https://www.faz.net/-gzg-9x606

Schüler und die Natur : Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

  • -Aktualisiert am

Bleistifte selbstgemacht: Kinder der Grüngürtel-Waldschule in der Lernwerkstatt „Wald und Energie“ Bild: Cabrera Rojas, Diana

Die einen stecken die Köpfe über einem Feuerstein zusammen, mit dem sie einen Wattebausch entzünden wollen. Andere haben Wurzeln und Blätter auf dem Boden zu einem Baum zusammengelegt. Wie Frankfurter Schüler die Natur schätzen lernen.

          2 Min.

          Auf dem Hof der Grüngürtel-Waldschule im Frankfurter Stadtwald herrscht ein aufgeregtes Treiben. Rund zwanzig Grundschüler laufen herum, einige von ihnen stecken die Köpfe über einem Feuerstein zusammen, mit dem sie einen Wattebausch entzünden wollen. Ein paar Meter weiter haben die Kinder Wurzeln, Zweige und Blätter auf dem Boden zu einem Baum zusammengelegt. Die achtjährige Marta erzählt stolz, dass sie eine Waldgrille und einen Mistkäfer in der Hand gehabt habe.

          In der Lernwerkstatt „Wald und Energie“ erforschen die Zweitklässler der Kirchnerschule eine Woche lang die Natur mit den eigenen Händen. Die Lernwerkstatt ist die erste von mehr als 90 Veranstaltungen des städtischen Bildungsprogramms „Entdecken, Forschen, Lernen“ in diesem Jahr. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hat das Programm am Montag vorgestellt. Das Angebot richtet sich außer an Kindergärten und Grundschulen auch an weiterführende Schulen. Es soll Kindern und Jugendlichen den bewussten und nachhaltigen Umgang mit der Natur beibringen.

          „So lernen sie früh, die Umwelt zu schätzen“

          Kirsten Reichelt-Färber vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ hat die Lernwerkstatt für die zweite Klasse der Kirchnerschule organisiert. Für die Kinder sei es wichtig, den Wald abseits des Schulbuchs kennenzulernen. „Es ist immer wieder erstaunlich wie viele Kinder noch nie zuvor im Wald waren“, sagt die Projektleiterin. Manche Grundschüler ekelten sich davor, über matschigen Boden zu laufen oder Regenwürmer anzufassen. Diese Berührungsängste abzubauen, sei notwendig, damit die Kinder einen Zugang zur Natur entwickelten, sagt Reichelt-Färber. „So lernen sie früh, die Umwelt zu schätzen.“

          Klassenlehrer Martin Beer verbringt fast die ganze Schulwoche mit seiner Klasse im Grüngürtel. Die Zweitklässler erfahren alles über Energiekreisläufe im Wald, die Themen wurden bereits vorab im Sachkundeunterricht besprochen. Unter anderem lernen die Kinder das Alter von Bäumen zu bestimmen. Ein Baum, dessen Umfang er gemessen habe, sei 128 Jahre alt, erzählt Celio. Erstaunt habe ihn das hohe Alter nicht, sagt der Achtjährige lässig. „Die werden ja bis zu 600 Jahre alt.“

          Alle sechs Lernstationen des Bildungsprogramms liegen im Grüngürtel der Stadt. Schüler können beispielsweise am alten Flugplatz im Niddatal die heimischen Wassertiere und Vögel kennenlernen, aus den Äpfeln der Streuobstwiesen auf dem Berger Rücken eigenen Saft keltern oder im Stadtwaldhaus auf die Suche nach Waldbewohnern gehen. Im vergangenen Jahr hatten 6000 Kinder und Jugendliche an dem Bildungsprogramm teilgenommen. Finanziert wird das Angebot von den städtischen Dezernaten für Umwelt und Frauen, Integration und Bildung sowie elf weiteren regionalen Sponsoren. Das Projekt wurde von der Unesco als „Lernort nachhaltiger Entwicklung“ ausgezeichnet.

          Weitere Themen

          Mehr als die Summe seiner Teile

          Ausstellung „2-gather“ : Mehr als die Summe seiner Teile

          Experiment mit offenem Ausgang: Die Ausstellung „2-gather“ im Neuen Kunstverein stellt die Arbeiten von fünf Künstlerinnen nebeneinander. Die Kontraste sorgen für ungeahnte Überraschung.

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Trippelschritte zur Autofreiheit

          Brauchbachstraße in Frankfurt : Trippelschritte zur Autofreiheit

          Die Zahl der Parkplätze an der Braubachstraße in Frankfurt wird um zwei Drittel verringert. Stattdessen gibt es Abstellbügel für Räder und mehr Platz für die Gastronomie. Ist das wegweisend für andere Innenstadtstraßen?

          Topmeldungen

          Zur Verteidigung gegen China bereit: Taiwans Präsidentin  Tsai Ing-wen bei einer Militärübung.

          Chinas Konflikt mit Amerika : Nach Hongkong jetzt Taiwan?

          Auch die militärischen Spannungen zwischen China und Amerika nehmen gefährlich zu. Ein gewaltsamer Konflikt der beiden Supermächte im südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen.

          Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

          Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.
          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.