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Verbotener Tierhandel : Das illegale Geschäft mit den Welpen

  • -Aktualisiert am

Diese jungen Hunde sollten verkauft werden, doch das Frankfurter Ordnungsamt beschlagnahmte sie. Bild: Ordnungsamt Frankfurt

Seit der Pandemie nimmt der Handel mit illegal gezüchteten Hunden stark zu, die Mehrheit davon kommt scheinbar aus Osteuropa. Viele Käufer erkennen das Leid der Tiere zu spät, obwohl es oft eindeutige Hinweise gibt.

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          Mitte September hat das Frankfurter Ordnungsamt im Stadtteil Oberrad 27 Hunde beschlagnahmt. Bei den meisten von ihnen handelte es sich um Welpen der Rasse Australian Shepherd im Wert von insgesamt 30.000 Euro. Was die Käufer nicht wussten, war, dass einige der Tiere schon krank zur Welt gekommen sind. Sie entstammen einer illegalen Zucht. Die Täterinnen, drei Frauen, sind zuvor schon in mehreren Landkreisen mit Verstößen gegen das Tierschutzgesetz aufgefallen. Offenbar wechselten sie häufig ihren Standort, sobald es Probleme mit dem zuständigen Veterinäramt gab. Das haben die Ermittlungen der Frankfurter Ordnungsbehörde ergeben. Der Fall ist nur ein Beispiel von vielen. Denn der illegale Tierhandel boomt.

          Besonders seit Beginn der Pandemie und damit der Zeit im Homeoffice sei gerade die Nachfrage nach Hunden stark gestiegen, teilt das hessische Umweltministerium mit. Die entdeckten Fälle illegalen Handels durch die Behörden haben sich nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes von 66 im Jahr 2019 auf knapp 172 im Jahr 2020 fast verdreifacht. Im Jahr 2021 verdoppelte sich die Zahl noch einmal auf 339 Fälle. Illegaler Hundehandel machte in den vergangenen beiden Jahren etwa 90 Prozent der bekannt gewordenen Fälle aus.

          „Profis importieren 50 bis 70 Welpen auf einen Schlag“

          Mit den steigenden Fallzahlen steigt auch die Summe der betroffenen Tiere. 2019 waren es noch 731, 2020 schon 1221 und im vergangenen Jahr 2228 Tiere. Gleichzeitig steigt der Anteil des Hundehandels am gesamten Aufkommen aller Fälle zum Nachteil von Tieren immer weiter an. Waren 2019 nur knapp die Hälfte der gefundenen Tiere Hunde, sind es 2020 und 2021 jeweils knapp 90 Prozent.

          Häufig böten die Händler die Tiere über verschiedene Onlineportale an. „Die Händler inserieren unter verschiedenen Telefonnummern und transportieren die Hundewelpen auch zum Kunden“, sagt Madeleine Martin, Landestierschutzbeauftragte im hessischen Umweltministerium. Der Weg zum eigenen Golden Re­triever sei damit oft bloß einen Mausklick entfernt. Für Kunden, die beispielsweise das Muttertier sehen möchten, würden zum Teil „ganze Märchen aufgebaut“, indem andere Tiere gezeigt werden, die mit den Welpen überhaupt nicht verwandt seien. Ein Problem ist, dass Tiere aus illegaler Zucht häufig günstiger und schneller verfügbar sind als solche von seriösen Züchtern. „Auf den Züchterhund müssen Käufer oft Monate warten“, sagt Martin.

          Die Mehrheit der Welpen, die nach illegaler Zucht später in Deutschland verkauft werden, kommt den Angaben zufolge aus dem osteuropäischen Ausland. Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien seien die häufigsten Herkunftsländer. „Profis importieren 50 bis 70 Welpen auf einen Schlag“, sagt Martin. Diese Transporte fielen jedoch nur selten auf und würden auch kaum verfolgt, sagt sie. Aufsehen erregte im vergangenen Jahr ein Fund in Nürnberg, bei dem die Polizei 101 Welpen unterschiedlichster Rassen in einem Transporter gefunden hatte.

          Qualzuchtmerkmale erkennen Käufer häufig erst später

          Gleichzeitig seien die Bedingungen, unter denen die Tiere geboren und importiert würden, katastrophal. „Die Mütterhündinnen sitzen dort oft ohne regelmäßigen menschlichen Kontakt in Ställen und Kellern, zumeist ohne tierärztliche Betreuung“, so Martin weiter. Dadurch würden die Tiere und auch die Welpen verhaltensgestört und oft krank. Infektionskrankheiten wie Parvovirose, Leptospirose oder auch Wurmbefall seien jedoch nicht sichtbar. „Auch viele Qualzuchtmerkmale wie etwa eingerollte Augenwimpern, erbliche Arthrose oder Taubheit erkennen Käufer häufig erst später.“ Daraus entstünden für die Käufer erhebliche Folgekosten durch Tierarztbehandlungen oder Verhaltenstherapien.

          Ein weiterer Hinweis für illegalen Handel ist das Alter des Hundes. Hundewelpen aus den Staaten der Europäischen Union müssen nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes eine Tollwutimpfung und einen EU-Heimtierausweis vorweisen. Die Impfung erfolgt aber erst im Alter von zwölf Wochen. Anschließend muss eine dreiwöchige Wartezeit eingehalten werden. „Hundewelpen, die im Alter von wenigen Wochen im Internet angeboten und nach Deutschland eingeführt werden, werden somit illegal gehandelt.“

          Strengere Kontrollen und deutlichere Strafen

          Oft fehle bei den Kunden ein Bewusstsein dafür, wie junge Hunde gezüchtet und an die Halter gebracht würden, sagt Sabine Urbainsky, Leiterin des Tierheims im Tierschutzverein Frankfurt. Nicht alle, die sich für einen Hund interessierten, schauten darauf, woher die Welpen eigentlich kommen. Es gebe immer wieder Käufer, die nicht bereit seien, viel Geld für ein Tier zu zahlen. Wenn das Tier erkranke oder Verhaltensstörungen aufweise, sei „das Geschrei dann groß“.

          Urbainsky plädiert daher für strenge Kontrollen. Privatzuchten ohne ordentlichen Verband sollten ihrer Ansicht nach verboten werden. Es müsse „massiver den Anzeigen nachgegangen werden und die Strafen müssen empfindlich werden“, fordert sie. Auch die Landestierschutzbeauftragte Martin fordert „deutlichere Strafen“ für illegalen Tierhandel. Weiterhin brauche es ein „Verbot des Internethandels, zumindest für gewerbliche Händler“.

          Die 27 beschlagnahmten Tiere in Frankfurt sind nun artgerecht und sicher untergebracht, wie die Leiterin des Ordnungsamtes, Karin Müller, sagt. Den drei Frauen droht außer einer Ordnungswidrigkeitsanzeige und einem Bußgeld jedoch wenig. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes liegt dieses bei derartigen Fällen oft zwischen 5000 und 25.000 Euro.

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