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Corona-Lockerungen : Das Muttertags-Geschäft ist gerettet

Wechsel in den Öffnungsmodus: Auch auf der Frankfurter Zeil dürfen nun alle Geschäfte wieder Kunden bedienen. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Einzelhändler in Rhein-Main dürfen ab Samstag wieder öffnen. Für viele Geschäfte kommt die Regelung jedoch zu kurzfristig.

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          Der Beginn eines normalen Geschäftsbetriebs, wenn man in der Corona-Krise überhaupt von normal sprechen kann, ist greifbar nah. Bereits von diesem Samstag an dürfen nach der Marschroute, die die Hessische Landesregierung am Donnerstag vorgegeben hat, auch die großen Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist nicht nur für Tatjana Steinbrenner, Vizepräsidentin des Handelsverbands Hessen und Inhaberin eines Kaufhauses in Bensheim, „eine sehr gute Nachricht“, wie sie sagt. Steinbrenner hatte sich bereits darauf eingestellt, erst am Montag wieder auf allen Etagen verkaufen zu dürfen und nicht auf einer abgetrennten Fläche, so wie das derzeit der Fall ist. Der Samstag vor Muttertag ist laut Steinbrenner ein wichtiger Tag für Besucherzahlen und Umsatz.

          Für viele andere Geschäfte allerdings, die jetzt erst in den Öffnungsmodus zurückwechseln werden, weil sie auf eine Teilöffnung verzichteten, dürfte die Ankündigung zu kurzfristig kommen. So auch für Ikea. Das Möbelhaus wird am Samstag noch nicht dabei sein, wie eine Sprecherin sagt. „Wir bereiten uns auf eine Öffnung im Laufe der nächsten Woche vor.“ Ein genauer Tag stehe noch nicht fest.

          Hobeln, schrauben und hämmern

          Das Unternehmen Segmüller mit seinem 45.000 Quadratmeter großen Einrichtungshaus in Weiterstadt und der Filiale in der Frankfurter Innenstadt wird den Termin dagegen schaffen. „Wir sind vorbereitet“, sagt ein Sprecher „Wir hobeln, schrauben und hämmern bereits im Hintergrund.“ Schutzscheiben, Abstandsmarkierungen, Masken für Mitarbeiter – um diese Vorbereitungen geht es. Und auch darum, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen.

          Noch ein paar Wackelkandidaten gibt es unter den Ankermietern im Frankfurter Einkaufszentrum My Zeil. Als nahezu sicher gilt es laut Center-Manager Markus Schwartz, dass Saturn am Samstag dabei ist, vermutlich auch Ansons’s, die Modekette Bershka dagegen noch nicht. Branchenvertreter gehen davon aus, dass internationale Filialisten wie Apple, TK Maxx oder Primark, die seit dem Shutdown Mitte März komplett geschlossen sind, ebenfalls erst in der nächsten Woche öffnen werden.

          Die Einzelhändler sind froh, dass die uneinheitliche Regelung und das Improvisieren auf begrenzter Fläche bald vorbei ist. „Das ist der absolut wichtige und richtige Weg“, kommentiert Sven Rhode, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen die Entscheidung. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir eine geordnete und sichere Urbanität hinbekommen.“ Die Wochen mit geöffneten Geschäften nach Ostern haben dem Einzelhandel nicht die erhofften Umsätze gebracht. „Man hat es in erster Linie gemacht, um ein Lebenszeichen zu setzen und dem Kunden Service zu bieten“, sagt der Sprecher von Segmüller. „Betriebswirtschaftlich war die Zeit in keiner Weise zufriedenstellend.“ Immerhin konnten die großen Filialisten einen Teil der Umsatzverluste über den Online-Verkauf retten. Ein Drittel und mehr habe man dadurch wieder aufholen können, heißt es bei Ikea.

          Nach Angaben des Handelsverbands Hessen wurden in den Wochen nach Ende der Zwangspause je nach Branche 30 bis 50 Prozent des Umsatzes im Vergleich zu den Wochen im Vorjahr erreicht. Gut lief es vor allem für Geschäfte, die Fahrräder, Sportschuhe und Babyartikel verkaufen. „Es muss jetzt losgehen“, sagt Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Händler. Die Wirtschaft müsse wieder hochgefahren werden. In den Innenstädten fehlten auch die Mitarbeiter der Unternehmen, die jetzt im Homeoffice arbeiteten. Große Erwartungen setzt Stoll an die Lockerungen in der Gastronomie und im Kulturleben. „Man muss es als Gesamtpaket sehen. Die Leute wollen jetzt raus.“

          Eine große Unbekannte bleibt aber nach seiner Einschätzung: Wie sich Arbeitslosigkeit und Kurzarbeitergeld auf den Konsum auswirken werden.

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