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Fragen zum Lockdown Light : Sperrstunde aufgehoben: Anstoßen mit Selters statt Sekt

Wer kein Bußgeld riskieren will, der trägt im öffentlichen Raum einfach immer eine Maske. Bild: dpa

Frankfurts Wirte dürfen ihre Betriebe am letzten Wochenende vor dem Lockdown Light auch nach 23 Uhr geöffnet lassen. Die Gäste aber müssen in den Abendstunden auf Alkohol verzichten. Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu den neuen Corona-Regeln.

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          Drei Tage, ehe die strikten Regeln zur Eindämmung der Corona-Epidemie in Kraft treten bleibt in Hessen die Zahl der Neuinfektionen auf hohem Niveau. Laut Sozialministerium wurden in Hessen am Freitag 1708 neue Fälle amtlich registriert. Die vielbeachtete Inzidenz, der Anstieg binnen einer Woche bezogen auf 100000 Einwohner, belief sich landesweit auf den alarmierenden Wert von fast 146.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Nach wie vor herrscht Unsicherheit darüber, was, nachdem nahezu alle Freizeit- und Kulturangebote geschlossen werden, in den nächsten Wochen noch erlaubt ist. Nachfolgend Antworten auf einige Fragen, die für viele immer noch nicht geklärt sind.

          Wo bekomme ich sonst etwas zu essen und zu trinken?

          Nur Kantinen und Mensen bleiben vom 2. November an geöffnet, Restaurants, Lokale und müssen wie im Frühjahr die Bewirtung schließen. Allerdings ist es wieder möglich, Essen und Getränke auszuliefern oder über Straßenschalter von den Gästen abholen zu lassen. Bis Sonntagabend übrigens ist die schon seit zwei Wochen geltende Sperrstunde 23 Uhr für ein Lokal in Frankfurt außer Kraft gesetzt. Ein Gastwirt hatte den Eilbeschluss beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof erstritten, die Richter sahen die Frage der Verhältnismäßigkeit nicht ausreichend geprüft. Die Stadt erklärte, man setze die Sperrstunde aus, bis die Landesverordnung in Kraft trete. Das Alkoholverbot von 23 Uhr an bleibt aber bestehen.

          Wie viele Personen darf ich treffen?

          Für Häuser und Wohnungen nennen die Behörden keine Obergrenze, man will nicht zu stark in die Privatsphäre eingreifen. Allerdings müssen alle, die es in den eigenen Wänden krachen lassen wollen, damit rechnen, dass die Polizei kommt, die Fete verbietet und Knöllchen verteilt. Die allgemeine Regel, auf eineinhalb Meter Mindestabstand und Hygiene zu achten, um das Infektionsrisiko zu minimieren, gilt auch zuhause. „Draußen“ darf man sich nur mit den „Angehörigen eines zweiten Hausstandes“, maximal mit neun weiteren Personen treffen. Auch wenn viele weiterhin über den Begriff „Hausstand“ stolpern, hält man daran fest. Denn es geht darum, mit wem man tatsächlich zusammen lebt, nicht um familiäre Bande.

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          Was ist beim Einkauf zu beachten?

          Von Montag an werden sich vermutlich wieder längere Schlangen vor den Läden und Supermärkten bilden. Denn in den Läden dürfen sich nicht mehr als ein Kunde je zehn Quadratmeter Fläche aufhalten.

          Darf man überhaupt noch verreisen?

          Im Prinzip ja, würde Radio Eriwan antworten. Allerdings ist es in Deutschland für die nächsten vier Wochen nicht erwünscht. Durch die Hintertür ist daher wieder ein Beherbergungsverbot eingeführt worden, wenige Tage, nachdem es abgeschafft war. Verschwurbelt heißt es jetzt: „Übernachtungsangebote im Inland werden nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke erteilt“. Wild mit Zelt und Wohnwagen geht also noch, wobei jeweils die lokalen Behörden versuchen werden, auch das zu verhindern. Wen es trotz der in den meisten Staaten erschreckend hohen Infektionszahlen ins Ausland zieht, der muss nach der Rückkehr aus einem „Risikogebiet“ mindestens 14 Tage in Quarantäne, es sei denn, er kann ein negativen Corona-Test vorweisen.

          Wo muss man Maske tragen?

          Im Zweifel überall, könnte man inzwischen fast sagen: In den Geschäften, in Bussen und Bahnen, in öffentlichen Gebäuden, im Gottesdienst, auf „stark frequentierenten Plätzen und Straßen, wenn der Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht sichergestellt werden kann“. Und in ganz Hessen gilt am Steuer von Montag an eine allgemeine Maskenpflicht, sofern sich in dem Wagen Personen aus „mehr als zwei Hausständen“ sitzen. Fahrradfahren, Spaziergehen und Joggen im Wald geht (noch) ohne.

          Wie ist die medizinische Lage?

          Die meisten Krankenhäuser haben wieder ein Besuchstopp verhängt. Und auch in den Alten- und Pflegeheimen werden Kontakteinschränkungen wieder empfohlen. Nicht nur, um die Patienten, sondern auch, um die Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. Der „Lockdown Light“ soll dazu beitragen, das Gesundheitssystem zu entlasten. Und das scheint dringend nötig. Die stationäre Versorgung in Hessen ist in sechs Versorgungsgebiete eingeteilt. Drei davon haben in den vergangenen Tagen gemeldet, an Kapazitätsgrenzen zu stoßen und die zweite Stufe des sogenannten hessischen Eskalationsstufenplans erreicht zu haben.

          Unter anderem haben die Kliniken in diesen Gebieten angegeben, dass 50 Prozent der Gesamtkapazität der sogenannten Level-I-Häuser belegt sind. Level-1-Häuser sind Kliniken, die besonders viele Intensiv- und Beatmungskapazitäten für Covid-19-Patienten vorhalten. Neben dem Versorgungsgebiet 6 (Darmstadt) und dem Versorgungsgebiet 4 (Offenbach-Frankfurt) meldet auch das Versorgungsgebiet 2 (Marburg-Gießen) Probleme. Um Kapazitäten zu schaffen, dürfen Patienten, deren Gesundheitszustand es zulässt, nach Erreichen der zweiten Stufe des Eskalationsplans in Krankenhäuser anderer Versorgungsgebiete verlegt werden. Außerdem wird in dieser Phase überprüft, ob planbare Operationen verschoben werden können. Auch Personal wird nachgeschult, damit die Klinikmitarbeiter zusätzliche Aufgabe bei der Versorgung von schwerstkranken Patienten übernehmen können.

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