https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/der-div-will-sein-praeventionsprojekt-fortsetzen-14341218.html

Projekt gegen Salafismus : Deutsch-Islamischer Verband will Präventionsprojekt weiterführen

  • -Aktualisiert am

Salafismus: Die Präventionsarbeit ist schwierig. Bild: dpa

Der Verband sucht nach Möglichkeiten, sein Projekt gegen die Radikalisierung Jugendlicher weiterzuführen. Die Finanzierung war vom Bundesfamilienministerium eingestellt worden.

          2 Min.

          Wie mühsam es ist, der Radikalisierung muslimischer Jugendlicher vorzubeugen, zeigt sich derzeit in Frankfurt. Zwei der drei vom Bundesfamilienministerium finanzierten Projekte müssen neu aufgestellt werden. Zunächst war das vom Verein Kultur und Bildung getragene Vorhaben von einem internen Streit geprägt. Nun hat das Ministerium, wie berichtet, die Förderung eines ähnlichen Programms des Deutsch-Islamischen Vereinsverbands Rhein-Main (DIV) gestoppt. Nur das bei der Goethe-Universität angesiedelte Projekt ist frei von solchen Querelen.

          Grund dafür, den DIV vorerst nicht zu fördern, sind Zweifel an der politischen Unbedenklichkeit von drei der fünf beteiligten Moscheegemeinden. Insgesamt gehören dem Verband 47 Gemeinden an, die nun alle noch einmal vom Bundesinnenministerium überprüft werden. Der Verband selbst gilt dem Ministerium als unbedenklich.

          Die Prüfverfahren sollen verbessert werden

          Darauf verweist auch Mohammed Khallouk, der Sprecher und stellvertretende Vorsitzende des DIV. Er geht davon aus, dass das Projekt nach Gesprächen mit dem Ministerium fortgeführt wird: „Vielleicht mit neuen Konditionen.“ Welche könnten das sein? Eine wäre für Khallouk, dass der Verband dem Ministerium schriftlich versichert, dass das Fördergeld nicht an die Mitgliedsgemeinden geht. Das Geld werde ausschließlich für das beim Verband angesiedelte Projekt ausgegeben, vor allem für Personalkosten.

          Eine Kondition könnte aber auch sein, die drei in der Kritik stehenden Moscheegemeinden durch andere aus dem Verband zu ersetzen. Darüber hinaus sollen die Prüfverfahren vor der Vergabe von Fördermitteln verbessert werden. Das Familienministerium hatte vor der Vergabe der Förderung an den DIV mehrere Stellungnahmen eingeholt, unter anderem vom Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus, das dem Innenministerium zugeordnet ist.

          Kaderschmiede für Muslimbrüder?

          Präventionsprogramme wie dieses sind eine Gratwanderung. Sollte man nicht auch Moscheegemeinden einbinden, die in der Kritik stehen, gerade weil man so an gefährdete Jugendliche herankommt und Einfluss auf solche Moscheen nehmen kann? Joachim Valentin, Islambeauftragter des Bistums Limburg und Mitglied im Beirat des DIV-Präventionsprojekts, rät dem Familienministerium, „die Spannung zwischen dringend benötigten Projekten wie diesem und kritischen Rückfragen“ an die beteiligten Partner auszuhalten.

          In die öffentliche Diskussion sind im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwei Frankfurter DIV-Organisationen geraten, die mit dem Präventionsprojekt direkt nichts zu tun haben: das Europäische Institut für Humanwissenschaften, ein Lehrbetrieb, und die Moscheegemeinde Islamische Informations- und Serviceleistungen. Ihnen wird eine Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt. Dem hessischen Verfassungsschutz gilt das Institut gar als „Kaderschmiede“ für Funktionäre der Bruderschaft. Khallouk sagt, von staatlicher Seite lägen bisher keine konkreten Anhaltspunkte für einen Ausschluss dieser beiden Mitglieder vor. Valentin sieht beim Europäischen Institut für Humanwissenschaften allerdings eine Grenze erreicht. Er will dem DIV empfehlen, sich von ihm zu trennen.

           

           

          Weitere Themen

          Im dualen System auf dem Weg zur Professur

          Promotionsprogramm : Im dualen System auf dem Weg zur Professur

          Der Frankfurt University of Applied Sciences fehlt es in manchen Fächern an Professoren-Nachwuchs. Ein neues Promotionsprogramm soll das ändern – und Praktiker aus der Berufswelt für die Wissenschaft begeistern.

          Topmeldungen

          Zu Besuch beim Jägerbataillon: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) während eines Besuchs in Letzlingen

          Konflikte um Windkraft : Wie eine Wende die andere blockiert

          Die Ampel will die Windkraft ausbauen – und sie will die Verteidigungsfähigkeit stärken. Das führt zu Konflikten zwischen Bundeswehr und Investoren.

          Tod nach Irans WM-Aus : Erschossen bei Jubel über Niederlage

          Weil er mit anderen das Ausscheiden der iranischen Mannschaft bejubelt, wird Mehran Samak in Iran getötet. WM-Teilnehmer Saeid Ezatolahi nimmt Abschied von seinem „alten Freund“ und früheren Mitspieler.
          Biontech Gründerin Özlem Türeci erhielt zusammen mit ihrem Mann Ugur Sahin im März 2021 das Bundesverdienstkreuz für ihre Forschung an einem Corona-Impfstoff.

          Bundesverdienstkreuze : Steinmeiers Frauenquote mit Damenschleife

          Bundespräsident Steinmeier hat für Bundesverdienstkreuze eine 40-Prozent-Quote für Frauen eingeführt. Doch die ist nur schwer zu erfüllen. Andere Merkwürdigkeiten bleiben ohnehin bestehen.
          So sollte es aussehen: Das geplante „Digitale Medienhaus“ des RBB in Berlin wird nicht gebaut. Die Kosten wären explodiert.

          Kosten bei über 300 Millionen : RBB bläst Luxusbau ab

          Das „Digitale Medienhaus“ war das Prestigeprojekt der fristlos entlassenen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Ihre Nachfolgerin Katrin Vernau bläst den Luxusbau ab. Er hätte mehr als 300 Millionen Euro gekostet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.