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Selbstgenähte Schutzmasken : Eine Textilfabrik im Homeoffice

  • -Aktualisiert am

Kennt keine Resignation: Claudia Schäfer in ihrem Büro. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Durch die Pandemie haben plötzlich viele Zeit – Claudia Schäfers nutzt sie, um Menschen mit Schutzmasken zu versorgen.

          4 Min.

          Es ist viel Betrieb im Treppenhaus vor Claudia Schäfers Büro. In der Tür steht Georgios Karathanasis. Normalerweise bringt der Geschäftsführer des Wäscheverleihs Karadoukas Stoff vorbei, heute aber nimmt er selbst eine Kiste mit. In ihr sind genähte Stoff-Masken für seine Mitarbeiter, die ihm Schäfer zum Dank für die Stoffspenden zur Verfügung stellt. Eigentlich ist Claudia Schäfers Büro im Löwenhof in Bornheim eine kleine Kommunikationsagentur, doch im vergangenen Monat hat sich ihr Arbeitsplatz immer mehr zu einem Logistik- und Packzentrum gewandelt. Von hier aus organisiert die Gründerin der Initiative Cup2gether die Arbeit von etwa 270 Freiwilligen, die im Homeoffice Mund-Nasen-Masken nähen, die anschließend gespendet werden.

          „Als Corona kam, waren wir alle erst einmal in Schockstarre – auch in meinem Büro“, erzählt die Dreiundfünfzigjährige. Doch für Schäfer gibt es so etwas wie Stillstand und Resignation nicht, schnell hat sie „das Schicksal als Chance“ begriffen und sich entschieden, mit der freien Zeit „etwas Sinnvolles“ anzufangen. Also hat Schäfers Kommunikationsagentur „Von wegen“ eine Software entwickelt, mit der die Arbeit geplant wird. Die ersten Bahnen Stoff gab es von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Am ersten April hat Schäfer einen Online-Aufruf gestartet, auf den sich innerhalb kürzester Zeit Dutzende Freiwillige gemeldet haben.

          Die Grundidee ist folgende: Die Maskenproduktion soll trotz Homeoffice möglichst arbeitsteilig und effizient ablaufen. Dazu gibt es ein Programm, das alle Einzelschritte koordiniert. Dort können die Freiwilligen sich registrieren und angeben, welche Aufgabe sie gerne übernehmen wollen: Stoff reißen, Gummibänder zuschneiden, den Draht für Nasenklammern zwirbeln, nähen oder als Fahrradkurier die Materialien von A nach B bringen. Die Näherinnen und Näher können dann fertige Nähsets zu sich nach Hause bestellen. Die Software zeigt in kleinen Erklärvideos alle einzelnen Schritte. Die fertigen Masken werden dann zunächst im Büro geprüft, bevor sie in eine Wäscherei gebracht werden.

          Anschließend gehen die Masken an Organisationen, die keinen Anspruch auf medizinische Masken haben, aber besonders darauf angewiesen sind, Mund und Nase zu bedecken. So hat Cup2gether zum Beispiel die FES mit 1200 Masken unterstützt, aber auch Schutzmasken an die Drogenhilfe oder andere Organisationen verteilt, die auf den Mund-Nasen-Schutz angewiesen sind.

          Bereits über 7000 Schutzmasken wurden genäht

          5000 Schutzmasken zu produzieren war das erklärte Ziel der Initiative. Nun sind es über 7000, und die Freiwilligen arbeiten und arbeiten immer weiter. Claudia Schäfer ist die Begeisterung anzumerken, wenn sie über das Engagement der Leute berichtet. „So viele unterschiedliche Leute machen bei uns mit. Das geht von einem elfjährigen Mädchen, das die erste Naht setzt, über Geschäftsleute in Kurzarbeit, Akademiker, ausgebildete Näherinnen im Ruhestand, Teenager und Arbeitslose bis hin zu jungen Männern, die auch nähen wollen“, so die studierte Designerin. Das Schöne sei, dass alle Leute sich irgendwie einbringen könnten, ganz unabhängig von ihren Talenten.

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