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Frankfurter Westhafen : Eine neue Heimat für die neue Mitte

Das originellste Bauwerk

Erfreulich ist das Entree zum Quartier an der Friedensbrücke. Schneider + Schumacher haben in den Fassaden des Ensembles von Westhafen-Haus, Brückenhaus und Westhafen-Tower das Thema des Dreiecks sehr raffiniert variiert. Etwas unbefriedigend ist allerdings die Verteilung der Häuser geraten, ein Platz ist in ihrer Mitte nicht entstanden, eher ein Durchgangsort. Über den Turm mit seinen Rauten aus grünem Glas, als „Geripptes“ populär geworden, gehen die Meinungen auseinander.

Die Zylinderform kritisiert der eine als zu schlicht, der andere preist sie als abstrakt. Nachts, wenn das oberste Geschoss von innen beleuchtet ist, ruht der Streit, dann trägt der Turm eine schöne Krone aus Licht. Von Schneider + Schumacher stammt auch das Gebäude „Westhafen-Pier“, das das Areal nach Westen hin abschließt. Es ist das originellste Bauwerk, das in den vergangenen 15 Jahren in Frankfurt errichtet wurde: Fünf gespreizte Gebäudefinger mit geschuppter Blechfassade ruhen auf einem zweigeschossigen Parkhaus.

Eine schöne Pointe

Solide sind die Wohnbauten an der Nordseite des Hafenbeckens geraten. Das gilt zumindest für die Schauseite am Wasser, die Fronten an der Speicherstraße präsentieren sich abweisend. Das liegt auch an der beachtlichen Höhe der immerhin neungeschossigen Häuser. Diese hohe Ausnutzung wiederum ist auf die nicht eben günstigen Grundstückspreise zurückzuführen, die sich auch in den hohen Mieten niederschlagen. Monatlich sind je Quadratmeter kaum weniger als 13 Euro kalt zu zahlen. Deswegen habe er zwischenzeitlich durchaus Bauchschmerzen gehabt, bekennt Stefan Majer, planungspolitischer Sprecher der Grünen und Westhafen-Aufsichtsratsmitglied seit der ersten Stunde. Doch andernfalls wäre der Stadt nur die Möglichkeit geblieben, den Wohnungsbau zu subventionieren.

Es ist nicht nur für Majer eine schöne Pointe, dass ausgerechnet jener Bau, der für Mieter mit niedrigeren Einkommen reserviert ist, besonders gut gelang. Stefan Forster hat einen Klinkerbau im Stil von Eric Mendelsohn entworfen. In seinem Erdgeschoss befindet sich auch der Supermarkt, der die Nahversorgung des neuen Quartiers sicherstellt.

Auch sonst hat sich die Infrastruktur schon gut entwickelt. Im Brückenhaus und im Westhafen-Pier haben sich Restaurants angesiedelt, seit einigen Wochen gibt es die Bar „Marys“ auf einem Ponton im Hafenbecken. Eine Kindertagesstätte soll folgen, zum Bau einer Grundschule wird es dagegen nicht kommen, weil das Land seine Anforderungen an die Mindestgröße angehoben hat.

Besonderes Engagement

Ein Großprojekt wie der Westhafen wäre nicht denkbar, gäbe es nicht Menschen, die sich besonders dafür engagierten. Majer war gewissermaßen im diplomatischen Dienst tätig, als Mittler zu den Anwohnern im Gutleutviertel. Projektentwickler Michael Baum übernahm beispielsweise die schwierigen Verhandlungen mit den im Westhafen ansässigen Teppichhändlern, die zum Umzug bewogen werden mussten, ohne dass die Ausgleichszahlungen in astronomische Höhen schießen durften. Baums architektonisches Gespür hat einige der besten Projekte ermöglicht.

Vor allem aber ist Heinz-Günter Lang zu nennen, der Geschäftsführer der Projektgesellschaft. Er sorgte in Krisenzeiten für Kontinuität in finanzieller und fachlicher Hinsicht. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr wird er, nach dem Verkauf des letzten Grundstücks, die Projektentwicklungsgesellschaft liquidieren können. Nach nur acht Jahren Bauzeit – das ist rekordverdächtig.

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