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Denkmal : Schiller soll zurück an die Hauptwache

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Überblick: Seit 1955 steht das Schillerdenkmal in der Taunusanlage. Nun fordern Politiker den Umzug an den ursprünglichen Standort. Bild: Lucas Wahl

Parteiübergreifend sprechen sich Politiker für den Umzug des Schiller-Denkmals an seinen ursprünglichen Standort aus. Zuerst aber soll der Platz selbst neu gestaltet werden.

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          Seit vier Wochen steht Friedrich Schiller wieder an der Hauptwache. Auf dem Platz also, der von 1864 bis 1935 auch Schillerplatz hieß. Die Gipsbüste, die auf einem vier Meter hohen, grauen Sockel tront, ist eine Hommage an das Original, das seit 1955 in der Taunusanlage steht. Ende Oktober hatten rund 1300 Schüler der Schillerschule ihr selbstgemachtes Denkmal vom Pausenplatz der Schule in Sachsenhausen bis an die Hauptwache begleitet.

          Alexander Antonow, Vorsitzender des Fördervereins Schöneres Frankfurt und Initiator der Feierlichkeiten, versprach sich von der Aktion eine breitere Unterstützung seiner stadtgestalterischen Absichten: die Umgestaltung des Platzes an der Hauptwache und die Rückkehr des Schiller-Denkmals an seinen ursprünglichen Standort, von dem es 1938 weichen musste.

          Die Botschaft ist längst angekommen

          Am Mittwoch hätte der Dichter abermals den Platz verlassen müssen. Doch Terminprobleme verzögern den Abbau. „Die Organisation von Kran und Maschinen für den Abtransport ist aufwendig“, sagt Antonow. Die Büste bleibe daher noch bis nächste Woche vor Ort und mache weiterhin Werbung für ihr Vorbild.

          Das wäre gar nicht nötig. Denn die Botschaft ist längst bei den Politikern angekommen. „Wir wollen das Schillerdenkmal wieder an seinem ursprünglichen Platz sehen“, sagt etwa der Stadtverordnete Jochem Heumann von der CDU. Am vergangenen Montag habe der Arbeitskreis Planung der CDU-Fraktion das Thema beraten. Der Entschluss sei einstimmig gewesen: Komme die Umgestaltung der Hauptwache zustande, dann solle die Statue dort wieder einen wichtigen Platz einnehmen.

          Bedingung ist die Umgestaltung des „Lochs“

          Die gleiche Meinung vertritt die FDP. Schon vor zwei Monaten hatte die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung in einem Antrag gefordert: „Schilller soll zurück an die Hauptwache.“ Im Rahmen der Neugestaltung sei auch die Verlagerung des Denkmals einzuplanen und „entsprechend zu berücksichtigen. Dazu soll sich der Magistrat klar bekennen.“ Bisher fehlten solche Aussagen in den Planungen.

          „Auch unsere Fraktion wird geschlossen dafür stimmen, dass die Statue wieder an ihren alten Platz zurückkehrt, wenn eine Abstimmung ansteht“, sagt Wolfgang Hübner, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Frankfurt. Bedingung sei aber nach wie vor die Umgestaltung des Platzes. „Das Loch an der Hauptwache sieht einfach hässlich aus. Da würde es keinen Sinn machen, Schiller jetzt schon wieder hinzustellen.“

          „Es gibt dringendere Projekte bei Straßen und Plätzen“

          Klaus Oesterling, Fraktionsgeschäftsführer der SPD Frankfurt, spricht von „breiter Sympathie für den Vorschlag“ in den eigenen Reihen. Er warnt aber vor Finanzierungsproblemen. „Es gibt dringendere Projekte bei Straßen und Plätzen“. So, wie sich die Lage entwickele, sei mit fünf bis zehn statt mit drei Jahren zu rechnen, bis das Bauvorhaben an der Hauptwache realisiert sei. „Dann passt aber auch Schiller wieder hin.“

          Ähnlich äußerten sich die Grünen. „Der Schiller wird so oder so zurückkehren“, sagt etwa Olaf Cunitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen. „Momentan aber gibt es wichtigere Themen auf unserer Traktandenliste.“

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