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Zeitverlust bei Noteinsätzen : Ein Atemzug mehr oder weniger

Kritisiert das Leitungswirwarr in Frankfurt: Grünen-Politiker Helmut Seuffert.

Bei der Frankfurter Berufsfeuerwehr räumt man indes ein, dass der Vorwahlwirrwarr am Stadtrand nicht optimal sei. In den Leitstellen werden Rettungsdienste, Feuerwehr und Katastrophenschutz gemeinsam disponiert. Wenn ein Notruf eingehe, dann setze ein standardisiertes Verfahren ein, sagt der Sprecher der Feuerwehr, Andreas Mohn. Zunächst würden Angaben zur Person, zum Grund des Notrufs und zum Aufenthaltsort erfasst. Dieses Verfahren gelte natürlich auch für die Leitstelle Friedberg. Wenn sich dort herausstelle, dass ein Hilferuf aus Harheim oder Nieder-Erlenbach eingehe, werde der Anrufer von Friedberg an die Leitstelle Frankfurt umgeleitet, so Mohn. Ein Zeitverlust sei unvermeidbar.

Weitere acht Kommunen betroffen

In Friedberg wird das Vorgehen bestätigt. In der Leitstelle heißt es aber, dass allenfalls Sekunden, keinesfalls Minuten vergingen, bis ein kreisfremder Notruf an die richtige Leitstelle weitergegeben und die Rettungskette in Gang gesetzt sei. Moritz Kühn, der Sprecher der Kreisverwaltung Friedberg, die für die örtliche Leitstelle zuständig ist, weist darauf hin, dass das Verfahren kein Einzelfall sei. Vielmehr seien weitere acht Kommunen betroffen, die im Hochtaunuskreis, Vogelsbergkreis, Landkreis Gießen und Main-Kinzig-Kreis gelegen, aber an die Leitstelle Friedberg im Wetteraukreis angeschlossen seien. Das Weiterleiten von Notrufen sei quasi alltäglich.

Das Verfahren möge gängige Praxis sein, sei aber nicht optimal, heißt es bei der Frankfurter Berufsfeuerwehr. Womöglich müssten nach der Weiterleitung der Notrufe Informationen zum zweiten Mal abgefragt werden, um entscheiden zu können, welche Rettungskräfte und Fahrzeuge in Bewegung gesetzt würden, sagt Mohn. Natürlich gebe es Ausnahmen von der Regel: Wenn deutlich werde, dass einem Anrufer mit Erste-Hilfe-Anweisungen über Telefon geholfen werden könne, dann geschehe das natürlich ohne vorherige Weitervermittlung an eine andere Leitstelle.

Internettelefonie als Lösung?

Sonderfälle seien auch Notrufe, die über das Mobiltelefon abgesetzt würden. Der Anruf werde dann an die Leitstelle gelenkt, in deren Gebiet die Funkzelle liege, in der das Handy zu diesem Zeitpunkt registriert sei. So könne es vorkommen, dass etwa der Hinweis auf einen Notfall am Rand von Neu-Isenburg in der nicht zuständigen Leitstelle Frankfurt lande, weil das Handy im Grenzraum der beiden Nachbarstädte in eine Frankfurter Funkzelle eingebucht sei.

Geordnet werden könnte der Leitungswirrwarr womöglich durch Internettelefonie. Bei den Netzbetreibern heißt es, dass mittels der „Voice over IP-Technik“ die Barrieren einer veralteten Vermittlungstechnik überwunden werden könnten. Beim Telefonieren über Rechnernetze, das die herkömmliche Telefontechnik ersetzen könnte, würden Notrufe unmittelbar an die zuständige Einsatzstelle geleitet. Jedoch könnten Anschlussgebiete erst geändert werden, wenn durchgängig eine Infrastruktur mit Internetprotokoll (IP) geschaffen sei. Kommunen sehen hier ein Versäumnis der Netzbetreiber.

Aber auch die Einsatzleitstellen müssen für die IP-Telefonie gerüstet sein. Dies ist wiederum Aufgabe des Landes. Im dafür zuständigen hessischen Innenministerium heißt es, dass derzeit alle hessischen Leitstellen auf die neue IP-Notruf-Technik vorbereitet würden. Das landesweite Programm habe auch den Vorteil, dass die Anschlüsse leistungsfähiger würden und viele gleichzeitig eingehende 112-Anrufe verarbeiten könnten. Nach der vollständigen Umstellung von Festnetzanschlüssen auf IP-Vermittlungsstellen könnten dann die Verwaltungsgrenzen eingehalten, also Notrufe gezielt an die richtigen Leitstellen gelenkt werden.

In Harheim und Nieder-Erlenbach hofft man auf eine derart beschleunigte Notruf-Meldekette. Schließlich kann jede Sekunde früher geleistete Hilfe über Leben oder Tod entscheiden. Im Ministerium heißt es allerdings beruhigend, dass schon heute kein Notruf verlorengehe.

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