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Frankfurter Lebensart : Hauptstadt von Freundschland

Bitte recht freundlich: Gut gelaunte Passanten tummeln sich in Alt-Sachsenhausen. Bild: Lukas Kreibig

Frankfurt ist für vieles bekannt: Banken, Hochhäuser, die Erfolge der Eintracht. Doch die Mainmetropole kann mit noch mehr dienen – nämlich ausgesprochener Freundlichkeit.

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          Lassen Sie uns mit einer Anekdote beginnen, die auch nach Jahren noch in der Redaktion umhergeistert. Ein Kollege ist damals zur Bäckerei nebenan gegangen und hat ein Stück Pflaumenkuchen verlangt. Die Antwort: „Hawwe mer net.“ Woraufhin der Kollege in aller gebotenen Demut auf den Pflaumenkuchen zeigte, der offen in der Theke lag. Darauf der Bäcker: „Des? Des is Quetschekuche.“

          So kennen wir sie, die Frankfurter. Mögen so manche Qualität haben, aber Freundlichkeit gehört nicht dazu. Und das ist auch absolut okay: In einer Großstadt geht es eben nicht zu wie bei den Mädels vom Immenhof. Um so erstaunter waren wir, als wir neulich Post von Casumo bekamen. Von wem bitte? Nun ja, das ist so ein Online-Casino, das nebenher hochwissenschaftliche Studien anstellen lässt. Jetzt zum Beispiel wurden 2000 Deutsche gefragt, wie freundlich die Stadt ist, in der sie leben. Kaum zu glauben: Auf der „Freundschland-Karte“ ist Frankfurt mit 8,2 von 10 Punkten Spitzenreiter. Abgeschlagen dahinter München, am Tabellenende rangiert der Ruhrpott mit Dortmund und Essen.

          Krankfurt?

          Davon abgesehen, dass so eine Hackordnung auch einmal in der Bundesliga wünschenswert wäre, fragen wir uns ernsthaft, wie unsere jahrzehntelange Alltags-Evidenz dermaßen trügen konnte. Es geht noch weiter. Frankfurt ist angeblich nicht nur die freundlichste, sondern auch die glücklichste Stadt Deutschlands. 7,9 Punkte! Stuttgart auf Platz zwei liegt einen ganzen Punkt dahinter, Schlusslicht Dortmund kommt gerade einmal auf 3,6 Punkte.

          Waren wir nicht eben noch die freudlose Stadt der Arbeit, die kalte Bankenmetropole, Krankfurt? Die Hauptstadt des Verbrechens? Gotham City am Mainufer? Pustekuchen. Doch so ganz ohne Widerspruch wollen wir das nicht hinnehmen. Eine naheliegende Erklärung ist, dass sich das Befragungsinstitut versehentlich nicht in Frankfurt (Vorwahl 069), sondern im Saarland (Vorwahl 068) nach dem Befinden erkundigt hat. Ist ja bekannt, dass die Saarländer ein freundliches Völkchen sind, solange man ihnen den Schwenkgrill lässt.

          Wir aber machen heute Abend die Probe aufs Exempel. Wir gehen in unsere Ebbelwei-Kneipe und bestellen einen Gespritzten – mit Limo. Und wenn uns der Kellner dann anbrüllt und hochkant hinauswirft, dann wissen wir, dass wir uns in unserer geliebten Heimatstadt doch nicht getäuscht haben.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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