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Trinkwasser : Bewusstsein für Lebensmittel Nr. 1 schaffen

Der Trinkwasserbedarf in Rhein-Main ist groß. (Symbolbild) Bild: dpa

Das Rhein-Main-Gebiet muss sich vor dem Hintergrund des Klimawandels dringend mit dem Thema Trinkwasserversorgung beschäftigen. Das gilt auch für Verbraucher.

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          Passender hätte die Meldung kaum kommen können: Am vergangenen Freitag, als ganz Hessen nur noch schwitzte, weil die Temperaturen immer weiter über die 30-Grad-Marke kletterten, wurde der erste Spitzenwert beim Trinkwasserverbrauch in der Rhein-Main-Region in diesem Jahr erreicht. Im vergangenen Jahr lag er an einem Tag Ende Juni sogar noch ein wenig darüber.

          Für den kommunalen Trinkwasserversorger Hessenwasser ist die Rekordzahl Anlass, um auf die Bedeutung von „Trinkwasser als Lebensmittel Nr. 1“ hinzuweisen. „Wir wollen noch einmal für einen sparsamen Umgang mit der wichtigsten Ressource sensibilisieren“, mahnt Hessenwasser. Trinkwasser etwa für die Bewässerung von Rasen zu verwenden, das müsse in heißen und trockenen Wochen nicht sein.

          Dass es noch mehr dieser Perioden in diesen Sommermonaten und in denen der folgenden Jahre geben wird, daran lassen Experten mit Blick auf den Klimawandel keinen Zweifel. Das Rhein-Main-Gebiet, dessen Durst weiter steigt, muss sich vor diesem Hintergrund dringend mit dem Thema Trinkwasserversorgung beschäftigen.

          Herausforderung für den Ballungsraum

          Hinzu kommt, dass die Region nach Corona mit großer Wahrscheinlichkeit an Bevölkerung wieder wachsen wird. Selbst wenn künftig mehr Beschäftigte im Homeoffice arbeiten werden als bisher, werden sie kaum auf Dauer mehrere hundert Kilometer entfernt von ihrem Arbeitsplatz leben können. Und der Trend zum Swimmingpool im Garten wird sich vermutlich angesichts steigender Temperaturen nicht abschwächen, ebenso wenig wie der Wunsch von Garten- und Balkonliebhabern, auf stets frisches Grün zu schauen.

          Es ist daher richtig, dass Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig auf den Zusammenhang zwischen dem Trinkwasserverbrauch der Stadt und dem Grundwasserstand im Stadtwald, aus dem ein Viertel des Frankfurter Wasserbedarfs gedeckt wird, hinweist. Zwar wird der Versorger Hessenwasser langfristig mehr Wasser dem Main entnehmen, moderner aufbereiten und im Stadtwald infiltrieren müssen, um den Bedarf der Großstadt ebenso zu sichern wie das Grundwasser im Stadtwald.

          Aber neben diesen Investitionen müssen Stadt und Region und eben auch die Verbraucher noch viel mehr darüber nachdenken, woher das, was zuverlässig und sauber aus dem Hahn kommen soll, stammt und wofür sie es verwenden wollen. Der Klimawandel fordert den Ballungsraum unnachgiebig heraus, über Selbstverständlichkeiten wie frisches Trinkwasser nachzudenken.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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