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Frankfurter Theater-Anlage : Vom Aussterben bedroht

Ständiges Streitthema: Politiker diskutieren gern über die Zukunft der Städtischen Bühnen. Bild: dpa

Denkmalschützer fordern den Erhalt der Theater-Doppelanlage am Frankfurter Willy-Brandt-Platz. Sie haben das Gebäude nun auf eine „Rote Liste“ gesetzt und dem Magistrat einen Brief geschrieben.

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          Wer vom Aussterben bedroht ist, landet auf einer „Roten Liste“. Das ist bei Tieren und Pflanzen so, und in der Architektur nicht anders. Denkmalpfleger haben nun die Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz mit ihrem prägenden Glasfoyer auf die „Rote Liste“ architektonisch und geschichtlich bedeutender Bauten gesetzt, deren Erhalt gefährdet ist. Sie haben einen offenen Brief an den Magistrat verfasst, der unter anderem von Vertretern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Icomos und dem Verband Deutscher Kunsthistoriker unterzeichnet wurde.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Darin wird die Stadt aufgefordert, sich öffentlich zur Unterschutzstellung des Theaterfoyers und zum Erhalt der geschützten Bausubstanz als Grundlage weiterer Sanierungs- und Umbauplanungen zu bekennen. Der Sanierungs-und Erneuerungsbedarf betreffe überwiegend den nicht denkmalgeschützten, hinteren Teil der Anlage. „Leider fehlt in der Frankfurter Debatte bisher das Verständnis und die Phantasie für die Möglichkeiten, die ein Weiterbauen mit dem Bestand ermöglicht.“

          Als Baudenkmal anerkannt

          In Frankfurt wird lebhaft über die Zukunft der Städtischen Bühnen diskutiert. Aus wirtschaftlichen Gründen favorisiert die schwarz-rot-grüne Koalition einen Neubau der Bühnen. Wo diese entstehen sollen, ist aber ungewiss. Eine Sanierung wurde mit Blick auf die hohen Kosten verworfen.

          Die Denkmalpfleger betonen jedoch, dass das Foyer als Baudenkmal anerkannt sei. Würde die Doppelanlage wie geplant abgerissen und durch Neubauten ersetzt, drohe der Verlust eines herausragenden Zeugnisses der Theater- und Stadtgeschichte, das wie kein zweites Gebäude für den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aufbruch der Nachkriegszeit stehe. Die Unterzeichner betonen, dass es sich bei der Unterschutzstellung des Foyers nicht um eine „unverbindliche Empfehlung“ des Landesdenkmalamtes handele. Mit der gutachterlichen Feststellung des Denkmalwerts gehe die rechtliche Unterschutzstellung einher. Eine Eintragung in das Denkmalverzeichnis sei gemäß hessischem Denkmalschutzgesetz nicht notwendig, um den Schutzstatus zu erhalten – gleichwohl sei sie wünschenswert, um Klarheit zu erhalten.

          Anders als Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) suggeriere, gehe es nicht um einen „ideellen Denkmalwert“, den man auf ein neues Gebäude übertragen könne, indem dort der „Gedanke der Transparenz“ nachgeahmt würde, sondern um den Schutz der Bausubstanz. Das Foyer sei Teil eines historisch vielschichtigen Gebäudekomplexes, der in Etappen seit dem 19. Jahrhundert entwickelt worden sei. „So wenig das Foyer auf ein beliebig aktualisierbares oder übertragbares Bild des Gedankens der Transparenz zu reduzieren ist, so wenig ist es als isoliertes Bauwerk zu betrachten und zu bewerten.“

          Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die in der Theaterdoppelanlage umfangreich erhaltenen Teile des 1899-1902 nach Plänen von Heinrich Seeling errichteten, anspruchsvoll gestalteten Schauspielhauses bei der Debatte über den Denkmalschutz bisher ebenso wenig berücksichtigt worden seien wie die ab 1949 errichtete Drehbühne der Oper, damals die größte ihrer Art in Europa. „Auch diese Bauteile hat das Gutachten hinsichtlich ihres Denkmalwerts gewürdigt“, schreiben die Verfasser des Offenen Briefes.

          Die Stadt Frankfurt bemühe sich mit Recht, die Siedlungen des Neuen Frankfurt unter Welterbe-Schutz zu stellen. Es sei  jedoch nicht einsichtig, dass die Stadt einerseits für ihre Siedlungen einen Welterbestatus beantrage, andererseits aber wichtige Baudenkmäler der Moderne opfere. „Ein Erbe von Weltrang zu besitzen ist das eine, sich als Hüterin dieses Erbes als würdig zu erweisen ist das andere.“

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