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Deutsche Bahn : Polizei hilft bei überfüllten Zügen

Weil der Zug überfüllt war, rief ein Zugchef in Frankfurt die Polizei um Hilfe. Die musste einige Fahrgäste auf den nächsten ICE verweisen Bild: dpa

In Frankfurt wusste sich der Zugchef eines überfüllten Inter-City-Expresses nicht anders zu helfen, als die Bundespolizei um Unterstützung bei dem schwierigen Job zu bitten, einen Teil der Fahrgäste auf den nächsten Zug zu verweisen.

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          Die Mutter aus Bad Vilbel mochte es nicht glauben. Mit der fünfjährigen Tochter an der Hand wollte sie vom Frankfurter Flughafen mit der Bahn nach Köln fahren – doch statt dass der ICE sich in Bewegung setzte, wurde sie aus dem Zug hinauskomplimentiert, zusammen mit einer Reihe anderer Fahrgäste. Und zwar von der Polizei. „Unverständiges Staunen war die mildeste Reaktion, insbesondere seitens der Fahrgäste, die kein Deutsch verstanden“, berichtet die Frau. Einige der Bahnkunden, die gerade erst am Flughafen eingereist waren, hätten geschimpft, Deutschland sei wohl wirklich so, wie man es aus manchem Film kenne.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Was war geschehen an jenem 30. Januar? Der Zug war überfüllt, wie der oberste Schaffner, Zugchef genannt, offenbar festgestellt hatte. Ein gewöhnlicher ICE hat um die 700 Sitzplätze, noch einmal so viele Menschen dürfen sich auf den Gang und vor die Türen stellen. Drängeln sich aber noch mehr, darf der Zug nicht losfahren, aus Sicherheitsgründen. Der Zugchef wusste sich nicht anders zu helfen, als die Bundespolizei, in der die frühere Bahnpolizei aufgegangen ist, um Unterstützung bei dem schwierigen Job zu bitten, einen Teil der Fahrgäste auf den nächsten Zug zu verweisen.

          Regelmäßig fehlen 13 bis 14 Züge

          In der Konzernzentrale in Berlin heißt es, es handele sich um Einzelfälle. Die Deutsche Bahn habe 252 ICE im Einsatz. Doch bei 130 von ihnen, den Zügen der Baureihen ICE 3 und ICE-T, gebe es nach den Problemen mit den Rädern viel mehr Untersuchungen als früher. Sie stünden zehnmal so häufig in der Werkstatt wie einst gedacht. In den vergangenen Wochen kam noch hinzu, dass das Wetter der Bahn zusetzte. So fehlen regelmäßig 13 bis 14 Züge, wie es bei dem Staatskonzern heißt.

          Nun pflegt die Bahn auf stark befahrenen Strecken zwei zusammengekoppelte ICE einzusetzen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Das aber muss sie lassen, wenn Züge in der Werkstatt stehen. So steht bisweilen nur die Hälfte der Plätze für die Fahrgäste zur Verfügung. Und so war es auch am 30. Januar am Frankfurter Flughafen. Es war ein Samstag, die Messe „Paperworld“ zog Tausende an, die Eintracht spielte.

          Mitte Januar war die Polizei in Frankfurt schon einmal im Einsatz

          Im Internet finden sich Berichte über weitere Einsätze der Bundespolizei in ICE-Zügen. Mitte Januar soll es am Frankfurter Flughafen schon einmal so weit gewesen sein, in der ersten Februarhälfte in Leipzig, Mitte des Monats in Stuttgart. Am Montag dieser Woche wurde die Polizei im Frankfurter Hauptbahnhof an den Bahnsteig gerufen, weil ein Zug nach München überfüllt war – auch hier fehlte die Hälfte der Plätze.

          Der Deutschen Bahn ist die Angelegenheit unangenehm. „Sicherheit geht vor“, sagt ein Sprecher, und bevor der Zugchef die Polizei rufe, habe er natürlich bereits selbst versucht, einzelne Fahrgäste zum Aussteigen zu bewegen. Auch bei der Bundespolizei lässt man erkennen, dass man die Einsätze lieber vermeiden würde. Es sei schon klar, dass ein völlig überfüllter Zug nicht abfahren dürfe, sagt ein Sprecher. Schließlich müsse es im Notfall möglich sein, durch den Zug hindurchgehen zu können, auch müsse man an Feuerlöscher und Verbandskästen kommen. Rechtlich sei es eindeutig, dass die Polizei der Bahn helfen dürfe, ihr Hausrecht durchzusetzen. Die Beamten im Einsatz plage freilich die Frage, wen aus der Schar der Fahrgäste sie denn konkret ansprechen sollten, den Zug zu verlassen. „Ein sensibles Thema“, meint der Polizeisprecher.

          Ein Buch als Trost fürs Töchterchen

          Die Frau aus Bad Vilbel hat schließlich noch Glück gehabt; sie ist erst ausgestiegen und dann mit der Tochter an einer anderen Tür wieder in den Zug geschlüpft. In ihrem Zorn über das Erlebte hat sie dem hessischen Innenministerium geschrieben, Fraport, der Frankfurter Oberbürgermeisterin und der Bahn. Das Ministerium und Fraport antworteten zügig, vom Flughafenbetreiber gab es sogar ein Buch als Trost fürs Töchterchen. Nur die Oberbürgermeisterin und die Deutsche Bahn – die haben sich bis heute nicht bei der Familie aus Bad Vilbel gemeldet.

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