https://www.faz.net/-gzg-a4q23

Weihnachtsmarkt vor dem Aus : Der letzte Hoffnungsschimmer schwindet

  • Aktualisiert am

Über Soll: Beim Radfahren besteht in Frankfurt keine Maskenpflicht, aber angesichts der weiter hohen Infektionszahlen bei vielen anderen Anlässen. Bild: Lando Hass

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen muss der Frankfurter Weihnachtsmarkt vermutlich ausfallen. Auch in anderen hessischen Städten und Kreisen ist die höchste Alarmstufe längst erreicht.

          3 Min.

          Vor einem womöglich richtungsweisenden Wochenende ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Frankfurt leicht zurückgegangen, sie bleibt aber wie in vielen anderen hessischen Städten und Kreisen besorgniserregend hoch. Nach Auskunft des Sozialministeriums betrug die vielbeachtete Inzidenz, die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, in Frankfurt fast 135 und in Offenbach rund 112, mithin weiterhin deutlich über dem Schwellenwert der höchsten Warnstufe (75). Die Situation verlangt von den Kommunen, dass sie möglichst viele Kontakte unterbinden. Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, sagte am Freitag im ZDF, inzwischen gelinge es nicht mehr, jedem Fall genau nachzugehen, obwohl das Amt inzwischen von der Bundeswehr unterstützt wird. Gesundheitsdezernent Stefan Majer sprach sogar von einem möglichen Lockdown.

          Vor diesem Hintergrund wird eine Absage des Frankfurter Weihnachtsmarktes wahrscheinlich. Vielleicht schon am Freitagabend sollte es zu einer Entscheidung kommen. Noch Ende September hatten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und die für die Organisation von Volksfesten zuständige Tourismus- und Congress-Gesellschaft angekündigt, den Weihnachtsmarkt wenn irgend möglich stattfinden zu lassen. Die TCF hatte dafür ein an die Bedingungen der Pandemie angepasstes Konzept entwickelt. Dieses sah unter anderem feste Verzehrbereiche um die Buden vor. Aber etliche Budenbetreiber sollen eine Teilnahme am Markt bereits von sich aus abgesagt haben. Sie fürchten nicht nur die Ansteckungsgefahr für sich und ihre Mitarbeiter, sondern auch die wirtschaftlichen Risiken eines Marktes, der vielleicht doch nicht eröffnen kann oder kurzfristig geschlossen werden muss. Außerdem steht die Frage im Raum, ob ein derart reglementiertes Volksfest überhaupt attraktiv für die Besucher und damit rentabel für die Aussteller wäre.

          Mit alljährlich rund drei Millionen Besuchern zählt der Frankfurter Weihnachtsmarkt zu den größten in Deutschland. Thomas Roie, der Vorsitzende des Schaustellerverbands Frankfurt Rhein-Main, beklagt eine „massive Verunsicherung in unseren Reihen“. Viele Schausteller hätten seit Beginn des Jahres keine Einnahmen mehr erzielt. Der Weihnachtsmarkt sei für sie ein Hoffnungsschimmer gewesen. Andererseits wüssten die Budenbetreiber um das Pandemie-Geschehen und seien bereit, eine politische Entscheidung gegen den Weihnachtsmarkt mitzutragen. Immerhin, eine gute Nachricht gibt es: Einen Christbaum vor dem Römer soll es auch in diesem Jahr geben.

          Hochtaunuskreis hat die höchste Eskalationsstufe erreicht

          Nach aktuelleren Zahlen des Gesundheitsamtes in Offenbach ist am Freitag die Inzidenz sogar auf 141 gestiegen. Unter den 55 neuen Infektionsfällen befinden sich drei Reiserückkehrer und 15 Personen, die Kontakt zu diesen hatten. Bei 15 weiteren Infizierten ist die Quelle der Erkrankung unbekannt, in weiteren zwanzig Fällen laufen die Recherchen noch. Vor den Schwierigkeiten bei der Nachverfolgung der Infektionsketten warnt die Offenbacher Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Die Grünen) schon seit geraumer Zeit. Deshalb hatte Offenbach schon früh um Hilfe bei der Landes- sowie der Bundespolizei angefragt und auch bei der Bundeswehr. Tatsächlich sind inzwischen Soldaten in Offenbach bei der Ermittlung unklarer Infektionswege eingesetzt sowie bei der Auswertung von Corona-Tests. Auch in Offenbach ist zu beobachten, dass die Menschen wieder sehr viel unbekümmerter auch außerhalb der Familie mit vielen Menschen zusammentreffen.

          Auch der Inzidenzwert für den Hochtaunuskreis hat die höchste Eskalationsstufe erreicht. Treffen in der Öffentlichkeit und private Feierlichkeiten werden auf fünf Personen oder maximal zwei Hausstände begrenzt. Eine Mund-Nasen-Bedeckung muss in Vergnügungsstätten, beim Besuch öffentlicher Veranstaltungen, in öffentlich zugänglichen Bereichen öffentlicher Einrichtungen, bei Trauerfeierlichkeiten sowie in Kirchen und vergleichbaren Räumlichkeiten von Glaubensgemeinschaften und in der Gastronomie abseits des eigenen Sitzplatzes getragen werden. Weiterhin behält das Verbot von Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zwischen 23 und 6 Uhr seine Gültigkeit.

          Die Anordnung der Landeshauptstadt Wiesbaden zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für alle Schüler ab der Jahrgangsstufe fünf ist rechtmäßig. Das Verwaltungsgericht hat den Eilantrag eines Wiesbadener Schülers, im Unterricht auf die Maske verzichten zu dürfen, abgelehnt. Das Gericht befand, dass die Allgemeinverfügung des Gesundheitsamtes „nach summarischer Prüfung“ nicht zu beanstanden ist. Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im Präsenzunterricht sei damit ein wirksames und geeignetes Mittel, um die Weiterverbreitung des Virus in den Schulen und aus den Schulen heraus zu verhindern. Ein milderes, aber gleich wirksames Mittel sei nicht ersichtlich. Auch die Maskenpflicht in den Schulen im Main-Kinzig-Kreis ist rechtens. Das hat das Verwaltungsgericht in Frankfurt in einer am Freitag veröffentlichten Entscheidung festgelegt.

          Der Eilantrag zweier Schülerinnen aus der fünften und sechsten Klasse wurde abgewiesen. Nach ihrer Überzeugung sind Schulen und Kindertagesstätten durchaus von Bedeutung für die Ansteckung mit der Lungenkrankheit. Eine Maske über Mund und Nase sei geeignet, eine Übertragung des Virus zu verhindern. Wie berichtet, hatten am Donnerstag die Richter die Allgemeinverfügung für Frankfurt als widersprüchlich aufgehoben, nach der an Feiern in privaten Räumen höchstens zehn Personen oder Mitglieder aus zwei Hausständen teilnehmen dürfen; die Stadt spricht bis auf weiteres nur noch eine solche Empfehlung aus. Für den Landkreis Gießen hob der Verwaltungsgerichtshof am Freitagnachmittag die Verlängerung der Sperrzeit in Lokalen auf. Es sei nicht dargelegt, dass dies erforderlich und angemessen sei, um die Pandemie einzudämmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fünf Tote in Trier : Mutmaßlicher Amokfahrer muss vor Haftrichter

          Einen Tag nach der schrecklichen Amokfahrt in Trier entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie für den festgenommenen Autofahrer Untersuchungshaft oder eine Unterbringung in der Psychiatrie beantragt. Fünf Menschen wurden am Dienstag in der Innenstadt getötet.
          Fragwürdige Ehrung: „Ahnengalerie“ im Bundesarbeitsgericht in Erfurt

          Frühere Bundesrichter : Tief verstrickt in NS-Verbrechen

          Das Bundesarbeitsgericht hat seine Vergangenheit nie aufarbeiten lassen. Jetzt zeigt sich: Etliche seiner Richter hatten in der NS-Zeit Todesurteile zu verantworten oder sich auf andere Weise schwer belastet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.