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Umstrittener Polizeieinsatz : Der Bodycam-Akku war zu schwach

Kein Strom mehr: Der Akku der Bodycam versagte. Bild: dpa

Das Versagen der Bodycam beim umstrittenen Polizeieinsatz im Frankfurter Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen hat wohl rein technische Gründe. Die Mängel bei den Akkus waren zuvor bekannt. Ein vorsätzliches Ausschalten der Kamera scheint ausgeschlossen.

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          Im Fall des umstrittenen Polizeieinsatzes in Alt-Sachsenhausen deutet sich an, dass die Bodycam, die in jener Nacht im Einsatz war, tatsächlich aus technischen Gründen nicht aufgezeichnet hat. Wie ein Sprecher des hessischen Innenministeriums am Freitag sagte, wird der Vorgang derzeit intensiv aufgearbeitet. Dabei spiele auch die Frage eine Rolle, wann und wie lange die Kamera an dem Abend schon eingesetzt war. Wie die technische Auswertung ergeben hat, wurde die Kamera um 19.27 Uhr auf dem Revier aus der Docking Station genommen. Anschließend befestigte der betreffende Beamte die Minikamera an seiner Uniform. Zu diesem Zeitpunkt war das Gerät zu 100 Prozent geladen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um 22 Uhr begann schließlich laut Einsatzbericht der Dienst in Alt-Sachsenhausen. Die Beamten der „Besonderen Aufbauorganisation“ hatten den Auftrag, zu gewährleisten, dass es dort zu keinen Auseinandersetzungen zwischen feiernden Personen kommt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Kamera die ganze Zeit im Stand-by-Modus, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt erläuterte. Allerdings sei darin integriert ein automatischer Pre-Modus, der immer 30 Sekunden aufzeichne „für den Fall, dass sich eine Lage entwickelt und die Kamera aktiviert wird“. Die Funktion ermögliche später, die Zeit kurz vor dem polizeilichen Einschreiten mit zu erfassen.

          Pre-Recording und Infrarot

          Dieses „Pre-Recording“, so der Sprecher weiter, belaste den Akku enorm. Bei Einsätzen am Tag sei das kein Problem. Nachts schalte sich jedoch ein Infrarotmodus hinzu. Dieser verbrauche noch einmal etwa 30 Prozent Akkukapazität, so dass sich die allgemeine Einsatzdauer des Geräts auf etwa sechs bis sieben Stunden verringere.

          Um vier Uhr morgens habe die Kamera schließlich angezeigt, dass der Akku fast leer sei. Um Viertel nach vier am Morgen habe sich die Kamera dann ausgeschaltet. Die technische Auswertung habe ergeben, dass sie um 6.11 Uhr wieder in die Docking Station gesteckt wurde. Der zu diesem Zeitpunkt erfasste Akkustand lag bei ein Prozent.

          Wie der Sprecher weiter sagte, versuche man nun, über den Hersteller das Geräts noch weiter auszulesen, um herauszufinden, wann welcher Akkustand nachgewiesen werden kann. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass der Beamte, der die Kamera trug, oder einer seiner Kollegen die Kamera bewusst ausgeschaltet habe. Das habe auch die Auswertung des Servers ergeben, auf dem sämtliches Bildmaterial, sofern es welches gegeben hätte, gespeichert worden wäre.

          Aus Polizeikreisen ist unterdessen zu hören, man habe mehrfach schon darauf hingewiesen, dass die technische Ausstattung insbesondere mit Bodycams, an die auch ein Ersatzakku angeschlossen werden könne, verbessert werden müsse. Dass nun dieser Missstand ausgerechnet in einem so heiklen Verfahren dazu führe, dass die Frage nach eigenem Bildmaterial in Zweifel gezogen würde, sei „doppelt ärgerlich“.

          Um die Vorfälle zwischen 5 und 6 Uhr am Sonntagmorgen in Alt-Sachsenhausen/Dreieichstraße aufzuklären, bittet die Polizei die Öffentlichkeit um Mithilfe. Zeugen können sich sich unter der Rufnummer 069-75564444 zu melden oder Hinweise unter der E-Mail-Adresse ag-drei.ppffm@polizei.hessen.de zu geben. Unter dem Link https://polizei-hinweise.de/alt-sachsenhausen können Bild- und Videoaufnahmen hochgeladen werden.

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