https://www.faz.net/-gzg-a48b9

Steigende Corona-Fallzahlen : Kliniken schalten wieder auf Krisenmodus

Kampf gegen Corona: Arbeit auf der Intensivstation an der Universitätsklinik Frankfurt. Bild: Frank Röth

Bald dürften planbare Operationen wieder verschoben werden. Der ärztliche Leiter der Uniklinik Frankfurt geht davon aus, dass wieder Kapazitäten für intensivpflichtige Corona-Patienten freigehalten werden müssen.

          4 Min.

          Die Corona-Distanz zwischen Virologe Christian Drosten und Jürgen Graf, dem ärztlichen Direktor des Frankfurter Uniklinikums, beträgt bei der Bundespressekonferenz am Freitagmorgen in Berlin eine Stuhlbreite. Inhaltlich könnten sich die beiden Männer kaum näher- stehen. Graf, der auch den hessischen Corona-Planungsstab leitet, ist in die Hauptstadt gereist, um gemeinsam mit Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD), Vertretern der Charité und Drosten über die neuesten Corona-Entwicklungen zu informieren. Die Lage spitze sich weiter zu, sagt Graf. Im Rhein-Main-Gebiet, in dem sowohl Frankfurt als auch Offenbach wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen zu Risikogebieten erklärt wurden, sei die Situation schon wieder „sehr kritisch“.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          In den Kliniken gehe es jetzt darum, Ressourcen zu schaffen, um die Corona-Patienten behandeln zu können. „Die Unikliniken sind wie ein Frühwarnsystem“, sagt Graf. Anhand der steigenden Fallzahlen lasse sich erahnen, was wieder auf das Gesundheitssystem zukomme. Derzeit seien noch viele Intensivstationen mit Nicht-Corona-Patienten belegt. Graf spricht sich dafür aus, planbare Eingriffe abermals zu verschieben, um so Kapazitäten zu schaffen. „Wir müssen unsere Ressourcen wieder auf Covid konzentrieren.“

          Dabei sei nicht die Zahl der Intensivbetten der kritische Faktor, sondern fehlendes Personal. Wenn es nicht gelinge, die Mitarbeiter der Kliniken in den Wintermonaten „gesund und arbeitsfähig zu halten“, stehe man vor einem großen Problem. Graf verteidigt die Entscheidung der Stadt Frankfurt, unter anderem eine Sperrstunde von 23 Uhr an einzuführen. „Um das Leben vieler Menschen zu schützen, müssen wir mit unserem Verhalten dazu beitragen.“ Auch Berlins Bürgermeister Müller wirbt um Verständnis für die Corona-Maßnahmen in den Risikogebieten. „Wir müssen erkennen, dass es nicht die Zeit des Feierns ist.“

          „Das ist, was uns retten wird“

          Virologe Drosten rät, eine Art Bewegungstagebuch zu schreiben, um im Fall einer Infektion bei einer Kontaktnachverfolgung besser Auskunft geben zu können. Das könne den Gesundheitsämtern bei der Arbeit helfen, aber auch einen Überblick schaffen, wie viele Kontakte tatsächlich während einer Woche zustande kämen. Nur wenn sich die Bevölkerung gut informiert fühle, seien die Menschen in der Lage, im Alltag „richtige Entscheidungen“ zu treffen, meint Drosten. „Das ist, was uns retten wird.“

          „Ressourcen wieder auf Corona-Patienten konzentrieren“: Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Frankfurt, berichtet von den Planungen der Kliniken.
          „Ressourcen wieder auf Corona-Patienten konzentrieren“: Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Frankfurt, berichtet von den Planungen der Kliniken. : Bild: Frank Röth

          Frankfurt gilt mit einem Inzidenzwert von 55,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen als Risikogebiet. Auch Mainz bereitet sich darauf vor, den Schwellenwert von 50 bald zu überschreiten. In Offenbach werden am Freitag schon mehr als 70 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen je 100.000 Einwohner registriert. Das dortige Gesundheitsamt meldet zwölf neue Infektionsfälle. Einer steht im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch im DHL-Verteilzentrum in Obertshausen. Es gilt als wahrscheinlich, dass in Offenbach demnächst die letzte Stufe des Eskalationsplans des Landes Hessen erreicht wird. Diese ist bei einem Inzidenzwert von 75 angesetzt.

          Wie Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Die Grünen) sagt, bereitet es immer größere Schwierigkeiten, die Infektionswege zu rekonstruieren. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass eng begrenzte, zielgerichtete Maßnahmen nicht mehr ausreichten, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Der Offenbacher Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) hat für Offenbach bereits angekündigt, dass man nach den Herbstferien die einwöchige Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen auf die Grundschulen ausweiten werde, wenn sich die Lage weiter zuspitze.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump deutet Kandidatur an : „Und ansonsten sehe ich euch in vier Jahren“

          Donald Trump will wohl in vier Jahren wieder für das Präsidentenamt kandidieren und kann dabei offenbar auf die Unterstützung seiner Partei zählen. Zunächst aber will der Noch-Präsident in Georgia zwei Kundgebungen abhalten – um für die Republikaner wichtige Sitze im Senat zu sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.