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Deckel für die Autobahn : Versöhnung mit der A661

Autobahn A661: Diese Lärmquelle könnte bald unter einem „Deckel“ verschwinden. Bild: Cornelia Sick

Der Tunnel, in den die Autobahn 661 eingehaust werden soll, soll schon 2028 fertig sein. Die Römer-Koalition freut sich über den Entschluss. Doch das Projekt sei keine städtische Privatsache.

          Es ist ein Tag für etwas Pathos. Denn wann wird schon einmal eine Autobahn eingehaust? Und so liegt Jessica Purkhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, mit ihrem – aus Hamburg abgeschauten – Satz, dies sei „die Versöhnung der Stadt mit der Autobahn“, stimmungsmäßig nicht falsch. Auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) greift oben ins Regal: „Wir schreiben heute Geschichte“, sagt er auf der eilends einberufenen Pressekonferenz, auf der sich die Römer-Koalition für ihre Entscheidung, die Autobahn 661 zwischen Nordend, Seckbach und Bornheim zu überbauen, ein bisschen selbst feiert.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie gestern berichtet, soll die A661 auf einem einen Kilometer langen Teilstück zwischen der Friedberger und der Seckbacher Landstraße überbaut werden, um Platz für Grün- und Wohnflächen zu schaffen. Purkhardt erinnert daran, dass die Idee zu dem Projekt noch auf Josefs Vorgänger Olaf Cunitz (Die Grünen) zurückgeht. Der hatte in seiner Amtszeit immerhin die Pläne für das Ernst-May-Viertel vorangetrieben, als dessen Kernstück die Einhausung der Autobahn gilt. Vollenden darf sie nun ein anderer. Josef freut sich nach eigenen Worten darauf, den sechzehnten Geburtstag seines Sohnes beim Picknick auf dem Deckel der Autobahn zu feiern. Falls der Filius dann noch Lust hat, den Vater dabeizuhaben. Josef will mit seiner Anekdote deutlich machen, dass es sich bei dem Vorhaben um ein „generationenübergreifendes Projekt“ handelt.

          Der Zeitplan ist ambitioniert. Die Stadt will in einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Land beschließen, den Ausbau der A 661 mit der Einhausung zu verbinden. Im März will das Dezernat mit Hessen Mobil erste Gespräche führen. In einem ersten Schritt sollen eine Entwurfsplanung und eine Kosten- und Finanzierungsübersicht erarbeitet werden. Auf dieser Grundlage will der Magistrat Verhandlungen mit Bund und Land über eine Kostenbeteiligung führen. Schon im ersten Quartal 2020 will Josef das Planfeststellungsverfahren beantragen, 2022 könnte dann der Bau beginnen und 2028 fertig sein.

          „Wir gewinnen ein verlärmtes Terrain zurück“

          Die Stadt schlägt ein hohes Tempo an, um Kosten zu sparen. „Je früher wir anfangen zu bauen, desto günstiger wird die Einhausung“, sagt Josef. Die Stadt hofft, durch die gemeinsame Baustelleneinrichtung mit Hessen Mobil Kosten sparen zu können. Durch diese Synergieeffekte könnten die Kosten um zwanzig Prozent sinken. Laut einer Kalkulation aus dem Jahr 2014 kostet der Tunnel rund 150 Millionen Euro, im schlimmsten Fall – wenn der Bau erst nach 2030 begänne und Synergien entfielen – könnten es 350 Millionen werden.

          Die Stadt sieht daher Eile geboten und hofft, dass sich Land und Bund an der Finanzierung beteiligen. „Wir müssen zusehen, die Kosten aufzuteilen“, sagt Josef. Purkhardt hält das viele Geld trotzdem für gut angelegt, denn es komme vielen Generationen zugute und heile eine Wunde in der Stadt. Nils Kößler (CDU) sieht große Chancen zur „Stadtreparatur“. Auch Ursula Busch, die SPD-Fraktionsvorsitzende, ist in gehobener Stimmung. „Es wird die Einhausung geben“, sagt sie. Die Stadt schaffe viel für die Wohnqualität und das Stadtklima, denn immerhin entfielen so zehn Meter hohe „Monsterwände“, die den Stadtteil vom Lärm der Autobahn hätten abschirmen müssen. „Wir gewinnen ein verlärmtes Terrain zurück.“ Busch erwartet ebenfalls eine angemessene Beteiligung von Land und Bund, denn der Tunnel sei nicht „die Privatsache“ der Stadt.

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