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Deutsches Turnfest : Vandreike: Im Magistrat wusste jeder Bescheid

Joachim Vandreike (hier mit Stadtoberhaupt Petra Roth) im Juni 2006, als er noch Sportdezernenzt war Bild: Wonge Bergmann

Seit bekannt ist, dass das Turnfest sechsmal teurer wird als geplant, läuft die Suche nach dem Schuldigen. Weder die Messe noch der damalige Sportdezernent fühlen sich verantwortlich. „Es wusste auch jeder im Magistrat, was wir gemacht haben“, sagt Vandreike.

          Der ehemalige Sportdezernent Joachim Vandreike (SPD) hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, er habe die städtischen Kosten für das Internationale Deutsche Turnfest 2009 absichtlich zu niedrig angegeben. „Ich habe eine Vorlage gemacht nach bestem Wissen und Gewissen“, sagte er gestern auf Anfrage. „Es wusste auch jeder im Magistrat, was wir gemacht haben. Da gab es keine Geheimnisse.“ Die Dezernenten - Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eingeschlossen - hätten „alles akzeptiert und gewollt, dass wir nach der Fußball-WM 2006 ein zweites Großereignis in die Stadt holen“. Ende vergangener Woche war bekanntgeworden, dass sich die Kosten von 5,14 Millionen auf bis zu 30 Millionen Euro versechsfachen werden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Messe GmbH warf Vandreike vor, eine „feste Zusage“ zur Beteiligung am Turnfest gebrochen zu haben. Das Unternehmen, das zu 60 Prozent der Stadt und zu 40 Prozent dem Land gehört, habe zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass es der Stadt zwölf Millionen Euro berechnen werde. Stattdessen habe es geheißen, die Messe werde sich wegen des 100. Geburtstags der Festhalle an der Ausrichtung beteiligen.

          Messe: Schon 2004 von marktüblichen Konditionen gesprochen

          Der für das Thema zuständige Geschäftsführer der Messe GmbH, Uwe Behm, widersprach dem SPD-Politiker. Er teilte mit, die Messe habe „bereits 2004“ zugesagt, dass „wir die Hallen und Flächen zu marktüblichen Konditionen bereitstellen werden“. Ein erstes Treffen zur Finanzierung habe es „im November 2004 in Wiesbaden“ gegeben. Die Stadtverordneten hatten die Vorlage aus dem Dezernat Vandreike am 17. März 2005 mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen, FDP und PDS (jetzt Die Linke) verabschiedet. Darin waren die städtischen Kosten für die Ausrichtung der weltgrößten Breitensportveranstaltung auf 5,14 Millionen Euro beziffert worden.

          Messe-Geschäftsführer Behm berichtete weiter, der Anteil der Kosten, die auf sein Unternehmen entfielen, lägen „bei deutlich weniger als zehn Prozent des derzeit diskutierten Gesamtbudgets“. Der Großteil der Kosten, die die Messe in Rechnung stellen müsse, entstehe für die Leistungen Dritter, die auf dem Messegelände für den Veranstalter tätig seien, etwa für Tribünenbauer, Ordnungsdienste und die Feuerwehr.

          Commerzbank-Arena unentgeltlich zur Verfügung

          Dezernentin Birkenfeld dagegen hatte die fast sechsmal höheren Gesamtkosten wesentlich damit begründet, dass die Messe unentgeltlich zugesagte Hallen für die rund 75.000 Teilnehmer infolge eines Rechtsgutachtens doch nicht ohne Bezahlung zur Verfügung stellen dürfe und den marktüblichen Preis zu berechnen habe. Wann dieses Gutachten erstellt worden sein soll, sagte Birkenfeld nicht. Sie ist seit knapp einem Jahr im Amt. Zwischen ihr und Vandreike, der im Sommer 2006 den hauptamtlichen Magistrat verließ, verantwortete der heutige Kämmerer Uwe Becker (CDU) das Ressort.

          SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling sagte, auch die Commerzbank-Arena werde für die Hauptveranstaltung des Turnfests, das vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2009 stattfinden soll, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Würde man dies sowie die Kosten für den Polizeieinsatz und die Reinigung der Plätze und Straßen durch die FES in dieser Zeit hinzurechnen, lägen die Kosten für die öffentliche Hand vermutlich um die 40 Millionen Euro. Das zeige, wie schwierig es sei, die Kosten präzise zu beziffern. Er plädierte dafür, dass ein „privatrechtlich organisiertes Unternehmen, das zu 100 Prozent in öffentlicher Hand ist, der Stadt nicht den Marktpreis berechnen“ solle, damit das Land, das 40 Prozent der Messe hält, ebenfalls an der Finanzierung des Turnfests beteiligt werde. Trotz der höheren Kosten hätte er 2005 mit „Ja“ gestimmt, sagte Oesterling. Das Turnfest 1983 sei eine „gute Werbung“ für Frankfurt gewesen.

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