heute sind es nur noch zwei. „Mehr geht nicht“, sagt der Chef kurz und knapp. Arikan ist ein netter Mensch, wer einmal hier war, kommt eigentlich immer wieder. Doch vom Vor-Corona-Niveau ist der Betrieb weit entfernt. Was ist passiert?

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.
          Sara Wagener
          Volontärin

          Die Antwort hat mit dem Frisör weniger zu tun als mit einem Phänomen, das Großstädte wie Frankfurt in den nächsten Jahren beschäftigen wird: Die Stadt ist leerer geworden. Gut 600.000 sozialversicherungspflichtig Be­schäftigte zählt die Arbeitsplatzstatistik für die Metropole am Main, doch immer mehr von ihnen arbeiten im Homeoffice. Sie gehen deshalb seltener im Umfeld ihrer Arbeitsstelle essen, einkaufen oder eben zum Frisör. „Wir haben viele Geschäftskunden“, sagt Frisör Arikan, also Männer und Frauen, die um die Ecke arbeiten und sich in der Mittagspause die Haare schneiden oder den Bart trimmen lassen. „Genau diese Leute kommen nicht mehr oder eben seltener.“ Dass sein Umsatz während der Corona-Beschränkungen eingebrochen ist, war das eine vorübergehende Problem. Doch die Menschen kommen nicht mehr zurück, und das ist die langfristige, für den Betrieb lebensbedrohliche Gefahr.

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