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Musikmesse 2018 : Den Musikus in sich entdecken

Einsatz: Früh übt sich, wer mit Spaß ein Instrument beherrschen will - hier Kinder auf der Musikmesse 2013 Bild: Helmut Fricke

Frankfurt wird zur Bühne: Im April lockt die Musikmesse mit vielen Angeboten und einem begleitenden Konzertfestival.

          Suchte die Frankfurter Musikmesse eine eigene Hymne, könnte sie gleich in der Rhein-Main-Region fündig werden. Die Rodgau Monotones haben seit fast vier Jahrzehnten das passende Lied parat: „Macht doch einfach selber mal Musik!“ Wer diesen Vorschlag beherzigt, findet vom 11. bis zum 14. April in den Frankfurter Messehallen unzählige Möglichkeiten, den Musikus in sich zu befriedigen oder vielleicht sogar erst zu entdecken. Ähnliches Vergnügen wie das Musizieren bereitet aber auch das Zuhören, vorausgesetzt natürlich, es wird nicht gerade Katzenmusik geboten.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum mittlerweile dritten Mal wird ein Festival die Musikmesse begleiten. Mit diesem Programm ist es den Veranstaltern gelungen, die Musikmesse in die Stadt zu tragen. In diesem Jahr sind mehr als 60 Konzerte in gut 30 verschiedenen Spielstätten geplant. Gewohnt vielfältig sollen dabei unterschiedlichste Stile präsentiert werden, von Klassik bis Punk, von Jazz bis Pop und von Rock bis Electro. Auch das Messegelände selbst wird während des Festivals zum Konzertort. So sollen neue Formate wie die „Piano Stage“ die Besucher locken. In diesem Jahr wird erstmals die „Festival Arena“ aufgebaut, ein Zelt, in dem 1500 Besucher Platz finden.

          Einziges Deutschland-Konzert

          Dort wird der kanadische Sänger Gino Vannelli („Wild Horses“) am 11. April sein einziges Deutschland-Konzert geben. Am Tag darauf, am 12. April, werden Mitglieder der vor allem mit Videoclips bekannt gewordenen Gruppe „Rockin’ 1000“, der (zahlenmäßig) größten Rockband der Welt, eine Jam Night im Zelt veranstalten. Erfolgreich auf Youtube tummeln sich auch Constantino Carrara, Jannik Brunke und Luca Stricagnoli, die gemeinsam mit Michael Schulte am 13. April im Zelt die „100 Million Clicks Night“ bestreiten.

          Einige der bekanntesten Namen unter den übrigen Festivalteilnehmern haben sich ihre Meriten schon lange vor Youtube oder Streaming erworben. Zu ihnen gehören die wandelnde Hitschmiede Albert Hammond, der am 12. April in der Alten Oper spielt, die R’n’B-Band En Vogue, die am 13. April im Club Gibson zu hören ist und erst recht Pop-Chanteuse Dionne Warwick, die am 14. April zum Abschluss des Festivals im Congress Center Messe Frankfurt ihren einzigen Auftritt in Deutschland hat.

          Frankfurter Musikpreis an Jazzmusiker

          Auftakt des Festivals ist bereits am 9. April mit dem Finale des Internationalen Deutschen Pianistenpreises in der Alten Oper. Es ist nicht der einzige bedeutende Preis, der während der Messe verliehen wird. Der Frankfurter Musikpreis geht in diesem Jahr an das Bundesjazzorchester, Kaderschmiede der deutschen Jazz-Szene. Es versteht sich daher eigentlich von selbst, dass ein Ehemaliger am 13. April bei der Preisverleihung in der Paulskirche die Laudatio halten wird: Till Brönner, Star-Trompeter und von 1988 bis 1991 selbst Mitglied des Orchesters.

          Mit dem Bundesjazzorchester wird ein Ensemble ausgezeichnet, das als Bindeglied zwischen musikalischer Ausbildung und Beruf gilt und damit auch exemplarisch für Perspektiven beim Musikmachen steht, zu dem die Messe ja animieren möchte. Die kann sich im Vergleich zur Musikmesse im vergangenen Jahr schon einen wichtigen Erfolg zugutehalten. Unter den Gitarrenbauern auf der Schau meldet sich nämlich der Branchenriese Fender zurück – zumindest ein bisschen.

          Die Amerikaner werden sogenannte Vintage-Modelle präsentieren. Es handele sich um Höhepunkte der 1987 gegründeten Sparte „Fender Custom Shop“ für exklusive Einzelstücke. Fender ist einer der Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand „The World of Vintage Guitar“, wie die Messe Frankfurt mitteilt. Auch die namhafte Marke Martin hat sich angemeldet; unter anderen Ed Sheeran und Colbie Caillat spielen Martin-Gitarren. Nicht vertreten ist Gibson Guitars. Den Amerikanern werden wirtschaftliche Sorgen nach Übernahmen nachgesagt. Nicht einmal eine Leitmesse in den Vereinigten Staaten hätten sie bestückt.

          Flöten nach jahrhundertealtem Vorbild

          Für die Gießener Manufaktur Lakewood ist es keine Frage, abermals auf der Musikmesse präsent zu sein. Dieser Hersteller hochwertiger akustischer Gitarren ist Stammgast der Schau. „Analog hat eben immer noch seine Reize“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Martin Seeliger. Die Frankfurter Musikmesse sei die einzige große Musikmesse in Europa, auf der ein Hersteller Großhändler, Einzelhändler und Musiker treffen könne. „Auch nach 32 Jahren Teilnahme ist es für uns immer noch eine unverzichtbare Veranstaltung“, hebt Seeliger hervor. Lakewood präsentiert eine Innovation: den Gitarren-Designer, ein 3D-Programm, bei dem man unterschiedliche Hölzer, Griffbrette, Mechaniken und Designs ausprobieren kann. Hinzu kommen acht Customshop-Modelle, die der Mittelständler nur in diesem Jahr baut.

          Etwas Neues hat auch Mollenhauer aus Fulda im Gepäck, allerdings Instrumente mit ausgeprägtem historischen Bezug. Der Flötenhersteller wartet mit einem überarbeiteten neunteiligen Blockflöten-Set auf, wie es heißt. Die Flöten habe Mollenhauer nach Entwürfen des Nürnberger Drechslers und Holzblasinstrumentenmachers Hieronymus Kynseker gefertigt. Kynseker lebte im 17. Jahrhundert. Ein Satz von Blockflöten aus seiner Werkstatt findet sich im Nürnberger Nationalmuseum. An sie wollen die Hessen nun anknüpfen. „Die damit mögliche authentische Wiedergabe der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts erfreut sich auch bei Liebhabern der Blockflöte in Asien zunehmender Beliebtheit“, heißt es in Fulda. Deshalb wachse die Nachfrage in China und Taiwan, Japan und Korea. In Europa stagniere der Absatz dagegen.

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