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Türkischer Generalkonsul : „Zu wenig Solidarität und Empathie“

„Integration ist keine Einbahnstraße“: Generalkonsul Burak Kararti. Bild: Helmut Fricke

Als offizeller Vertreter der Türkei ist Burak Kararti erst seit wenigen Wochen in Frankfurt. Im Gespräch nennt er Gründe für die aktuellen Spannungen, lässt einige Fragen aber unbeantwortet.

          6 Min.

          Wie ist das aktuelle Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland?

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun, es ist kein Geheimnis, dass es momentan ein paar Schwierigkeiten gibt. Aber das Gute ist, dass die Kommunikationskanäle zwischen unseren Ländern auf allen Ebenen offen sind – und offen bleiben werden. Es gibt Gespräche auf höchster Ebene.

          Tatsächlich?

          Ja, unsere Außenminister haben sich erst vor ein paar Wochen in Berlin getroffen und über diese Themen gesprochen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland große Bedeutung und eine solide Basis haben, die sehr alt ist. Und darum glaube ich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überwinden können, durch einen fortlaufenden Dialog und Treffen auf verschiedenen Ebenen.

          Was genau sind die Schwierigkeiten?

          Wir denken, dass Deutschland und einige andere europäische Länder nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli vergangenen Jahres nicht die nötige Solidarität und Empathie dem türkischen Volk gegenüber gezeigt haben. So bewertet die türkische Öffentlichkeit die Haltung Deutschlands. Natürlich hat die deutsche Regierung den Putschversuch verurteilt, aber es folgten keine konkreten Taten. Wir erwarten von Deutschland, eine starke und effektive Zusammenarbeit gegen die terroristische Organisation, die für den Coup verantwortlich ist. Aber wir sehen, dass man, obwohl man weiß, dass sich einige hochrangige Vertreter dieser Organisation in Deutschland aufhalten, nicht die notwendigen Schritte eingeleitet hat.

          Sie meinen die Gülen-Bewegung?

          Ja, ich meine die Fetullah Gülen Terrororganisation (FETÖ). Und dieser Mangel an Solidarität und effektiver Kooperation hat den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern ein wenig zugesetzt.

          Wie hilfreich ist die scharfe Rhetorik von Präsident Erdogan und anderen Mitgliedern der türkischen Regierung?

          Zuerst möchte ich erwähnen, dass diese Bezeichnung in Ihrer Frage Ihre Ansicht ist. Ich kommentiere Äußerungen unserer Regierungsmitglieder nicht.

          Dann lassen Sie uns nach Frankfurt und Hessen schauen: Haben die Schwierigkeiten, von denen Sie sprechen, Auswirkungen auf türkische Community?

          Natürlich hat das einen Effekt, einen psychologischen Effekt. Aber wir möchten, dass die Türken in Deutschland ihr Leben als verantwortungsvolle Bürger dieses Landes fortsetzen und ihren Beitrag zu dieser Gesellschaft leisten und sich an dem sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben in Deutschland aktiv beteiligen. Dabei ist es äußerst normal, dass sie ihre eigene Kultur bewahren. Diese Menschen, von denen ein Teil die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, sind sowohl ein Teil der Türkei als auch ein Teil der deutschen Gesellschaft. Das ist auch das, was wir unseren Landsleuten sagen, wenn wir mit ihnen zusammenkommen.

          Führen die Spannungen um das Verfassungsreferendum zu einer Spaltung der türkischen Community in Deutschland?

          Es ist ganz natürlich, dass es in einer Gesellschaft unterschiedliche Meinungen und politische Auffassungen gibt. Deswegen kann man es auch als normal ansehen, dass es in der hiesigen türkischen Community unterschiedliche Meinungen geben kann. Ich finde es nicht richtig, diese Meinungsunterschiede als Teilung oder Polarisierung zu bezeichnen.

          Verfassungsreferendum : Türken können in Deutschland bereits abstimmen

          Sind diese Differenzen seit dem Putschversuch größer geworden?

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