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Kobelt-Zoo : Vorsicht, Anton mag keine Männer

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Dürfen gestreichelt werden: die Esel Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

15 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich täglich um knapp gerettete 300 Tiere im Kobelt-Zoo. Geld von der Stadt erhält der private Zoo nicht - dennoch ist der Eintritt kostenlos.

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          Knirschen unter den Schuhsohlen. Ein nasser Schotterweg. Die Bäume stehen dicht gedrängt, ihre Kronen schlucken einen Teil des Tageslichts. Kater Benji hat es sich am Eingangstor bequem gemacht. Den Schwanheimer Kobelt-Zoo trennt nur eine hohe Hecke von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 12. Die resolute erste Kassiererin Monika Greitzke läuft auch bei schlechtem Wetter in ihrer freien Zeit das Gelände ab.

          Obwohl alle der 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter berufstätig sind, kümmern sie sich täglich um die knapp 300 Tiere im Kobelt-Zoo, sorgen dafür, dass sie ihr Futter bekommen, reparieren Gehege und sehen nach dem 1,7 Hektar großen Gelände. Träger ist die „Gesellschaft Prof. Dr. Wilhelm Kobelt“, ein eingetragener Verein.

          Rückzugsmöglichkeit und Treffpunkt

          Das jährliche Budget von rund 40.000 Euro allein reicht nicht, um den Zoo instand zu halten. Deshalb leisten Greitzke und ihre Mitstreiter nicht nur ihren Mitgliedsbeitrag – Rechnungen für Reparaturen oder Futter erreichen oft erst gar nicht die Buchhaltung, weil sie direkt von den Privatkonten der Helfer beglichen werden. „’Ne gesunde Portion blöd auf der Stirn“ brauche man für solch ein außerordentliches Engagement, sagt Greitzke schmunzelnd.

          Der putzige Waschbär erfreut nicht nur Kinder

          Wegen solchen Engagements kann es sich der Kobelt-Zoo auch leisten, keinen Eintritt zu verlangen. Damit das so bleibt, ist der Zoo auf Spenden, Mitgliedsbeiträge, Tierpatenschaften und Unterstützung durch lokale Unternehmen angewiesen. Den Löwenanteil des benötigten Budgets bringen jedoch die Feste ein, die der Zoo regelmäßig veranstaltet. Unerwartete Ereignisse, etwa ein Rohrbruch im vergangenen Winter, sind allerdings nur schwer auszugleichen. Als private Einrichtung erhält der Zoo keine finanzielle Unterstützung von der Stadt Frankfurt.

          Namensgeber Wilhelm Kobelt, Arzt in Schwanheim und besonders für sein soziales Engagement bekannt, lebte von 1840 bis 1916 – in den Schilderungen Greitzkes aber ist er allgegenwärtig. In Erinnerung an seine Person und seine Forschungen in Heimatkunde und Biologie wurde der kleine Zoo kurz nach seinem Tod gegründet. Seitdem ist die Anlage für die Schwanheimer eine Institution, Rückzugsmöglichkeit und Treffpunkt zugleich. Zum Eröffnungs- und zum Kinderfest kommen bis zu 4000 Besucher auch aus den angrenzenden Stadtteilen und besuchen die Anlage, die in ihren Gehegen insgesamt 70 Tierarten beherbergt.

          Neue Heimat für Albino-Python

          Gans Anton quakt lautstark am Zaun, sobald sich ein männlicher Besucher nähert: Er mag keine Männer. Heimische Kaninchen und Hausschweine in der „Villa Wutz“, aber auch vom Aussterben bedrohte ostpreußische Skuddenschafe tummeln sich in den Gattern. Selbst der exotische Albino-Python sowie eine große Anzahl behinderter und aus nicht artgerechter Haltung geretteter Tiere haben im Kobelt-Zoo eine neue Heimat gefunden. Regelmäßig erkundigt sich die Tierrettung der Frankfurter Feuerwehr nach freien Plätzen für aufgelesene Tiere. Vor rund zehn Jahren wurde etwa ein verhaltensgestörter Affe aufgenommen, der über mehrere Jahre auf einem Leierkasten tanzen musste. Es habe Monate gedauert, bis er nicht mehr auf einer Stelle wippte, berichtet Greitzke.

          Das nötige Fachwissen für eine artgerechte Haltung besitzen die Mitarbeiter nicht immer. „Wir sind eigentlich nur Laien“, gibt Greitzke zu. Deshalb steht die Einrichtung in engem Kontakt zum Kronberger Opelzoo und zum Frankfurter Zoo, die mit Ratschlägen und Ausrüstung aushelfen. Darüber hinaus spendete der Opel-Zoo vergangenes Jahr zehn Zwergmangusten, die schnell Zuwachs bekamen. Ein bisschen eng war es dann im Mangustenhaus geworden, weshalb die ehrenamtlichen Mitarbeiter gleich ein Außengehege errichtet haben.

          Konkurrenz zu den beiden Tiergärten besteht nicht, da der Kobelt-Zoo nur am Wochenende oder nach Vereinbarung geöffnet hat. Auch die Atmosphäre ist eine andere – persönlich und heimatverbunden. Manch älterer Anwohner spaziert täglich durch den Park, während viele junge Familien auch aus anderen Stadtteilen das günstige Angebot für die Kinder schätzen. Diese freuen sich ganz besonders auch über den Abenteuerspielplatz, während sich ihre Eltern bei einer Tasse Kaffee entspannen können. Aus dem Gehege nebenan hört man dann die Schweine wohlig grunzen.

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