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Studie der Uniklinik Frankfurt : Luftfilter im Jet alleine können Infektion nicht verhindern

Sinnvoll: Maske im Flugzeug, hier von einer Eurowings-Stewardess getragen Bild: dpa

Luftfilter im Flugzeug können Coronavirus-Infektionen durchaus reduzieren, aber die Gefahr nicht ganz beseitigen können. Die Maske zu tragen, gilt nach einer Frankfurter Studie auf jeden Fall als sinnvoll.

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          In Flugzeugen kann es trotz der Luftaustausch- und Filtersysteme zu einer Übertragung des neuen Coronavirus kommen, wenn die Passagiere keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung des Frankfurter Universitätsklinikums zur Infektionsgefahr in Verkehrsflugzeugen. Zugleich folgern die Autoren der Studie aus den Resultaten, dass die Filteranlagen in Flugzeugen die Gefahr einer Übertragung reduzieren. Auszuschließen ist eine Ansteckung allerdings nicht – vor allem dann nicht, wenn keine Masken getragen werden.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Genau das war bei dem in der Studie untersuchten Flug der Fall: Die 102 untersuchten Personen waren Anfang März von Tel Aviv in einer gewöhnlichen Passagiermaschine nach Frankfurt geflogen. Damals galten noch keine besonderen Regeln zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus wie etwa eine Maskenpflicht. Ein Teil der Passagiere gehörte zu einer Gruppe, von der bekannt war, dass sie vor Reiseantritt einen Risikokontakt hatte. Nach der Ankunft in Frankfurt wurden die Mitglieder der Reisegruppe getestet. Bei sieben der 24 Gruppenmitglieder fiel der Sars-CoV-2-Test unmittelbar nach dem Flug positiv aus, sie waren also schon infiziert in das Flugzeug eingestiegen.

          Was nicht auszuschließen ist

          Bei zwei Passagieren, die nicht zur Reisegruppe gehörten, wurde später ebenfalls Sars-CoV-2 nachgewiesen. Wegen der zeitlichen Abfolge und weil diese beiden Passagiere in Befragungen angegeben hatten, weder vor dem Flug noch danach riskante Kontakte gehabt zu haben, gehen die Autoren der Studie davon aus, dass sich die beiden im Flugzeug angesteckt haben.

          Es sei zwar nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, dass sich die beiden Infizierten auf dem Flughafen am Gate oder bei anderer Gelegenheit infiziert haben, alle vorliegenden Informationen sprächen aber dafür, dass die Infektion im Flugzeug stattgefunden habe, zumal beide nahe bei den schon zuvor infizierten Personen gesessen hätten, erläutert Sebastian Hoehl, Arzt am Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums und Erstautor der Studie.

          Infektion trotz Filtersystem

          Trotz gewisser Unklarheiten können nach Ansicht der Autoren aus der Studie Schlüsse für die Sicherheit des Fliegens unter den Bedingungen der Corona-Pandemie gezogen werden. So sei es mit großer Wahrscheinlichkeit trotz Belüftungs- und Filtersystem zu einzelnen Übertragungen im betreffenden Flugzeug gekommen. Die Übertragungen seien aber wohl nur im unmittelbaren Umfeld der bereits zuvor infizierten Personen geschehen.

          Die Tatsache, dass sich lediglich zwei Fluggäste angesteckt haben, obwohl sieben Infizierte im Flugzeug waren, werten die Autoren als Indiz dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus durchaus reduzieren – wenn sie auch die Gefahr nicht ganz beseitigen können. In jedem Fall lasse sich aus der Untersuchung ableiten, dass zusätzliche Vorkehrungen im Flugzeug, vor allem das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, „sehr sinnvoll“ seien, heißt es weiter in der Mitteilung des Universitätsklinikums.

          An der Studie war außer dem Universitätsklinikum und der Goethe-Universität das städtische Gesundheitsamt beteiligt.

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