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Schüler und die Natur : Wenn der Wald zum Klassenzimmer wird

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Bleistifte selbstgemacht: Kinder der Grüngürtel-Waldschule in der Lernwerkstatt „Wald und Energie“ Bild: Cabrera Rojas, Diana

Die einen stecken die Köpfe über einem Feuerstein zusammen, mit dem sie einen Wattebausch entzünden wollen. Andere haben Wurzeln und Blätter auf dem Boden zu einem Baum zusammengelegt. Wie Frankfurter Schüler die Natur schätzen lernen.

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          Auf dem Hof der Grüngürtel-Waldschule im Frankfurter Stadtwald herrscht ein aufgeregtes Treiben. Rund zwanzig Grundschüler laufen herum, einige von ihnen stecken die Köpfe über einem Feuerstein zusammen, mit dem sie einen Wattebausch entzünden wollen. Ein paar Meter weiter haben die Kinder Wurzeln, Zweige und Blätter auf dem Boden zu einem Baum zusammengelegt. Die achtjährige Marta erzählt stolz, dass sie eine Waldgrille und einen Mistkäfer in der Hand gehabt habe.

          In der Lernwerkstatt „Wald und Energie“ erforschen die Zweitklässler der Kirchnerschule eine Woche lang die Natur mit den eigenen Händen. Die Lernwerkstatt ist die erste von mehr als 90 Veranstaltungen des städtischen Bildungsprogramms „Entdecken, Forschen, Lernen“ in diesem Jahr. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hat das Programm am Montag vorgestellt. Das Angebot richtet sich außer an Kindergärten und Grundschulen auch an weiterführende Schulen. Es soll Kindern und Jugendlichen den bewussten und nachhaltigen Umgang mit der Natur beibringen.

          „So lernen sie früh, die Umwelt zu schätzen“

          Kirsten Reichelt-Färber vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ hat die Lernwerkstatt für die zweite Klasse der Kirchnerschule organisiert. Für die Kinder sei es wichtig, den Wald abseits des Schulbuchs kennenzulernen. „Es ist immer wieder erstaunlich wie viele Kinder noch nie zuvor im Wald waren“, sagt die Projektleiterin. Manche Grundschüler ekelten sich davor, über matschigen Boden zu laufen oder Regenwürmer anzufassen. Diese Berührungsängste abzubauen, sei notwendig, damit die Kinder einen Zugang zur Natur entwickelten, sagt Reichelt-Färber. „So lernen sie früh, die Umwelt zu schätzen.“

          Klassenlehrer Martin Beer verbringt fast die ganze Schulwoche mit seiner Klasse im Grüngürtel. Die Zweitklässler erfahren alles über Energiekreisläufe im Wald, die Themen wurden bereits vorab im Sachkundeunterricht besprochen. Unter anderem lernen die Kinder das Alter von Bäumen zu bestimmen. Ein Baum, dessen Umfang er gemessen habe, sei 128 Jahre alt, erzählt Celio. Erstaunt habe ihn das hohe Alter nicht, sagt der Achtjährige lässig. „Die werden ja bis zu 600 Jahre alt.“

          Alle sechs Lernstationen des Bildungsprogramms liegen im Grüngürtel der Stadt. Schüler können beispielsweise am alten Flugplatz im Niddatal die heimischen Wassertiere und Vögel kennenlernen, aus den Äpfeln der Streuobstwiesen auf dem Berger Rücken eigenen Saft keltern oder im Stadtwaldhaus auf die Suche nach Waldbewohnern gehen. Im vergangenen Jahr hatten 6000 Kinder und Jugendliche an dem Bildungsprogramm teilgenommen. Finanziert wird das Angebot von den städtischen Dezernaten für Umwelt und Frauen, Integration und Bildung sowie elf weiteren regionalen Sponsoren. Das Projekt wurde von der Unesco als „Lernort nachhaltiger Entwicklung“ ausgezeichnet.

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